Mi., 27.11.2013

84 Prozent für Fraktionschef / Auch sein Vorgänger will in Kreistag zurück / Streit um Frauen-Listenplätze Vogelpohl führt Grüne in Wahlkampf

dülmen. Mit einer deutlich verjüngten Mannschaft ziehen die Grünen im Kreis Coesfeld in den Kreistags-Wahlkampf. Bei einer Kreismitgliederversammlung ist der bisherige Fraktionssprecher Norbert Vogelpohl (52) aus Coesfeld am Dienstag im Dülmener Ratssaal zum Spitzenkandidaten gekürt worden. Seine Sprecher-Kollegin Anneliese Pieper (79) trat nicht mehr an. 32 von 38 Mitgliedern stimmten für Vogelpohl, vier mit „Nein“, zwei enthielten sich. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht.

Von Detlef Scherle

In einer kämpferischen Rede hatte er zuvor die Energiewende und den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda gesetzt. Der CDU-Mehrheitsfraktion im Kreistag warf er vor, regelmäßig nach dem „westfälischen Dreischritt“ vorzugehen: „ablehnen, umetikettieren, heimlich machen“. Grüne Klimaschutzanträge seien „in einen nichtöffenlichen Tunnel geschoben“ worden, um dann später als interfraktionelle Initiativen wieder ans Licht zu kommen. „Allerdings unvollständig, halbherzig und lieblos.“ Die „Raubkopierer“ hätten es eben noch nicht verstanden: „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.“

In allen Bewerbungsreden klang durch, dass sich die Grünen im Kreis Coesfeld nach der verlorenen Bundestagswahl wieder auf ihre Kernthemen konzentrieren wollen: Natur, Umwelt, Klima, Tierschutz. Es herrschte reger Andrang, einen der vorderen Listenplätze zu ergattern. So gab es sogar für Platz neun – derzeit haben die Grünen sechs Kreistagsmandate – noch eine Kampfabstimmung. Platz zwei konnte der Kreistagsabgeordnete Stefan Kohaus (33) aus Nottuln im Dreikampf mit dem früheren Kreistagsfraktionssprecher Willi Kortmann aus Lüdinghausen, der sich vor fünf Jahren zurückgezogen hatte und überraschend wieder kandidierte, sowie Ursula Bussmann (46), die zurzeit in Wettringen wohnt, aber bald in den Kreis Coesfeld ziehen möchte, gewinnen. Er erhielt 21 Stimmen, Kortmann 14 und Bussmann drei. Kortmann kam dann auf Platz vier noch zum Zuge und Bussmann auf sieben.

Neben Pieper trat mit Dr. Wilhelm Kraneburg aus Senden ein weiteres „Urgestein“ nicht wieder an. Für eine deutliche Verjüngung der Fraktion wird auf der anderen Seite Mareike Raack aus Coesfeld sorgen. Die 21-jährige Politik-Studentin, Sprecherin der Grünen Jugend im Kreis, wurde mit 32 Ja-Stimmen (5 Nein, eine Enthaltung) auf Platz drei gesetzt.

Nach der grünen Satzung sind die ungeraden Listenplätze für Frauen reserviert. Dem Gesetz zufolge muss aber jeder für jeden Platz kandidieren können. Darauf hatte Kreisvorsitzender und Versammlungsleiter Richard Dammann zu Beginn hingewiesen. Diese Feststellung, eigentlich banal, sorgte für Unruhe. „Was heute hier abgeht, habe ich noch nie erlebt“, empörte sich Erich Prinz aus Coesfeld. Und Anneliese Pieper (Senden) wollte das Vorgehen überprüfen lassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das Frauenstatut so ignorieren wollen“, sagte Jutta Bergmoser (Havixbeck). Am Ende wurde gesetzeskonform, aber im Geist der Parteisatzung abgestimmt. Es standen auch gar nicht genug Frauen für alle Listenplätze und Direktkandidaturen zur Verfügung.

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