Mi., 06.12.2017

Jugendhilfeausschuss lehnt Antrag ab Keine Fachstelle gegen Gewalt an Kindern

Jugendhilfeausschuss lehnt Antrag ab: Keine Fachstelle gegen Gewalt an Kindern

Die Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben: Vertreter und Unterstützer des Kreisverbandes Coesfeld des Deutschen Kinderschutzbundes verfolgten die Sitzung auf der Zuschauertribüne, im Vordergrund: Geschäftsführerin Dagmar Klose. Foto: Detlef Scherle

Kreis Coesfeld. Aus der Fachstelle gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen, die der Kinderschutzbund im Kreis Coesfeld einrichten wollte, wird vorerst nichts. Es fehlt das Geld dafür. Der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistages lehnte jetzt bei nur einer Gegenstimme des Grünen-Vertreters Wolfgang Dropmann den Antrag ab, dafür jährlich rund 74 000 Euro für zwei halbe Personalstellen und einmalig für die Ausstattung 5380 Euro zur Verfügung zu stellen. Große Enttäuschung machte sich schon während der Debatte auf der Besuchertribüne breit, auf der elf ehrenamtliche Mitarbeiter und Unterstützer des Kinderschutzbundes demonstrativ mit Fähnchen und Windmühlen Platz genommen hatten.

Von Detlef Scherle

Vorausgegangen waren drei nichtöffentliche Unterausschusssitzungen und eine Umfrage unter Fachkräften, die in Einrichtungen im Kreis Coesfeld mit dem Thema konfrontiert sind. „Wir haben uns sehr viel Gedanken dazu gemacht“, hob Ausschussvorsitzender Ludger Wobbe hervor. Für die Verwaltung unterstrich Jugend-Dezernent Detlef Schütt, dass diese „keinen Bedarf“ für eine solche Fachstelle sehe: „Wir haben schon eine gut ausgebaute Infrastruktur mit einer starken Vernetzung.“ Birgit Hülk (SPD) bezweifelte, dass das grundsätzlich „gute Konzept“ der Fachstelle mit so wenigen Mitarbeitern überhaupt umgesetzt werden kann. Mit „denselben Kopfschmerzen“, so CDU-Vertreter Ralf Danielczyk, sei auch seine Fraktion in die Diskussion gegangen. Es sei zwar „auf jeden Fall unpopulär, im Sinne der Verwaltung abzustimmen“. Die CDU halte das aber für richtig. „Es wird nie genug geleistet“, räumte Christoph Schlütermann (DRK-Kreisverband) ein. Statt eine neue Stelle zu schaffen, schlug er vor, sollte man aber zunächst auf die vorhandenen Strukturen zurückgreifen. Diese zu stärken, unterstützte ihn Enrico Zanirato von der FDP, wäre effektiver.

Für den Antrag des Kinderschutzbundes sprach sich Wolfgang Dropmann (Grüne) aus: „Wir sind nicht überzeugt, dass die anderen vorhandenen Institutionen dieses Thema auch wirklich umfassend bearbeiten können.“ Eine Schwerpunktsetzung mache da schon Sinn. „Und die sehen wir beim Kinderschutzbund in guten Händen.“

Auch Jürgen Dittrich, Vertreter der Polizei, machte sich für den Kinderschutzbund stark: „Aus unserer Sicht wäre das eine gute Ergänzung der bestehenden Angebote auf niedrigschwelliger Basis.“ Schon vorab hatte der „Runde Tisch gegen Gewalt an Frauen und Kindern“ im Kreis Coesfeld die Einrichtung der Stelle unterstützt. Die im Ausschuss nicht stimmberechtigte Petra Bange (Fraktion Familie/Linke) sprach sich dafür aus, dem Kinderschutzbund die Chance zu geben, die Stelle aufzubauen: „Wenn dadurch auch nur einem einzigen Kind geholfen werden könnte, wäre es die Sache Wert.“

„Mega-enttäuscht“ zeigte sich Dagmar Klose, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, nach der Sitzung. Der Kreisverband wolle sich davon aber nicht entmutigen lassen und sich weiter für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche einsetzen. Die Vorstandsmitglieder wollen sich um Kooperationspartner und eine alternative Finanzierung bemühen: „Wir bleiben dran. Jetzt erst recht.“

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