Mi., 16.05.2018

Nach Versand von Sexnachrichten „Ein Chat der widerlichsten Art“: Familienvater zu Bewährungsstrafe verurteilt

Nach Versand von Sexnachrichten: „Ein Chat der widerlichsten Art“: Familienvater zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Amtsgericht in Warendorf Foto: Peter Sauer

Warendorf - 

Die Beweismittel, die dem Gericht vorlagen, zeigten den genauen Chatverlauf. „Ich habe Lust, mit dir Sex zu machen“, hieß es beispielsweise in den Nachrichten des arbeitslosen Mannes, der sich im Chat als 18-jähriger Bodybuilder Johannes ausgab. Die zwölfjährige Empfängerin der Nachricht verschickte ihrerseits anzügliche Bilder.

Von Jonas Wiening

Ein 54-jähriger, dreifacher Familienvater ist am Mittwoch vom Amtsgericht Warendorf zu einer Bewährungsstrafe von zwei Monaten verurteilt worden. Er hatte sich im Dezember 2016 im sozialen Netzwerk Instagram als 18-Jähriger ausgegeben und dort mit einem zwölfjährigen Mädchen Kontakt über die Chatfunktion. Er schrieb ihr über einen Zeitraum von fast drei Wochen sexualisierte Nachrichten, schickte auch entsprechende Bilder und forderte das Mädchen auf, ihm Bilder zu schicken.

Nur durch Zufall war die Mutter der heute 13-Jährigen auf den Chat aufmerksam geworden. Sie schaltete nach einem Gespräch mit ihrer Tochter die Polizei ein, wie sie während der Zeugenvernehmung zu Protokoll gab. Die Beamten fanden daraufhin die richtige Identität des Angeklagten heraus. Die Mutter der Geschädigten sagte, sie habe gesehen, dass der 54-Jährige über 7000 kleinen Mädchen bei Instagram folge. Ihre Tochter belaste das Geschehene auch eineinhalb Jahre nach der Tat noch schwer. Sie befinde sich in psychologischer Behandlung. Auf eine Vernehmung der Geschädigten wurde aus Rücksichtnahme auf die Jugendliche verzichtet.

Keine mündliche Aussage des Angeklagten

Bei der Verhandlung am Mittwoch wollte sich der Angeklagte nicht persönlich zu den Tatvorwürfen äußern. Stattdessen ließ er über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. In dieser persönlichen Stellungnahme gab er zu, die ihm zur Last gelegte Tat begangen zu haben. Die Geschädigte habe ihm gegenüber aber angegeben, schon 14 Jahre alt zu sein. Trotzdem entschuldige er sich für sein Fehlverhalten.

Da der Angeklagte nicht vorbestraft ist, forderte sein Verteidiger das Gericht auf, es bei einer Geldstrafe zu belassen. Die Staatsanwaltschaft forderte eine dreimonatige Bewährungsstrafe. Die Vorsitzende Richterin legte in ihrem Urteil das Strafmaß auf zwei Monate zur Bewährung fest. In der Urteilsbegründung sprach sie von einem „Chat der widerlichsten Art“.

Der 54-Jährige solle sein Verhalten überdenken und sich Hilfe suchen. In der vom Verteidiger vorgelegten Erklärung lehnte der Warendorfer eine Therapie allerdings vorerst ab. Der Verurteilte und sein Anwalt ließen es zudem offen, ob sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen wollen.

Google-Anzeigen
Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5744712?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F