Mi., 07.03.2018

Bürgerbusverein Senden Nachfrage erfordert zweiten Bus

Seit Aufnahme des Fahrbetriebs am 30. August hat der Bürgerbus knapp 10 000 Fahrgäste transportiert.

Seit Aufnahme des Fahrbetriebs am 30. August hat der Bürgerbus knapp 10 000 Fahrgäste transportiert. Foto: di

Senden - 

Der Bürgerbusverein Senden ist mit seinem „Sprinter“ erst seit einem halben Jahr auf Strecke, doch die Kapazitätsgrenze wurde bereits erreicht. Ein Szenario gegen den Engpass bestünde in der Gründung eines Ableger-Vereins mit einem zweiten Fahrzeug.

Von Dietrich Harhues

Mit seinem Sprinter ist der Bürgerbusverein erst ein halbes Jahr im Einsatz, doch denkt er schon (laut) darüber nach, sich selbst zu klonen. Denn ein zweiter Bürgerbus (und gleichnamiger Verein) böte eine Möglichkeit, dem Problem beizukommen, dass der Mercedes Sprinter mit seinen acht Plätzen immer wieder an Kapazitätsgrenzen stößt. Die Nachfrage an Mobilität – sie entpuppt sich als groß.

Und sie sprengt die Prognosen, die beim Schmieden der Bürgerbus-Pläne aufgestellt wurden. Im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) des Rates stellten 1. Vorsitzender Klaus Dallmeyer und Fahrdienstleiter Reinhard Stach am Dienstagabend die Zahlen und Szenarien vor, wie auf die unerwartete Auslastung reagiert werden könnte. Die Vertreter des Vereinsvorstandes ließen durchblicken, dass sie dieser Variante den Vorzug gäben.

Vorstand zweier Vereine in Personalunion

Der Vorteil bestünde darin, dass eine Organisationspauschale in Höhe von 7500 Euro fließen würde. Dass Vorstandsämter in beiden Vereinen in Personalunion von denselben Akteuren (die sich bestens in die Materie eingearbeitet haben, wie der Vortrag im HFA zeigte) besetzt würden, sei kein Hindernis. Auch bei den Fahrern würde der zweite Bürgerbusverein auf den bestehenden Pool von 30 ehrenamtlichen Chauffeuren zurückgreifen.

Fahrer würden öfter ins Lenkrad greifen

Viele von ihnen seien bereit, ihren Einsatz zu verdoppeln. Sie würden dann statt wie bisher alle zwei Wochen für eine Schicht (beispielsweise von 8 bis 12 Uhr) ins Steuer zu greifen, einmal pro Woche den Bürgerbus lenken. Angesichts der Motivation in seinem Team betonte Stach: „Wir ziehen alle an einem Strang. Da macht die Arbeit Spaß!“ Der Fahrdienstleiter räumte ein, dass der Spaß auf der Strecke mitunter aber dennoch endet. Nämlich dann, wenn die Lage gemanaget werden muss, dass mehr Fahrgäste auf den Bus warten, als der Sprinter aufnehmen kann. „Das führt zu Stress-Situationen“, gestand Stach. Denn das Warten und Einsteigen gehe oftmals „nicht wie in England“ über die Bühne.

Kein Fahrgast wird stehen gelassen

Stehen gelassen wird aber niemand, obwohl die Beförderungspflicht des Bürgerbusvereins mit dem achten Passagier endet, wie Dallmeyer betonte. Bei zu großer Nachfrage, wird ein Bus bei Rohlmann angefordert, der die Fahrgäste in zehn bis 15 Minuten „einsammelt“. Allein in Januar und Februar war dies 48 Mal der Fall. Umsonst ist die „Mobilitäts-Ausfallbürgschaft“ nicht zu bekommen: Mit Kosten in Höhe 9000 bis 11 000 Euro für diesen „Verstärkerverkehr“ rechnet der Bürgerbus für das gesamte Jahr 2018. Die Gesamtzahl der Fahrgäste werde sich im laufenden Jahr auf 18 000 bis 20 000 Passagiere zu bewegen, erwartet der Verein.

Beim Szenario „zweiter Bus und zweiter Verein“ müsste es auch zu einer zweiten Linienführung kommen. Dieselbe Route mit zwei Fahrzeugen zu bedienen, entspreche nicht den Auflagen an Bürgerbusse.

Knapp 20 000 Fahrgäste für 2018

Der Bürgerbus soll den bestehenden Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ergänzen. Die erwarteten knapp 20 000 Fahrgäste pro Jahr würden aber rechtfertigen, eine ÖPNV-Linie (wieder) aufzunehmen, räumt laut Angaben von Gemeinde und Bürgerbusverein auch die RVM ein. Eine zweite Bürgerbus-Linie könnte erweiterte Zeiten (etwas länger in den Abendbereich hinein) und neue Haltepunkte ermöglichen. Der ehrenamtliche Einsatz am Steuer und im Hintergrund macht den Bürgerbus zum relativ günstigen Mobilitätsträger.

Für Dallmeyer und Stach zeichnen sich die Probleme durch den erheblichen Mobilitätsbedarf deutlich ab. Deshalb appellierten sie an Politik und Verwaltung, „zeitnah“ zu einer Weichenstellung zu kommen.

Noch kein Zeitplan für eine Entscheidung

Wie die aussehen könnte und bis wann eine Entscheidung fällt, konnte auch Bürgermeister Sebastian Täger auf WN-Anfrage am Tag nach der HFA-Sitzung nicht sagen. Für ihn ist aber klar: „Da muss man bald tätig werden.“ Täger möchte – wie bereits Ende Januar – ein Gespräch mit dem Bürgerbusverein und der RVM führen. Dass die Nachfrage so groß sein würde, sei nicht absehbar gewesen, da die Linie 612 kaum frequentiert worden sei. Günstige Fahrpreise (ein Euro pro Strecke) und neue Nutzergruppen (darunter Flüchtlingsfamilien) hätten zu einer neuen Situation geführt. Täger stellt in Aussicht für das Thema Mobilität eine Sondersitzung des HFA einzuberufen.

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