Fusionsgespräche
Attacke auf Provinzial-Fusion: Verdi fühlt sich hintergangen

Münster -

Die Fusionsgespräche zwischen der Provinzial Nord-West und der Provinzial Rheinland stehen vor dem Ende – doch jetzt torpediert die Gewerkschaft Verdi die Pläne.

Mittwoch, 13.06.2018, 15:53 Uhr

Fusionsgespräche : Attacke auf Provinzial-Fusion: Verdi fühlt sich hintergangen
Foto: Matthias Ahlke

Bei Verdi ist die Streitlust geweckt. Die Dienstleistungsgewerkschaft macht massiv mobil gegen die geplante Fusion der Versicherer Provinzial Nord-West (Münster) und Rheinland (Düsseldorf). „Hinter dem Rücken und zu Lasten der Beschäftigten soll ein Deal gemacht werden“, befürchtete am Mittwoch Frank Fassin, Fachbereichsleiter für Finanzdienstleistungen bei Verdi NRW. „Das werden wir zu verhindern wissen.“

Auslöser der Empörung sind Äußerungen der Präsidentin der Sparkassenverbands Westfalen-Lippe (SVWL), Prof. Dr. Liane Buchholz, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. In diesem Bericht wird der Eindruck erweckt, die Eigent ümer der Provinzial, also die Sparkassen und die beiden nordrhein-westfälischen Landschaftsverbände, hätten schon entschieden, dass die neue Provinzial zum 1. Januar als A ktiengesellschaft an den Start gehen soll.

„Das kam für uns völlig überraschend“, wundert sich Fassin. Der Gewerkschafter besteht darauf, über alle Verhandlungen der Partner genau informiert zu werden. So sei es mit der Provinzial Nord-West vereinbart worden. „Wir sind sehr zornig und entsetzt.“

Es gehe den Arbeitnehmern um drei Punkte: um den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Auftrags der Provinzial, um die Sicherung der Arbeitsplätze und um den Erhalt aller Standorte. Vor allem den Standort Kiel sieht Verdi bedroht, weil die dort angesiedelte Lebensversicherungstochter des münsterischen Konzerns mit dem rheinischen Pendant vereinigt werden könnte.

Fusionsgespräche unverändert ergebnisoffen

Schon am Montag hatte Verdi reagiert und Buchholz um einen kurzfristigen Gesprächstermin gebeten – ohne Ergebnis. „Bisher gab es keine Reaktion“, erklärte Fassin gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben ihr aber 14 Tage Zeit eingeräumt.“ Gebe es keine Einigung, werde Verdi Aktionen starten, um die Fusion zu torpedieren, hieß es. „Bisher waren wir zu gutmütig“, so Fassin.

„Die Fusionsgespräche und -prüfungen laufen intensiv und unverändert ergebnisoffen“, reagierte der SVWL auf die Kritik der Arbeitnehmerseite. Zu einem möglichen Zeitplan sowie zu Rechtsformen, Standort- und Bewertungsfragen im Zusammenhang mit einer möglichen Fusion seien noch keine Entscheidungen gefallen, teilte Verbandssprecher Andreas Löbbe mit. Selbstverständlich würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Prozess entsprechend informiert und mit eingebunden, betonte der SVWL.

Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe hüllte man sich derweil in Schweigen und verwies auf Buchholz als Aufsichtsratschefin der Provinzial.

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