Mi., 03.07.2013

Deutschlands ältestes Bauernhaus in Vierständerbauweise steht in Lüdinghausen Fachwerk-Balken birgt Sensation

Kreis Coesfeld. Als Martin Luther im Jahr 1517 seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, waren in Lüdinghausen fleißige Handwerker mit dem Neubau des Haupthauses auf Hof Grube beschäftigt. Dass der schon fast 500 Jahre alt ist, wusste bis vor einigen Jahren niemand. Das Wissen, dass es sich um Deutschlands ältestes Bauernhaus in Vierständerbauweise handelt, schlummerte in seinen dicken Balken. „Wir haben dendrochronologische Proben genommen“, berichtet Johannes Busch, Aktivist in der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) und mittlerweile Besitzer des Kleinods. Der Hof, nach einem Konkurs vom Wasser- und Schiffahrtsamt für den Ausbau des nahe gelegenen Dortmund-Ems-Kanals erworben, drohte zu verfallen, als er ihn 2003 auf einem Spaziergang entdeckte. Mit Hilfe von Dr. Dietrich Maschmeyer, Vorsitzender der IGB, entschlüsselte er das Alter des Bauholzes. „Man kann es lesen wie einen Strichcode“, schildert er die Methode, bei der ein Balken angebohrt und die Abstände der Jahresringe mit Holz verglichen werden, dessen Alter man kennt. „Man kann relativ genaue Rückschlüsse auf das Alter des Hauses schließen, weil Bäume immer zeitnah vor dem Bau geschlagen wurden“, erklärt Michaela Töpfer, Presserefentin der IGB.

Von Detlef Scherle

Die wissenschaftliche Sensation war perfekt, als die Ergebnisse der Untersuchung feststanden. Das norddeutsche Vierständer-Bauernhaus hat seinen Ursprung nicht im Weserraum, was man bisher angenommen hatte, sondern im Münsterland. Und noch mehr Sensationelles trat zutage, als Busch begann, das Haus vor dem Verfall zu retten und originalgetreu zu sanieren. Er zeigt einen alten Stein mit einer kleinen Mulde, passend für eine Kerze: „Ein Leuchterstein“, lächelt er – den habe man im Haus gefunden. Und der lässt sich vor 1362 datieren. Auch andere Funde weisen darauf hin, dass der Hof von 1517 schon Vorgänger hatte – Spuren weisen bis ins Jahr 1000 zurück.

Seit all das klar ist, hat Busch eine Vision. Er und seine Frau verkauften den ebenfalls von ihnen sanierten Hof Große Aldenhövel (aus dem Jahr 1674) in Lüdinghausen. Mit dem Geld erwarben sie 2008 Hof Grube – und begannen noch einmal neu. Sie errichtete in einem Nebengebäude jüngeren Datums eine Pferdepension – er begann mit der Sanierung des alten Gebäudeteils. „Wir sind nur Nutzer auf Zeit. Unsere Urenkel sollen einmal die Gelegenheit haben, so etwas zu sehen und zu erleben“, erklärt Busch seine Motivation, viel Freizeit und Geld in diese Sisyphos-Aufgabe zu investieren. Das Paar wohnt bislang nebenan – will aber irgendwann einen Bereich des alten Hofes selbst beziehen. Aus dem allergrößten Teil will er ein öffentliches Zentrum für historische Baukultur im Münsterland machen. Ein Regionale-Projekt soll das werden. Ziel ist, bis 2017 fertig zu sein. Dann steht das große Reformations-Jubiläum an. Aber nicht nur in Wittenberg soll dann an die Ereignisse vor 500 Jahren erinnert werden, sondern auch in Lüdinghausen. Bis dahin sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Vor allem Geld fehlt. An Optimismus mangelt es Busch trotzdem nicht: „Wir haben einen langen Atem.“ Und Unterstützung in der IGB.

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