Mi., 20.01.2016

Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblatts wettert bei Landfrauen über Tier- und Naturschutzverbände „Bewusste Falschinformation“

Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblatts wettert bei Landfrauen über Tier- und Naturschutzverbände : „Bewusste Falschinformation“

Foto: az

Bösensell. „Jeden Tag sorge ich dafür, dass es den Tieren und der Familie gut geht. Oft gehe ich bis an meine Grenzen“, hieß es gestern in dem Einstiegsimpuls der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Ursula Muhle beim „Coesfelder Bäuerinnen-Forum“ des Landfrauenverbandes im Landhotel Sendes in Bösensell. Und was erntet eine „Anni Mustermann“ dafür? „Immer diese Vorwürfe.“ Am letzten Wochenende wieder diese Großdemo gegen die konventionelle Landwirtschaft – „also auch gegen mich“. Dem Slogan der Protestler „Wir haben es satt!“ hielt sie entgegen: „Aber WIR machen euch doch satt.“ Weitaus schlimmer als der Blick aufs Bankkonto, auf dem sich der Preisverfall bei Milch und Schweinen oftmals in verzweifelnder Weise niederschlägt, empfinden die Landfrauen die fortwährenden Anfeindungen. Fertig werde man mit diesem doppelten Druck – dem wirtschaftlichen als auch dem gesellschaftlichen – nur, wenn man die Gemeinschaft sucht und seine Seele ausschüttet.

Von Ulrich Reismann

Beides taten 75 Landfrauen gestern mit dem Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes, Anselm Richard. Der zeichnete ein schonungsloses Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit: Sie sei profitgierig, verschmutze die Umwelt, quäle die Tiere und gefährde durch ihren maßlosen Antibiotika-Einsatz die Gesundheit der Menschen. Der neueste Vorwurf gipfele darin, dass die Milchexporte schuld an dem Flüchtlingsstrom seien. „Da kann einem nur die Spucke weg bleiben.“

Die Ursache dafür sei einfach, so der Journalist: „Es herrscht eine Unwissenheit in der Bevölkerung, das ist grandios.“ Und die wiederum sei die Folge einer „bewussten Falschinformation“ durch Tierschutz- und Naturschutzverbände, womit diese Ängste und Mitleid der Menschen ausnutzten, um an deren (Spenden-)Gelder zu kommen.

„Auch mit der vom Finanzamt bescheinigten Gemeinnützigkeit sind Nabu und BUND noch lange keine selbstlosen Glücklichmacher“, erklärte Richard. Auf die „verheerenden Folgen dieser Hetzkampagne“ wies eine Landfrau hin: „Landwirtskinder mögen sich in der Schule schon nicht mehr outen“.

Das Übel liegt nach Auffassung des Chefredakteurs darin, dass viele Menschen glaubten, Tiere würden sich unter den gleichen Voraussetzungen wohl fühlen wie sie selbst. „Und sie verwechseln Schweine oder Kühe mit ihren gehätschelten Heimtieren“, von denen es in Deutschland unwahrscheinlich viele gebe, nämlich 22 Millionen. „Bei uns leben mehr Hunde, Katzen und Hamster als Kinder“, machte er die Dimensionen deutlich. „Und das Grundrecht der Menschen wird mit dem von Tieren auf eine Stufe gestellt.“ Hierfür zeigte der Referent ebenso Unverständnis wie für den Umstand, „dass man zwar die Beschneidung als das Recht muslimischer Eltern akzeptiert, auf der anderen Seite aber aus der Kastration männlicher Ferkel einen Skandal macht“.

Hinsichtlich der aktuellen Preismisere wurde die weiter steigende Macht der Lebensmittelkonzerne von den Landfrauen heftig kritisiert, weil dies den Billig-Trend nur noch verschärfen werde. Jetzt bekäme Edeka sogar noch handfeste Unterstützung von Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel, indem der ein vorheriges Verbot des Kartellamtes aushebele und die Fusion mit Kaisers/Tengelmann doch noch genehmigen wolle. „So etwas ist ein Skandal“, wetterte Anselm Richard. Da werde den Deutschen von ihrem Einkommen nun noch mehr Geld für Urlaubsflüge übrig bleiben.

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