Di., 06.03.2018

„Bürger für Bürger“ Helfer krempeln Ärmel hoch

Zufrieden, geholfen zu haben: Amandus Petrausch von „Bürger für Bürger“ mit Claudia Heckes vor dem Eingang zu den Räumen der „Flexiblen Hilfen“ an der Steverstraße.

Zufrieden, geholfen zu haben: Amandus Petrausch von „Bürger für Bürger“ mit Claudia Heckes vor dem Eingang zu den Räumen der „Flexiblen Hilfen“ an der Steverstraße. Foto: Christian Besse

Lüdinghausen - 

Wie umfangreich die Arbeit sein würde, sahen die „Bürger für Bürger“ erst vor Ort. „Der Wasserhahn war undicht, die Arbeitsplatte unter dem Herd total verfault“, erinnert sich einer der Helfer. Der gemeinnützige Verein hatte auf den Hilferuf einer 41-Jährigen und ihrer Betreuerin reagiert.

Von Christian Besse

Die 41-jährige Lüdinghauserin war überfordert, hilflos. Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder, abgesehen von ihrem eigenen Nachwuchs ohne Verwandte und Freunde, konnte sich mit seit Langem lädierter Schulter um ihre Wohnung nicht mehr angemessen kümmern. Fast ebenso hilflos war ihre Betreuerin. Claudia Heckes, Projektleiterin der „Flexiblen Hilfen Lüdinghausen“, hinter der die Evangelische Jugendhilfe Münsterland steht. Ihre Aufgabe war und ist es, Erziehungshilfe zu geben oder etwa Behördengänge zu erledigen.

Doch in der Wohnung der 41-Jährigen musste weit mehr getan werden – den Keller entmüllen, die Wohnräume wieder in annehmbaren Zustand bringen und vor allem die elektronischen Haushaltsgeräte reparieren. „Das Know-How dafür haben wir nicht“, sagt Heckes. Der Vermieter wiederum habe nicht mehr kooperiert. Also wandte sich die 55-Jährige an den gemeinnützigen Verein „Bürger für Bürger“. Denn die haben das Know-How. „Wir haben Fachkräfte wie Elektriker, Schlosser oder Schreiner, meistens Rentner“, erklärt Amandus Petrausch, Vorstandsmitglied des Vereins.

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Alleinerziehende Frauen sind mit die wirtschaftlich Ärmsten in unserer Gesellschaft.

Amandus Petrausch von „Bürger für Bürger“

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Wie umfangreich die Arbeit für die 41-Jährige und ihre Kinder sein würde, sahen die „Bürger für Bürger“ aber erst bei der ersten Visite vor Ort. Zum Beispiel in der Küche: „Der Wasserhahn war undicht, die Arbeitsplatte unter dem Herd total verfault“, erinnert sich Petrausch. Und die Küche war nur eine von vielen Baustellen. So mussten auch längst unbrauchbar gewordene Möbel ersetzt werden.

Vier Wochen lang entsorgten, besorgten und reparierten vier Mitglieder von „Bürger für Bürger“ in der Wohnung der 41-Jährigen. Groß bitten habe Heckes sie nicht müssen, so Petrausch: „Familien mit Kindern in Notsituationen zu helfen ist wichtig. Und alleinerziehende Frauen sind mit die wirtschaftlich Ärmsten in unserer Gesellschaft.“ Bei der 41-Jährigen rannten die „Bürger für Bürger“ quasi offene Türen ein. „Ich war nicht gewohnt, dass mir jemand hilft“, so die Lüdinghauserin.

Nun ist die Wohnung wieder in Schuss – auch dank vieler Sachspenden und der Landjugend Lüdinghausen, die den Erlös aus ihrer Weihnachtsbaumaktion den „Bürgern für Bürger“ zur Verfügung gestellt hatte. Und dank des 14- und zwölfjährigen Nachwuchses der 41-Jährigen. Amandus Petrausch: „Die Kinder haben sehr mitgeholfen.“

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