Do., 01.03.2018

Eiszeit auf dem Wochenmarkt Irgendwann platzen die Eier weg

Plastikhandschuhe fürs Fingerspitzengefühl: „Frau Sandra aus Holland“ friert hinter der Käsetheke.

Plastikhandschuhe fürs Fingerspitzengefühl: „Frau Sandra aus Holland“ friert hinter der Käsetheke. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlen - 

Ab minus sechs Grad wird‘s kritisch, sagt Marktbeschicker Heinrich Schwippe. Dann platzen die Eier weg. Der Wochenmarkt am Mittwoch – er ist der kälteste dieses Winters in Ahlen.

Von Ulrich Gösmann

Warme Füße, kalte Nasenspitze – und dazwischen unterkühlte Finger, die zunehmend schwerfälliger nach dem nächsten Ei greifen. So geht‘s für Geflügelhändler Heinrich Schwippe durch den bisher wohl eisigsten Wochenmarkttag dieses Winters. Der zweite Heizstrahler arbeitet – hier wie anderswo – nur auf Sparflamme. „Wenn ich damit auf 40 Grad gehe, geht mir der Fisch über die Wupper“, schickt Thomas Lütjen mit norddeutschem Akzent von gegenüber rüber – und grinst nordisch nüchtern.

Kälte und eisiger Wind

Der Eiermann nimmt den kältesten Außendiensttag sportlich: „Man muss ne Büx mehr drunter haben.“ „Hat er auch“, bestätigt Ehefrau Roswitha – und reicht den nächsten Sechser über die Theke. Kunden machen sich an diesem eisigen Markttag rar. „Gerade die älteren Leute kommen nicht mehr“, sagt Heinrich Schwippe. Mit dem Rollator sehe man kaum noch jemanden. Winter halt.

Schlimmer als die Kälte: der eisige Wind. Schwippes schirmen sich in der Einflugschneise per Plane ab. Dass die Wagen heute dichter zusammen stehen, ist Zufall. „Aber gut“, lacht der Sprecher der Marktbeschicker. „Wir wärmen uns gegenseitig.“ Doch das, was an Ware im Wagen liegt, ist wählerisch. Der zweite Heizstrahler zeigt der Geflügeltheke die kalte Rückseite – und hält einzig die Eier auf Temperatur. „Damit uns die nicht wegplatzen. Ab minus sechs, minus sieben Grad wird‘s gefährlich“, lässt der Fachmann aufhorchen.

„Nächste Woche sehen wir alle schlanker aus“, scherzt Anne Stammkötter in ihrem Wurst- und Fleischwagen – und zählt auf: „Mütze, Schal, Halstuch. Zwei lange Unterhosen und eine Thermohose.“ Dazwischen geht noch mehr: Dünnes Unterhemd, dickes Unterhemd, Fleece, Jacke, Weste, Kittel. Macht sechs Schichten.

Damit ist sie an diesem Mittwoch modisch Marktmeisterin. Den Verkaufswagen hat sie am Morgen daheim auf plus zehn Grad vorgeheizt. Ein guter Puffer für die nächsten Stunden. „Ich muss aufpassen, dass mir nichts einfriert“, sagt die Ennigeranerin. Das gehe sonst auf Kosten der Qualität. Sie selbst wechselt zwischen heißem Kaffee und Früchtetee. Zu viel Koffein sei bei diesem Wetter auch nichts.

Die Sonne wärmt nicht

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Nächste Woche sehen wir alle schlanker aus.

Anne Stammkötter

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An der Sonne, die Sandra Hiemstra auf ganzer Länge auf die Käsetheke scheint, kann sich die Holländerin nicht wirklich erwärmen: „Kommen Sie mal rein. Dann wissen Sie, wie kalt es hier ist. Ich stehe im eisigen Wind.“ Ihr Käse könne eigentlich viel ab. Das sei ihr Vorteil. „Beim Schneiden zieht er sich allerdings ein bisschen kaputt.“ Fürs Fingerspitzengefühl geht‘s mit Plastikhandschuhen durch diesen Vormittag. Ihre Erkältungen, nimmt‘s Frau San­dra aus Enschede mit Humor, habe sie bisher gut platziert. Die kommen am Wochenende und seien weg, wenn es wieder los gehe.

Wer sich kurz aufwärmen will, ist in der von Planen umschlossenen Obst- und Gemüse-Oase von Ingo Hoffmeier richtig. 6,2 Grad zeigt das Thermometer. Macht am ganz frühen Morgen eine Differenz von 17 Grad zu draußen. Wärme, die die Ware braucht. Seine Sensibelchen heißen Salat, Tomate und Gurke. Über die Kartoffeln ist im beheizten Verkaufsraum eine dicke Wolldecke gelegt. Die würden sonst im Geschmack süß. „Die Leute sagen: wie im Wohnzimmer“, lässt der Markthändler wissen. Dass es so mancher Kunden mit dem „der Nächste bitte“ heute nicht ganz so eilig hat, ist naheliegend.

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