Mi., 16.05.2018

Prozess Bei Rot über die Ampel gefahren und Auto gerammt

Vor dem Steinfurter Amtsgericht stand jetzt ein 53-Jähriger aus Spelle.

Vor dem Steinfurter Amtsgericht stand jetzt ein 53-Jähriger aus Spelle. Foto: Mike Oelerich

Ochtrup/Steinfurt - 

Vorsätzlich und rücksichtslos habe ein 53 Jahre alter Mann aus Spelle gehandelt, als er im November 2017 einen Unfall verursacht und so einen anderen Verkehrsteilnehmer schwer verletzt hatte. So formulierte es der Staatsanwalt am Steinfurter Amtsgericht in seiner Anklageschrift.

Von Norbert Hoppe

Der Beschuldigte sei an Engels Kreuzung vorsätzlich bei roter Ampel über die Kreuzung gefahren und habe in Kauf genommen, einen Unfall mit Personenschaden zu verursachen.

Der Angeklagte räumte unumwunden sein Fahlverhalten ein. Allerdings habe er nicht vorsätzlich gehandelt. Er sei mit seinem Lkw („Das Fahrzeug ist wie ein Panzer!“) in jenen Novembertagen bereits mehrfach die Strecke von Neuenkirchen nach Schöppingen gefahren. Immer habe er zwischen Wettringen und Metelen im Tempo-70-Bereich seinen Tempomat auf 67 Stundenkilometer eingestellt und immer sei beim Überfahren der Induktionsschleifen die Ampel auf Grün umgesprungen. Auch an diesem Tag habe er sich darauf verlassen, dass die Ampelschaltung so funktionieren würde. Tatsächlich musste die Ampel jedoch für ihn Rot angezeigt haben, denn für den Querverkehr galt noch Grün. So rammte er einen Pkw, dessen Fahrer noch heute an seinen Verletzungen leidet.

Ihm tue der Unfall unendlich leid, sagte der Angeklagte unter Tränen. Er selbst sei in psychologischer Behandlung und derzeit nicht arbeitsfähig. Er habe das Unfallopfer im Krankenhaus besucht und mit der Wiedergutmachung des Autoschadens begonnen, der 7500 Euro betrage.

Der Richter wertete das Verhalten des Angeklagten nicht als vorsätzliche Tat. Für den Mann spreche, dass er nicht vorbestraft ist. Außerdem habe er in 34 Berufsjahren als Kraftfahrer nicht einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei stehen. Das klare Fehlverhalten des 53-Jährigen sei nicht darauf ausgerichtet gewesen, einen Schaden oder eine Verletzung herbeizuführen, insofern käme Vorsatz nicht in Betracht.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 60 Tagessätzen à 30 Euro, die in Monatsraten zu 100 Euro zu begleichen sind. Zudem wird die Fahrerlaubnis für weitere fünf Monate eingezogen. In der Urteilsbegründung bewertete der Richter diesen Vorfahrtsverstoß als eine schwere Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit einer schweren Körperverletzung.

Als positiv vermerkte das Gericht, dass der Angeklagte bereit war, die Verantwortung für die Tat zu übernehmen. Auch dass er glaubwürdig Reue zeigte, hielt das Gericht ihm zugute.

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