Mo., 05.03.2018

Alpaka-Zucht mit hohem Ziel Familie Freitag will beste Faser der Welt

„Hallo, wer bist du denn?“ – Neugierig und wenig ängstlich zeigen sich die Tiere von Angelika Freitag auch dann, wenn sich ein Hund auf ihrer Weide blicken lässt.

„Hallo, wer bist du denn?“ – Neugierig und wenig ängstlich zeigen sich die Tiere von Angelika Freitag auch dann, wenn sich ein Hund auf ihrer Weide blicken lässt. Foto: Privat

Ladbergen - 

Alpakas: Zuhause sind diese Tiere in den südamerikanischen Anden. Doch auch in Ladbergen sind sie zu finden. In großer Zahl sogar. Mehr als 250 Alpakas tummeln sich auf einer Weide der Familie Freitag. Birga Jelinek hat sie besucht.

Von Birga Jelinek

In den südamerikanischen Anden, ihrer Heimat, sind Alpakas vermutlich nichts Besonderes. Im beschaulichen Ladbergen fällt eine Herde von mehr als 250 Tieren auf. Die Alpakas der Familie Freitag prägen das Ortsbild. Viele Menschen haben wohl die freundlichen Tiere mit den großen Kulleraugen und den lustigen Frisuren schon über die Weiden tollen sehen.

„Alpakas sind freundliche, neugierige Tiere, die dem Menschen sehr zugewandt sind. Mit ihrem ruhigen Wesen und der Gelassenheit, die sie ausstrahlen, erreichen sie, dass Menschen sich mit ihnen wohl fühlen.“ So treffend beschreibt Dr. Angelika Freitag ihre Lieblinge.

Es begann 2002 mit drei Alpakastuten, die die Weide mit den Pferden der Familie teilen sollten. „Die Wiederkäuer sind ideale Weidepartner, da sie fressen, was Pferde stehen lassen“, erklärt Angelika Freitag. Bald schon dachte die Tochter eines Landwirts dann über eine wirtschaftliche Nutzung von Alpakas nach. „Die robuste Faser des Fells ist wärmeisolierender, langlebiger und pflegeleichter als die anderer Tiere. Dazu kommt, dass sie sich unverwechselbar weich und flauschig anfühlt.“

Aus dieser Idee hat sich ein gut organisiertes Familienunternehmen entwickelt. Von der Haltung und Zucht über die Weiterverarbeitung der Faser bis hin zur Vermarktung der Produkte ist es ein langer Weg. Die Zusammenarbeit mit Futtermittelherstellern, Spinnereien, Designern und Schneidern führte schließlich dazu, dass nach Auskunft der Chefin von „fiber to fashion“ der Produktionsweg optimal verläuft.

Der Alpaka-Alltag gestaltet sich bei Familie Freitag in der Regel entspannt. Die ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere stellen keine großen Ansprüche an Futter und Unterbringung. Sie benötigen lediglich einen Wetterschutz und gutes Raufutter, das von den Züchtern durch ein von ihnen selbst entwickeltes Mineralfutter ergänzt wird. Alle zwei bis drei Monate werden die Klauen der Tiere gepflegt, die sich auf der Wiese zu wenig abnutzen. Ebenso werden ein- bis zweimal im Jahr ihre Zähne kontrolliert und bei Bedarf behandelt. Eine Besonderheit der Alpakas ist, dass sie im Oberkiefer keine Zähne, sondern eine Kauplatte haben.

„Die Tiere sind intelligenter als Pferde, lernen schnell, sind neugierig und wenig ängstlich,“ erzählt Angelika Freitag. Diese Charaktereigenschaften machten sie zu idealen Partnern in der tiergestützten Therapie, einige Alpakas würden vor Kutschen gespannt oder begleiteten ihre Besitzer bei Spaziergängen.

Wenn es einmal im Jahr ans Scheren der Tiere geht, ist Aufregung auf dem Hof angesagt. Nach den Eisheiligen werden die Alpakas aufgestallt um dann eines nach dem anderen ihr Fell zu lassen. 50 Schuren schafft ein erfahrenen Scherer am Tag.

Mit ihrem gesammelten Erfahrungen hat Angelika Freitag ein Buch gefüllt, „Warum Alpakas“ heißt das Werk, das auf 168 Seiten geballtes Wissen bietet. Zusätzlich teilt sie in verschiedenen Seminaren rund ums Alpaka ihr Wissen, sodass Anfänger in der Alpakahaltung gleich gut informiert starten können.

Trotz der hohen Professionalität, mit der sich das achtköpfige Team um die Tiere kümmert, bleibt Zeit für Persönliches. Da ist zum Beispiel Hannibal, der Lieblingshengst von Angelika Freitag. Er zeichnet sich nicht nur durch seine hervorragende Faserqualität aus, sondern auch durch seinen ausgesprochen freundlichen, entspannten Charakter.

Die Stute Lilli hatte einen schweren Start ins Leben und musste intensiv betreut werden. Da ist es eine besondere Freude, dass sich die Mühe gelohnt hat und sie nun ein zufriedenes Alpakaleben führen kann.

Und dann sind da noch Trixi und Angi, die auf die Gesellschaft von Angelika Freitag keinen Wert legen und sie anspucken, sollte sie zu nahe kommen. Dies tun die Tiere nur um andere abzuschrecken und normalerweise nur unter Artgenossen. Als die Stuten aber Probleme mit der Geburt hatten, ließen sie die Hilfe von Angelika Freitag zu. Ein weiteres Indiz dafür, wie schlau Alpakas sind.

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5569903?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F