Do., 08.03.2018

Anklage wegen Vergewaltigung Gefängnisstrafe statt Freispruch

Verhandelt wurde vor dem Schöffengericht in Ahaus.

Verhandelt wurde vor dem Schöffengericht in Ahaus. Foto: Rupert Joemann

Ahaus/Epe - 

Damit dürfte der Angeklagte am Ende nicht gerechnet haben. Sowohl Staatsanwältin als auch Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Doch das Schöffengericht Ahaus sah das am Dienstag ganz anders.

Von Rupert Joemann

(Aktualisiert) Zwei Jahre und vier Monate Gefängnisstrafe wegen Vergewaltigung. Einzig die Anwältin des Opfers hatte drei Jahre Haft gefordert.

Zu Beginn hatte der Vorsitzende Richter durchblicken lassen, dass die Staatsanwaltschaft bei einem Geständnis auf eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung plädieren werde. Der Richter zeigte sich davon nicht abgeneigt, um der Frau die Aussage vor Gericht zu ersparen: „Das ist ein sexueller Übergriff in einem besonders schweren Fall. Die Staatsanwaltschaft will Ihnen eine Brücke bauen.“ Er machte dem Angeklagten deutlich, dass es ansonsten nur hopp oder top gebe – Freispruch oder Gefängnis. Der Eperaner lehnte ein Geständnis ab.

Die beiden Versionen des Abends hatten fast nichts miteinander zu tun. Laut Anklage soll der Mann im Februar vergangenen Jahres die Frau nach einem zufälligen Treffen in einer Kneipe nach Hause begleitet haben. Das bestätigte der 45-Jährige. Eigentlich habe er früher nach Hause abbiegen müssen, aber die Frau im Dunkeln nicht alleine nach Hause gehen lassen wollen. Beide kennen sich schon viele Jahre. „Ich mag sie aber nicht“, sagte der Angeklagte.

Komplett unterschiedlich war die Darstellung dessen, was sich im Haus ereignete. Laut Anklage musste die Frau dringend auf die Toilette, der Mann folgte ihr dahin. Dort kam es demnach zu von ihr nicht gewollten sexuellen Handlungen. Der Mann sagte vor Gericht aus, dass er auf Toilette gegangen sei, die Frau währenddessen in die Küche. Anschließend habe er sofort das Haus verlassen.

Laut Anwältin der Nebenklägerin habe die Frau nach dem Vorfall über einen Monat in einer Klinik verbracht. Der Vorsitzende Richter fragte den Angeklagten, aus welchem Grund die Frau sehr viel Aufwand betreiben solle, um „die Legende aufrechtzuerhalten“.

Das konnte sich der Angeklagte auch nicht erklären. Er mutmaßte, dass sie erreichen wollte, „dass mir nicht geglaubt wird, was sie mir nachts erzählt hat“. Angeblich hatte sie ihm einige private Dinge erzählt. Er vermutete, dass alles einen Verlauf genommen habe, den die Frau gar nicht beabsichtigt habe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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