Mo., 30.05.2016

Georg Kersting geht heute nach 16 Jahren als Leiter der Rettungsleitstelle im Kreis in den Ruhestand Schnee-Chaos bedrohte eigenes Auto

Georg Kersting geht heute nach 16 Jahren als Leiter der Rettungsleitstelle im Kreis in den Ruhestand : Schnee-Chaos bedrohte eigenes Auto

Dieser Disponenten-Platz war der bisherige Arbeitsplatz von Daniel Pfau (vorn), der Georg Kersting (hinten) als neuer Leiter der für den ganzen Kreis Coesfeld zuständigen Rettungs-Leitstelle in Coesfeld nachfolgt. Foto: Detlef Scherle

Kreis CoESFELD. Ein Wachwechsel vollzieht sich heute in der Rettungsleitstelle im Kreis Coesfeld: Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr verabschiedet deren Leiter Georg Kersting (60). Nach 16 Jahren geht er in Ruhestand. Nachfolger wird Daniel Pfau (43), der bisher Disponent in der Leitstelle war. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Detlef Scherle bilanziert der scheidende Leitstellen-Chef die Entwicklungen im Rettungswesen, blickt zurück auf die größten Schadensereignisse, die es zu bewältigen galt, und verrät, was er im Ruhestand so vorhat.

Von Allgemeine Zeitung

Das sieht ja schon ganz schön nach Auszug aus in Ihrem Büro, Herr Kersting.

Kersting: Ja, nur ein paar Bilder hängen noch. (zeigt auf die Wände) Morgen zieht hier mein Nachfolger ein.

Schwingt da ein wenig Wehmut mit, wenn Sie nach 16 Jahren, in denen sie mit Leib und Seele Leitstellen-Chef waren und viel bewegt haben, ihre Sachen packen?

Kersting: Ja, schon. Ich hätte noch drei Jahre dranhängen können. Aber der Abschied zum jetzigen Zeitpunkt ist gut überlegt. Und ich bin froh, dass es mit Daniel Pfau eine kompetente Nachfolge und einen nahtlosen Übergang gibt.

Wie sind Sie damals zum Rettungswesen gekommen?

Kersting: Ich war 20 Jahre Soldat, danach drei Jahre bei der Feuer- und Rettungswache in Dülmen und schließlich fünf Jahre Disponent der Leitstelle im Nachbarkreis Steinfurt. In Coesfeld hat mich die Führungsaufgabe gereizt. Als Leiter der Leitstelle ist man mitten drin im Einsatzgeschehen. Vor allem hat mich aber immer auch die Technik fasziniert.

In den 16 Jahren, die Sie nun Leiter der Leitstelle in Coesfeld sind, hat sich da ja eine Menge getan. Sie haben stets für moderne, aber teilweise auch teure Lösungen gekämpft, um das Rettungswesen im Kreis Coesfeld auf einem hohen Niveau zu halten. Da gab es auch schon mal schwierige Diskussionen – oder?

Kersting: Ja, hier mussten Millionensummen in die Leitstellentechnik investiert werden. Die Etatverantwortlichen in Verwaltung und Politik von der Notwendigkeit zu überzeugen, war bisweilen nicht einfach. Am Ende habe ich es aber immer geschafft. (lächelt)

Was waren die wesentlichen technischen Veränderungen?

Kersting: Dreimal haben wir in den 16 Jahren die komplette Rechner-Technik ausgetauscht. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir das TomTom-Navigationssystem in die bestehende Technik integriert haben.

Welche Vorteile bietet es?

Kersting: Wir schalten damit eine Fehlerquelle aus und sparen Zeit, die im Notfall kostbar sein kann. Bei einem nicht vernetzten Navigationsgerät muss der Rettungswagenfahrer Ort, Straße und Hausnummer mühsam eingeben. Bei uns macht das nun schon der Disponent in der Leitstelle. Er liest direkt die Kataster-Koordinaten ein. Das erleichtert auch das Auffinden von abseits gelegenen Gehöften. Die Lage jedes Objektes im Kreis Coesfeld – von der Fabrik bis zum Privathaus – ist bei uns schon eingespeichert. Außerdem sind die Fahrzeuge mit diesem System ortungsfähig. Wenn beispielsweise ein Rettungswagen leer vom Krankenhaus zurückkommt und sich zufällig schon nahe an einem Unfallort befindet, kann die Leitstelle ihn direkt dorthin beordern, statt ein anderes Fahrzeug aus der Rettungswache zu schicken. Durch diese Technik haben wir eine Verbesserung der Hilfsfristen erreicht.

Man hört, dass bei der Umstellung der Funktechnik von analog auf digital nicht alles auf Anhieb geklappt haben soll?

Kersting: Ja, die neue Technik hatte am Anfang Schwierigkeiten. Deshalb war es wichtig, dass wir die alte noch parallel weiter gefahren, das heißt im Hintergrund das Analog-System weiter gepflegt haben. Man braucht immer eine Ersatzlösung für den Fall, dass ein System ausfällt – gerade auch für Großschadenslagen. Und ein paar Mängel hat die Digital-Technik immer noch. Aber darum muss sich jetzt mein Nachfolger kümmern. Ebenso wie um die weitere Vernetzung mit den benachbarten Kreisleitstellen...

Was waren denn die spektakulärsten Einsätze, die Sie in Ihrer Dienstzeit als Leitstellen-Chef hatten?

Kersting: Da ist an erster Stelle sicherlich das Schneechaos vom November 2005 zu nennen. Ich war da gerade bei einem Außen-Termin in Dortmund, wo mich Kollegen anriefen, dass ich ganz schnell nach Coesfeld zurückkommen müsse. Ein Baum drohte unter der Schneelast über meinem an der Leitstelle geparkten Privatwagen zusammenzubrechen. Ich dachte erst, die wollten mich veräppeln. Ich habe es gerade noch zurück nach Coesfeld geschafft. Von Freitag bis Dienstag habe ich dann rund um die Uhr in der Leitstelle verbracht. Wir hatten Hunderte Hilfeersuchen.

Sie haben auch hier geschlafen?

Kersting: (lacht) Ja. Sie sitzen auf meiner ausziehbaren Schlafcouch.

Welche Ereignisse sind Ihnen noch im Gedächtnis geblieben?

Kersting: Das Sturmtief Kyrill 2007 und das Leck am Dortmund-Ems-Kanal 2005 waren ebenfalls für uns große Herausforderungen.

Gab es auch ein beglückendes Erlebnis?

Kersting (denkt kurz nach)... Ja, da fällt mir was ein. Ich hatte mich mal nach Warendorf wegbeworben. Der Grund: In den Nachbarkreisen waren die Leitstellenleiter-Stellen schon längere Zeit höher dotiert. Während man im Kreis Coesfeld noch an der Eingruppierung A 11 festhielt, waren sie schon mindestens bei A 12. Da haben sich viele Kollegen in der Verwaltung bemüht, mich zu halten und letztlich den Landrat überzeugt, das Gehalt anzupassen. Das hat der auch getan. Und ich bin geblieben. Die Bemühungen der Kollegen haben mich damals sehr beeindruckt, war es doch eine Anerkennung meiner Arbeit hier im Kreis.

Was kommt, nachdem Ihnen der Landrat heute zum Abschied die Hand geschüttelt hat?

Kersting: Ich bin und bleibe bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Drei Jahre hänge ich noch als Aktiver im Gefahrstoffzug Dülmen dran.

Und privat?

Kersting: Meine Frau und ich bauen uns zur Zeit in Dülmen ein neues Haus. Nächste Woche kommen die Dachpfannen.

Damit ist ein Aktivposten wie Sie aber noch nicht ausgelastet...

Kersting: Ich habe als zweites Standbein eine Firma gegründet, die sich um Sicherheits- und Brandschutzkonzepte kümmert. Die Arbeit geht mir also nicht aus.

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