Mi., 28.02.2018

Personalnotstand in der Pflege Arbeit liegen lassen geht nicht

In der Vollzeitpflege gehen die Fachkräfte eine hohe Verbindung zu den Bewohnern ein. Darin finden viele Erfüllung.

In der Vollzeitpflege gehen die Fachkräfte eine hohe Verbindung zu den Bewohnern ein. Darin finden viele Erfüllung. Foto: dpa

Alstätte/Gronau - 

Für Pflegeeinrichtungen wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden. Stationäre Einrichtungen klagen ebenso wie ambulante Pflegedienste über einen Personalnotstand und fehlenden Nachwuchs. Währenddessen werden die pflegebedürftigen Senioren nicht nur immer mehr, sondern auch immer älter. Noch gelang es dem Katharinenstift in Alstätte zwar immer, die Stellen zu besetzen. Über 70 Köpfe arbeiten in dem Seniorenwohnpark, der 2005 errichtet wurde und mittlerweile Platz für 53 Pflegebedürftige hat. „Aber es wird nicht einfacher“, sagt Marion van der Wals, Leiterin des Alten-, Wohn- und Pflegeheims.

Von Mareike Meiring

Die Gründe für das fehlende Personal sind vielfältig. Wenige Vollzeit- und viele Teilzeitstellen, eine hohe Arbeitsbelastung mit Schicht- und Wochenenddiensten und eine sinkende Akzeptanz in der Bevölkerung: Marion van der Wals und der Fachbereichsleiter Altenhilfe bei der St.-Antonius-Hospital-GmbH, Michael Hillen, kennen sie alle. Und doch haben sie ebenso viele Argumente parat, warum es sich dennoch lohnt, den Pflegeberuf zu ergreifen.

Doch zunächst zu den akuten Problemen. Dass es bei vielen am Gehalt scheitert, glaubt Hillen nicht. Die Pflegekräfte der St.-Antonius-Hospital-GmbH werden nach dem AVR-Tarif der Caritas bezahlt, examinierte Fachkräfte in der Altenpflege bekommen dabei als Einsteiger etwa 2600 Euro brutto. Die vorrangigen Probleme sind nach Ansicht von Michael Hillen die Arbeitsbelastung und die schwere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Pflegekräfte müssen nachts und an Wochenenden arbeiten, wird jemand krank, geht es nicht ohne Ersatz. Die Pflegebedürftigen brauchen Betreuung rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Mal Arbeit liegen lassen geht in dem Beruf nicht. „Daran lässt sich auch mit intelligenten Schichtmodellen nichts ändern“, sagt Ansgar Höing, Öffentlichkeitsreferent im Antonius-Hospital.

Wegen der Schichtmodelle haben viele zudem nur Teilzeit- und keine Vollzeitstellen. Das schreckt einige ab, gerade wenn sie mit ihrem Gehalt eine Familie ernähren müssen. Wohl auch deshalb ist der Frauenanteil in dem Beruf ungleich höher. Denn noch immer gibt es wenig Männer, die sich bewusst für eine Teilzeitstelle entscheiden.

Hinzu kommt die starke körperliche wie auch psychische Belastung des Berufs. Gleichzeitig leiden die Mitarbeiter laut Michael Hillen darunter, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft sinkt. In der Öffentlichkeit wird zunehmend über Missstände in der Pflege berichtet, häufig als Folge des Personalmangels. „Aber da muss man differenziert hinschauen“, betont Hillen. Pauschalisieren ließen sich solche Fälle nicht.

Während sich also immer weniger für den Beruf entscheiden, wächst der Bedarf weiter. Nach Angaben des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2040 allein im Kreis Borken um etwa 4700 Personen zu, für den Kreis Steinfurt liegt sie noch höher. Die angekündigten zusätzlichen 8000 Stellen der geplanten Großen Koalition sind da für ganz Deutschland nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Stattdessen wächst die Jugend nicht in dem Maße nach, immer mehr Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium statt für eine Ausbildung. Die St.-Antonius-Hospital-GmbH versucht derweil, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um neue Azubis zu gewinnen, wie Ansgar Höing sagt. Sie sind bei jeglichen Berufs- und Ausbildungsmessen unterwegs, sind sehr aktiv in den sozialen Netzwerken und setzen auf Multiplikatoren wie ehemalige Azubis. Auch Praktikanten ließen sich schnell von dem Beruf begeistern.

Zudem gibt es immer mehr Quereinsteiger. „Häufig sind es auch welche, die vorher im familiären Bereich gepflegt haben“, sagt Marion van der Wals. Sie könnten schnell Fuß fassen.

Kräfte aus dem Ausland sind für Fachbereichsleiter Michael Hillen nur bedingt eine Lösung. „Es gibt viele kulturelle Unterschiede“, sagt er, selbst zwischen Deutschland und Holland. Vor allem die Sprachbarrieren seien nur schwer zu überbrücken. „Arbeitsabläufe kann ich erklären, doch kommunizieren wird schon schwieriger.“

Haben sich die Azubis hingegen einmal für den Beruf entschieden, bleiben viele dabei. „Alle, die wir ausgebildet haben, sind geblieben“, sagt van der Wals nicht ohne eine Spur Stolz. Denn gerade in der Vollzeitpflege sei die Arbeit sehr gehaltvoll, es gebe eine hohe Verbindung zu den Bewohnern. „Viele finden Erfüllung in ihrem Beruf.“

Ansgar Höing spricht noch etwas anderes an: „Wer sich für den Beruf entscheidet, muss sich um seine Zukunft keine Sorgen machen.“ Ganz im Gegenteil: In Zukunft werden Pflegekräfte wohl noch stärker gefragt sein, als es jetzt schon der Fall ist.

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