Der Teich im Brinkhaus-Park
Ferdi Bichtler und der Teichmönch

Warendorf -

Der Teich im Brinkhaus-Park ist beinahe ausgetrocknet, die Fische dort leiden große Not. Nun wurde wohl Donnerstag Frischwasser durch die Stadt zur ersten Nothilfe eingeleitet. Freitag früh ist es schon fast wieder versickert. Beim Spaziergang um den Teich erinnerte sich der Warendorfer Arzt Klaus Schäffer an das Warendorfer Original Ferdi Bichtler. Wenn er ihm im Brinkhaus-Park begegnete, fragte Bichtler verschmitzt: „Wissen Sie, was ein „Teichmönch ist?“

Sonntag, 12.08.2018, 07:00 Uhr

Der Brinkhaus-Teich ist nahezu ausgetrocknet. Fische japsen nach Luft. Als erst Nothilfe soll die Stadt jetzt Frischwasser zugeführt haben. Der Warendorfer Arzt Klaus Schäffer erinnert sich an das Warendorfer Original Ferdi Bichtler und den „Teichmönch“, mit dem sich Frischwasser direkt aus der Ems in den Brinkhaus-Teich spülen lässt (kleines Foto).
Der Brinkhaus-Teich ist nahezu ausgetrocknet. Fische japsen nach Luft. Als erst Nothilfe soll die Stadt jetzt Frischwasser zugeführt haben. Der Warendorfer Arzt Klaus Schäffer erinnert sich an das Warendorfer Original Ferdi Bichtler und den „Teichmönch“, mit dem sich Frischwasser direkt aus der Ems in den Brinkhaus-Teich spülen lässt (kleines Foto). Foto: Klaus Schäffer

„Beim Gang um den Brinkhaus-Teich erinnerte ich mich unweigerlich an das 2011 verstorbene Warendorfer Heimatoriginal Ferdi Bichtler, der quasi als Wächter aller Wasser führenden Wege in Warendorf galt. Der Teich im Brinkhaus-Park ist beinahe ausgetrocknet, die Fische dort leiden große Not. Nun wurde wohl Donnerstag Frischwasser durch die Stadt zur ersten Nothilfe eingeleitet. Freitag früh ist es schon fast wieder versickert. Da erinnerte ich mich an eben Ferdi Bichtler. Wenn ich ihm im Brinkhaus-Park begegnete, fragte er verschmitzt: „Wissen Sie, was ein „Teichmönch ist?“

Natürlich selbst des Sieges sicher, dass ich es ganz bestimmt nicht wissen würde, könnte, woher auch? Wenn er dann überlegen grinsend mich im „Tal der Ahnungslosen“ wähnte, bat er mich, ihm zu folgen an einen unscheinbaren, verputzten Klotz mit Eisendeckel darauf, seitlich versperrt durch ein Messingschloss. Nun zückte er demonstrativ aus der Seitentasche seines ewigen Blaumanns, seiner unverwechselbaren Dienstkleidung, niemandem stand sie je besser als ihm, den besagten Schlüssel zu dem geheimnisvollen Verlies, welches ich unter dem schweren Eisendeckel vermutete. Er öffnete das Schloss, hob den Deckel – und wir spähten in einen dunklen Schacht. „Das ist ein Teichmönch!“, erklärte Ferdi Bichtler stolz, „mit ihm lässt sich Frischwasser direkt aus der Ems in den Brinkhaus- Teich spülen, wenn der Wasserstand sinkt oder wenn bei heißen Sommern Frischwasser für die Fische von Nöten ist. Der alte Brinkhaus wusste genau, welche Notwendigkeiten erforderlich waren bei der Anlage des Parks mit dem Teich. Denn wir haben ja Sandboden hier, und da versickert das Wasser schnell bei Trockenheit. Zumal ja die Ems so nahe fließt, dass eine Wasserentnahme durch den Teichmönch selbstredend ist.“

Dann langte Ferdi Bichtler in den Schacht und drehte an einem Eisenrad – und schon hörte man das Emswasser rauschen Richtung Brinkhaus-Teich. Man sah es dort einlaufen. Ob Ferdi Bichtler den Schlüssel zum „Teichmönch“ mit in den Himmel genommen hat, wo er sicher jetzt die himmlischen Gewässer betreut, weiß ich nicht. Ich habe nur jetzt an ihn gedacht beim Spaziergang entlang des fast ausgetrockneten Brinkhaus- Teichs, da fiel mir die Geschichte um den „Teichmönch“ wieder ein und seine segensreiche Wirkung für die Teichfische in Not. Nun braucht man ja nicht bis Mariä Himmelfahrt warten, bis Ferdi Bichtler Gott sei‘s gegeben, den Schlüssel vom Himmel schmeißt auf den illuminierten Marktplatz. Vielleicht kriegt man den Teichmönch ja auch so jetzt schnell in Gang mit einem guten Seitenschneider. So schelmisch wie Ferdi Bichtler zu Lebzeiten hin und wieder sein konnte, so pfiffig könnten die Parkverantwortlichen jetzt auch agieren, damit Emswasser durch den Teichmönch fließt. Das wäre quasi eine Würdigung „in memoriam Ferdi Bichtler“, wie auch eine Überlebenshilfe für die Fische im Parkteich. Und jeder wüsste zum Heimatfest, was ein „Teichmönch“ ist. Da würde sich auch die Maria zur Feier ihrer Himmelfahrt sicher mit reichem Segen für die Stadt Warendorf freuen und uns bedanken. Und letztlich ist ebenso klar: Der Ferdi Bichtler hat sie da oben schon längst gefragt, ob sie denn nun wisse, als unserem Warendorf verbundene Himmelskönigin, was denn eigentlich ein Teichmönch ist?

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5967785?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker