Fr., 08.04.2016

Kreis gibt grünes Licht für erste Privat-Grundstücke / Erschossene Nonnengänse waren Anlass für Antrag Hier darf nicht mehr gejagt werden

Kreis gibt grünes Licht für erste Privat-Grundstücke / Erschossene Nonnengänse waren Anlass für Antrag : Hier darf nicht mehr gejagt werden

Bei den Teichen, die auch die Nonnengänse (im Hintergrund) sehr lieben: Martin Groß (r.) und Helmut Hielscher. Hier ist nun Schluss mit Jagen. Foto: Viola ter Horst

Kreis Coesfeld. Helmut Hielscher rührt gerade für seine Vögel Futter an. „Ich bin ja so froh“, strahlt der 63-jährige Coesfelder, während er Körner und Mehlwürmer vermischt. „Es darf hier nicht mehr gejagt und geschossen werden.“

Von Viola ter Horst

Er besitzt direkt neben dem Naturschutzgebiet Welter Bach zwischen Dülmen und Coesfeld schon seit über 35 Jahren ein Grundstück in einem Wäldchen mit Seen und sumpfiger Wiese drumherum, die von heimischen wie seltenen Tieren besucht werden. Sogar ein Storchenpaar lebt dort, eines der wenigen Paare im Kreis Coesfeld.

Trotzdem durfte auf der etwa zwei Hektar großen Fläche bislang gejagt werden. „Und die Jäger haben das auch getan“, sagt Martin Groß, der von der Ortsgruppe Dülmen der Naturschutzorganisation BUND das Gebiet Welter Bach betreut.

Auf Hielschers Grundstück ist es jetzt vorbei mit dem Jagen. Er gehört zu den ersten Eigentümern im Kreis Coesfeld, für deren Grundstück eine jagdliche Befriedung ausgesprochen wurde. Nach zwei Jahren hat der Kreis Coesfeld den Antrag bewilligt.

Der Anlass war ein trauriger Höhepunkt für die Naturfreunde: Im Welter Bach wurden 2013 geschützte Nonnengänse erschossen, die dazu noch ihre Jungen führten und auf den Inseln in den Teichen von Hielscher brüteten. Die Tiere sind in NRW selten und nicht bejagbar. „Sie haben hier ein tolles Rückzugsgebiet gefunden“, sagt Groß. Der BUND verklagte damals den Jagdpächter aus Nottuln und seine Gäste. Der Fall ging durch die Medien. Das Verfahren sei dann letztlich eingestellt worden, berichtet Groß: „Die Jäger zahlten an das Verwaltungsgericht in Münster 1800 Euro, das sie an den BUND entrichten mussten.“ Die Ortsgruppe Dülmen habe das Geld von den Jägern bekommen und damit wiederum Hielscher bei dem Antrag auf jagdliche Befriedung unterstützt.

Und der ist nun endlich, zwei Jahre später, durch. „Unsere Nachbarn und der BUND sind sehr glücklich, diesen Schutz für unsere Wildgänse durchgesetzt zu haben“, sagt Groß. „Von der Entscheidung profitieren auch Störche, Eisvögel, viele Entenarten und andere Tiere auf dem Grundstück inmitten des 40 Hektar großen Schutzgebietes.“ Es ist immer etwas los in dem kleinen Naturparadies. Vögel zwitschern um die Wette, Enten schnattern, der Storchenmann schwingt sich gerade aus seinem Riesennest empor, um Futter zu suchen. Immer wieder fliegen Nonnengänse mit ihren schwarz gemustertem Federkleid über das Gebiet, lassen sich für ein paar Schwimm-Runden aufs Wasser nieder.

„Der Welter Bach ist eine Perle, das Gebiet ist etwas ganz Besonderes im Kreis Coesfeld“, sagt Groß. „Wir tun hier alles, den Tieren ein gutes Gebiet vorzuhalten und deswegen verstehen wir es nicht, wenn hier solche Schießereien stattfinden.“

Damit ist nun zumindest auf Hielschers Fläche Schluss.

Möglich war die Befriedung nach dem neuen Jagdgesetz. „Ganz einfach ist das alles nicht“, weiß Groß. Der Antragsteller müsse zum Beispiel nachweisen, dass er ein ausgesprochener Naturfreund ist, „das ist fast so wie damals bei der Kriegsdienstverweigerung“. Auch sei es nicht möglich, dass ein Verband oder der BUND selber so einen Antrag stelle.

Dass der Kreis Coesfeld für sein Jawort zwei Jahre benötigte, kritisiert Groß. „Der Kreis Coesfeld hat die Entscheidung mit Verfahrensfragen verzögert“, wirft er der Behörde vor.

Der Kreis Coesfeld dementiert nicht, dass der Prozess lange gedauert hat, weist aber weitere Vorwürfe zurück. „Für uns ist das ja auch alles Neuland“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Dr. Ansgar Scheipers. Mit der Gesetzesänderung habe zudem ein Vertreter der Tierschutzorganisation in den Jagdbeirat berufen werden müssen, welcher wiederum bei der Entscheidung einbezogen werden müsse. „Das trug auch dazu bei, dass es länger als gedacht dauerte“, so Scheipers. Dem Amt lägen mittlerweile 15 Anträge aus dem Kreis Coesfeld vor. „Die Bearbeitung wird nun sicherlich zügiger gehen“, verspricht Scheipers.

Google-Anzeigen
Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3921248?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F