Di., 12.09.2017

Friedrich Ostendorff liebt den Umgang mit den Tieren auf seinem Bio-Bauernhof Bullerbü in Bergkamen

Friedrich Ostendorff liebt den Umgang mit den Tieren auf seinem Bio-Bauernhof: Bullerbü in Bergkamen

Foto: Detlef Scherle

Bergkamen. Besuch! Die Kälber staksen neugierig bis ans Gatter, um zu inspizieren, wer da gerade auf den Hof fährt. Die weiße Hühnerschar, angeführt von einem stolzen bunten Hahn, lässt sich beim Picken auf der großen Wiese nicht stören. Und auch die Schweine suhlen sich unbeeindruckt von dem „Eindringling“ genüsslich im überdachten Außengehege. Gleich fegen sicher Lasse, Bosse und Lisa um die Ecke, kommt dem Reporter Bullerbü in den Sinn. „Ich fand als Kind Saltrokan besser. Da war mehr Action“, lacht Friedrich Ostendorff, der den Vergleich seines Betriebes mit den Astrid-Lindgren-Geschichten eigentlich gar nicht so mag. Ihm geht’s nicht um Idylle, sondern um artgerechte Tierhaltung.

Von Detlef Scherle

Der Bio-Bauer ist an diesem frühen Morgen beim Misten im Kuhstall anzutreffen. Einige der 20 Kühe liegen im frisch mit der Gabel verteilten Stroh. „Spaltenböden gibt’s hier nicht“, zeigt der 64-jährige Bundestagsabgeordnete, während er Einstreu in die einzelnen Buchten schiebt. Eigentlich ist er Schweine-Bauer. Die Kühe seien mit seiner Frau auf den Hof gekommen, die seinerzeit seine erste Auszubildende gewesen sei, erzählt er. Und auch die Umstellung auf Bio hat sie angestoßen. „Kühe und Bio – das war ihre Bedingung, mich zu heiraten und auf dem Hof einzusteigen“, schmunzelt er. 1982/83 war das   – die Ostendorffs waren damals Pioniere. Er gehörte zu den Mitbegründern des Bioland-Verbandes. Heirat und Bio – beides hat der Vater einer erwachsenen Tochter nicht bereut.

Seine Leidenschaft sind seine Tiere – und so war es keine Frage, dass der Grünen-Politiker für dieses Porträt auf seinen Hof nach Bergkamen eingeladen hat. Er lässt gern die Sau raus! Im wortwörtlichen Sinne. Er muss dafür gar keinen Schuber öffnen, zeigt er im Stall, in dem 150 Schweine gemästet werden. „Oberstes Prinzip ist bei uns, dass die Tiere selbst entscheiden können, ob sie rein oder raus wollen“, erklärt er. Und so liegen einige drinnen im Stroh. Andere futtern genüsslich aus dem Trog. Ostendorff tätschelt ihnen die Ohren. Wieder andere suhlen sich im Außenbereich des Stalles in der Morgensonne. Die Tiere sind intelligent. Den Bereich, in dem sie fressen, halten sie blitzsauber. Zum Koten geht’s nach draußen. Alle haben Ringelschwänze. Die abzuschneiden – das käme Ostendorff nicht in den Sinn. „Auch jedes Huhn soll mit ungekürztem Schnabel picken können“, erklärt er bei einer Stippvisite im Hühnerstall, der ebenfalls ständigen Freigang ermöglicht. Nur nachts müssen sie rein – wegen der Füchse.

Der Hof liegt in Bergkamen nahe der Stadt. Der Bergbau in der Region hat Spuren hinterlassen. „Über 14 Meter ist das hier abgesackt“, berichtet er beim Gang zur großen Streuobstwiese mit 150 Bäumen, auf der 65 hofeigene Rinder grasen. „Aus den Äpfeln machen wir Saft“, erzählt er. Aber dieses Jahr gebe es nicht so viele. Seine Frau und eine Helferin sind derweil dabei, den kleinen Hofladen, der am Nachmittag wieder geöffnet hat, mit frischer Ware zu bestücken. Das ist ein Nebengeschäft. Spezialisiert hat sich der Betrieb auf den Dinkel-Anbau. Das Getreide wird noch auf dem Hof aufbereitet – mit Hilfe einer modernen Entspelzungsanlage – und dann zur Davert Mühle nach Ascheberg gebracht.

Viel Platz, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten: Den Tieren geht’s sichtlich gut auf dem Hof. Und wo entspannt der Bauer von der Hofarbeit und von der Politik? Ostendorff führt den Besucher in den Garten hinter dem Wohnhaus. Ein großer Schwimmteich – und eine Terrasse mit Liegestühlen lassen erahnen, dass auch der Mensch sich hier wohlfühlen kann. Dort kommen ihm dann auch viele Ideen für die politische Auseinandersetzung in Berlin, wo er im Parlament der Haupt-Gegenspieler von Landwirtschaftsminister Schmidt ist. Ostendorff möchte durchsetzen, dass Verbraucher – wie bei Eiern – auch bei Fleisch und Milchprodukten beim Einkauf erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden. Ob er das kann, hängt von der Wahl ab. Die Grünen müssen in NRW mindestens acht Prozent holen, damit er wieder drin ist. Das könnte, wenn man den Umfragen glaubt, knapp werden.

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