Di., 06.03.2018

Baumschutzsatzung Schutz für Dicke

Bäume in der Stadt – wie diese in einem Park in der Innenstadt – haben viele Funktionen. In Zukunft sollen sie wieder durch eine Satzung geschützt werden.

Bäume in der Stadt – wie diese in einem Park in der Innenstadt – haben viele Funktionen. In Zukunft sollen sie wieder durch eine Satzung geschützt werden. Foto: Günter Benning

Greven - 

Bäume sollen wieder geschützt werden in Greven. Der Rat muss das noch beschließen. Eine Mehrheit zeichnet sich ab.

Von Günter Benning

Kaum hatte der Planungsausschuss am Donnerstag die Baumschutzsatzung für Greven durchgewunken, klingelte in der Redaktion dieser Zeitung das Telefon. Einem Leser war aufgefallen, dass an der Königstraße 100-jährige, gesunde Eichen gefällt worden waren. Vielleicht ein übervorsichtiger Vorgriff? Wollte ein Baumbesitzer Anträge und Ablehnung vermeiden?

Der Fall macht den grundsätzlichen Konflikt zwischen Gegnern und Anhängern der Baumschutzsatzung deutlich.

Die Fraktion der Linken hatte den Antrag gestellt, die 2006 aufgehobene Baumschutzsatzung der Stadt wieder in Kraft zu setzen. „Für uns“, hieß es im Planungsausschuss aus der Linken-Fraktion, „ist das eine Grundsatzfrage.“

Dagegen hielt Ausschussvorsitzender Jürgen Diesfeld (CDU): „Ich bin der Meinung, dass man die Bürger nicht mit Verbotsschildern auf den rechten Pfad bringen kann.“ Sein Fraktionskollege Johannes Henningfeld verwies darauf, dass es in Greven jetzt schon zwölf Jahre keine Baumschutzsatzung gebe – „warum brauchen wir die?“

Auch Mechtild Hemmen von der FDP sah keinen Sinn in der Satzung: „Das kostet Geld – und steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis.“

Dagegen argumentierten die Befürworter, etwa der Grüne Wolfgang Hoppe: „Die Satzung wirkt schon im Vorfeld, die Bäume in der Stadt sind uns wichtig.“ Und auch Dr. Christian Kriegeskotte (SPD) signalisierte Zustimmung: „Heute kann doch jeder 100-jährige Eichen in der Stadt fällen, weil es keinen Schutz für sie gibt.“

Tatsächlich soll die Satzung gegenüber ihrer Vorgängerin an drei Punkten vereinfacht werden. Erstens gilt sie nicht für Grundstücke unter 400 Quadratmeter. Dort habe es in der Vergangenheit regelmäßig Fäll-Genehmigungen gegeben, argumentiert die Verwaltung. In der Regel ging es da um Terrassenverschattung oder Gefahren durch große Bäume. Außerdem geht es nur um private Bäume. Wenn die Stadt selber fällt, werden grundsätzlich möglichst nah Ersatzbäume gepflanzt.

Außerdem soll nicht mehr in allen Fällen, in denen die Verwaltung das Baumfällen ablehnt, der Ausschuss involviert werden. Das hatte in der Vergangenheit zu viel Bürokratie geführt. Die Kommunalpolitiker sollen nur noch bei „stadtbildprägenden Bäumen“ befragt werden.

Ein Blick in die Vergangenheit: In den Jahren 2003 bis 2006 wurden im Durchschnitt 25 Anträge pro Jahr gestellt.

In diesen Anträgen waren sowohl private als auch städtische Bäume enthalten. In diesem Zeitraum wurde die Beseitigung von 239 Bäumen beantragt. Für 227 Bäume wurde eine Genehmigung erteilt und Ersatzpflanzungen gefordert. Bei 12 Bäumen wurde eine Beseitigung abgelehnt. Der Verwaltungsaufwand pro Antrag wird auf ein bis drei Stunden geschätzt.

Geschützt werden sollen Laubbäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern und mehr, gemessen in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden. Nicht unter diese Satzung fallen Nadelbäume und Obstbäume – mit Ausnahme von Walnussbäumen und Esskastanien.

Der Ausschuss stimmte der Satzung mit neun zu sechs Stimmen zu. Jetzt muss sie noch am 14. März vom Rat abgesegnet werden.

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