Fr., 15.01.2016

Prof. Bontrup lässt bei Diskussion in Nottuln kein gutes Haar an TTIP / Über 130 Zuhörer „Das ist ein Angriff auf die Demokratie“

Prof. Bontrup lässt bei Diskussion in Nottuln kein gutes Haar an TTIP / Über 130 Zuhörer : „Das ist ein Angriff auf die Demokratie“

Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup malte in seinem Vortrag in der Alten Amtmannei in Nottuln ein düsteres Bild für den Fall, dass TTIP tatsächlich in Kraft treten sollte. Foto: Detlef Scherle

Nottuln (ds). Das zwischen der EU und den USA geplante Freihandelsabkommen TTIP bleibt offenbar auch im Kreis Coesfeld ein Aufreger-Thema. Mehr als 130 Bürger – das ist für so ein politisches Thema ungewöhnlich viel – nahmen am Donnerstagabend an einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Bündnisses gegen TTIP im Kreis Coesfeld teil. „Das sprengt den Rahmen. Das finde ich toll“, freute sich Joachim F. Gogoll, Sprecher des Bündnisses, im aus allen Nähten platzenden Saal der Alten Amtmannei in Nottuln, in den noch Stühle hineingetragen werden mussten, über den großen Zulauf. Der hatte wohl auch mit dem großen Namen zu tun: Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen, der Referent des Abends, ist einer der renommiertesten linken Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland. Als Sprecher der bundesweiten Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik legt er in jedem Jahr einen Gegenbericht zum Gutachten der fünf Wirtschaftsweisen vor. An TTIP ließ er – erwartungsgemäß – kein gutes Haar. „Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie. Dann regiert nur noch das Kapital“, malte er ein düsteres Zukunftsbild für den Fall, dass TTIP am Ende tatsächlich ratifiziert werden sollte. Er rief die Anwesenden zum Widerstand auf, glaubt aber – aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament – selbst nicht mehr daran, dass das Abkommen noch verhindert werden kann – „aber die Hoffnung stirbt zuletzt“: „Machen Sie den Politikern Dampf. Die haben sich zu rechtfertigen“, rief er den Zuhörern zu. Scharf kritisierte er die SPD, die auf ihrem Parteitag „erbärmlich umgefallen“ sei.

Von Detlef Scherle

Bontrup stellte TTIP in den Zusammenhang des aus seiner Sicht seit den 70er Jahren um sich greifenden Neoliberalismus. „10 Prozent der Bevölkerung gehören fast 60 Prozent in Deutschland“, rechnete der 62-Jährige vor und forderte eine „Umverteilung vom Kapital zu den Arbeitnehmern“, um da gegenzusteuern. Die Arbeitslosenstatistik, meinte er, täusche über den tatsächlichen „katastrophalen Zustand“ des Arbeitsmarktes in Deutschland hinweg: „Sie belügen uns amtlich mit Zahlen.“ Die Statistik weise 2,6 Millionen Arbeitslose aus – in Wahrheit fehlten aber sechs Millionen Arbeitsplätze. Studien belegten, dass in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut aufwachse. TTIP würde dieses seiner Ansicht nach noch verschlimmern, weil das Kapital dann völlig ungehindert fließen könnte.

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