Di., 05.12.2017

Auch der Jugendhilfeausschuss des Kreistages stimmt mit großer Mehrheit für das „Kompass“-Projekt Politiker contra Verwaltung

Kreis CoEsfeld. Bei nur einer Gegenstimme des UWG-Vertreters Michael Neumann aus Rosendahl hat der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistages gestern beschlossen, das Projekt „Kompass“ des Bunten Kreises Münsterland für weitere drei Jahre finanziell zu unterstützen. Damit kann die psychologische Beratung und Begleitung von Eltern mit chronisch kranken, behinderten und viel zu früh geborenen Kindern über März 2018 hinaus weitergehen. Die Jugendpolitiker stellten sich mit dem Beschluss gegen die Empfehlung der Kreisverwaltung, die diese freiwillige Leistung nicht mehr schultern wollte, obwohl sie das Angebot nach eigenen Angaben auch für „sehr sehr gut“ hält. „Wir sind in einem Bereich außerhalb der Zuständigkeit des Sozialgesetzbuches“, erklärte Sozialdezernent Detlef Schütt die ablehnende Haltung der Behörde, die auch mit den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden abgestimmt war.

Von Detlef Scherle

Vor zwei Wochen hatte sich bereits der Jugendhilfe-Ausschuss der Stadt Dülmen von der Bürgermeisterin abgesetzt und den Antrag befürwortet (wir berichteten). Am 12. Dezember steht noch die Entscheidung für den Jugendamtsbezirk der Stadt Coesfeld aus. Aber auch von dort gibt es bereits Signale, dass die Politiker ihrem Bürgermeister mehrheitlich nicht folgen wollen.

„Wir sollten Eltern, deren Kinder einen so schweren Start ins Leben haben, unterstützen“, unterstrich Enrico Zanirato (FDP) in der Jugendhilfeausschuss-Sitzung des Kreistages. Die Summe, um die es gehe – für den Kreis 17 500 Euro und insgesamt rund 28 000 Euro, sei angesichts des Haushaltsvolumens von 350 Millionen Euro „ein kleiner Betrag“. „Die aufsuchende Beratung hat uns sehr überzeugt“, hob Birgit Hülk für die SPD hervor. Und Anneliese Haselkamp ergänzte für die CDU, dass die Hilfe, die der Bunte Kreis leiste, sehr detailliert dargestellt und „gut mit Zahlen hinterlegt“ sei. Ihr Fraktionskollege Ralf Danielczyk freute sich, dass sich ein einheitliches Vorgehen im Kreis abzeichnet.

Auch Michael Neumann von der UWG unterstützt das Angebot grundsätzlich. Er findet aber, dass es die Krankenkassen finanzieren müssten und stimmte deshalb für die Verwaltungsvorlage. Es müsse „Druck gemacht werden“ auf die Bundesgremien der Kassen.

„Wir können aber nicht so lange warten, bis die sich da oben geeinigt haben“, hielt ihm DRK-Vorstand Christoph Schlütermann entgegen. Corinna Brandenburger (Frauen e. V.) schlug vor, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Parallel zur weiteren Förderung soll nun über verschiedene Gremien auf Landes- und Bundesebene versucht werden zu erreichen, die Krankenkassen doch noch ins Boot zu holen. NRW-Sozialminister Laumann wurde bereits angefragt. Seine Antwort steht noch aus.

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