Sexueller Missbrauch an Tochter
Vater erhält Bewährungsstrafe

Nordwalde/Rheine -

Schwerer sexueller Missbrauch seiner Tochter konnte einem 48-jährigen Vater nicht urteilssicher nachgewiesen werden. Wegen eines anderen Falls von sexuellem Missbrauch seiner Tochter wurde der Grevener nun aber verurteilt. Ihn erwartet eine Bewährungsstrafe.

Dienstag, 01.05.2018, 14:00 Uhr

Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter wurde ein 48-jähriger Grevener verurteilt.
Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter wurde ein 48-jähriger Grevener verurteilt. Foto: dpa

Wegen schwerem sexuellen Missbrauchs seiner Tochter war ein 48-jähriger, siebenfacher Vater aus Greven gestern beim Jugendschöffengericht in Rheine angeklagt. Der Mann mit russischen Wurzeln soll zwischen 2002 und 2006 seine damals zehn oder elf Jahre alte Tochter in Emsdetten schwer sexuell missbraucht haben. Vorgeworfen wurden ihm zudem sexuellen Missbrauch der Tochter im Februar 2006 in der eigenen Wohnung in Nordwalde.

„Schäme dich“

Verurteilt wurde der Grevener indes nur wegen des sexuellen Missbrauchs in Nordwalde zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. „Im Übrigen wird er frei gesprochen“, sagte der Richter in der Urteilsverkündung. Als Bewährungsauflage muss er 500 Euro in Raten von 50 Euro an die Tochter zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und neun Monate ohne Bewährung beantragt, weil sie beide Taten als erwiesen ansah.

Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, weil keine der Taten durch Zeugenaussagen oder Fakten bewiesen seien. Während des Plädoyers sprang die Tochter auf, zeigte auf die Anwältin und rief: „Schäme dich“. Damit verließ sie den Gerichtssaal, ihre Mutter folgte ihr. Beide kamen auch nicht mehr zur Urteilsverkündung.

Absolute Glaubwürdigkeit

Der schwere sexuelle Missbrauch ist mit dem Eindringen in den Körper verbunden und wird der Vergewaltigung gleichgesetzt. Obwohl das Gericht bei der Zeugenaussage der inzwischen 23-jährigen Tochter von „absoluter Glaubwürdigkeit und keinerlei Belastungstendenz“ ausging, sah es nach Abwägung aller Für und Wider die Tat als nicht urteilssicher erwiesen an.

Unter Tränen sagte die 23-Jährige, dass ihr Vater sich kurz nach ihrer Ankunft aus Russland bei Verwandten zu ihr ins Bett gelegt und sie einen harten Körperteil an ihrer Hüfte gespürt habe. Die Anklage warf ihm vor, versucht zu haben, in seine Tochter einzudringen. Das Mädchen sei ins Bad geflüchtet, so dass es nicht zu einer Vergewaltigung gekommen sei, so der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Tochter sagte in der Anhörung: „Er hat mich von hinten umarmt. Ich hatte das Gefühl, dass er seinen Penis einführen wollte und bin ins Bad geflüchtet, bis der Vater weg war.“

Ins Kinderzimmer geflüchtet

Anders sah es das Gericht bei der Tat in Nordwalde. Dabei lag sie, wie sie es schilderte, auf dem Bauch und schlief auf der Couch. Sie sei wach geworden, als der Vater sich neben sie gelegt, ihre Unterwäsche beiseite geschoben und sie im Genitalbereich angefasst habe. Sie sei sofort ins Kinderzimmer geflüchtet.

Der Mann aus Greven räumte ein, dass er zu der Zeit sehr viel getrunken habe und sich nicht an solche Dinge erinnern könne. Das sei erst gekommen, nachdem er und seine Frau sich getrennt hatten: „Ich weiß gar nichts davon. So etwas hätte ich mit meinem Kind nicht gemacht.“ Er ging davon aus, dass die Mutter das alleinige Sorgerecht für die Kinder haben wollte und deswegen solche Geschichten erfinden würde. Staatsanwaltschaft und Gericht hatten indes keine Zweifel an der Darstellung der Geschädigten.

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