Fr., 02.02.2018

Zwei Künstler „zitieren“ Veränderungen Schrecklich schöne „Neue Landschaften“

Zwei Künstler „zitieren“ Veränderungen: Schrecklich schöne „Neue Landschaften“

Beim Aufbau der Ausstellung „Neue Landschaften“: (v. l.) Paul Joachim Müller (l.), Catharina Kähler vom Naturschutzzentrum und Jörg Heydemann auf dem Hof Schoppmann in Darup. Foto: Detlef Scherle

Darup. Die Münsterländer Parklandschaft verändert sich: Windkraftanlagen am Horizont statt weiter Ausblicke, Monokulturwüsten statt Artenvielfalt, industriell anmutende Stallbauten statt idyllischer Bauernhöfe. Zwei heimische Künstler, deren Gemeinschaftsausstellung an diesem Sonntag um 16 Uhr im Veranstaltungsraum des Naturschutzzentrums in Darup (Hof Schoppmann, Am Hagenbach 11) eröffnet wird, nähern sich diesem Umgestaltungsprozess, der sich fast unbemerkt in der Landschaft vollzieht, mit ihren Arbeiten an. Das geschieht nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Es geht auch in erster Linie nicht darum, was in den Gebäuden geschieht, sondern um den Blick auf diese von außen. „Ich zitiere“, beschreibt der Fotograf Paul Joachim Müller aus Coesfeld, von Haus aus Architekt, seine Aufnahmen, die auf den ersten Blick eine geballte Ladung Ästhetik und Harmonie vermitteln. Erst auf den zweiten wird klar, dass sich die Sonne da in Güllebehältern spiegelt und dass Glyphosat Pflanzen so herrlich gelb macht. Mit dem Hund an seiner Seite hat er sich die Landschaft „erlaufen“ – und dabei bemerkt, „dass da was kippt“. Das inspirierte ihn zu den Fotografien.

Von Detlef Scherle

Der Bildhauer Jörg Heydemann, Kunstprofessor aus Billerbeck, ging anders an das Thema heran. Er hat landschaftsbezogene Reliefs aus verschiedenen Kunststoffen geschaffen. „Sie spiegeln eine sich verändernde Ästhetik in unserem Naturraum wieder“, erklärt er. Aber auch bei ihm stockt einem spätestens beim zweiten Blick der Atem, wenn man neben nachempfundenen Großställen eine transparente Menschenfabrik erkennt, in der sich die Wesen gleichförmig – wie im Fluss – in einem Produktionsprozess zu befinden scheinen.

Was macht die neue Landschaftsästhetik mit uns? fragen Müller und Heydemann. Erklärungen wollen sie selbst nicht liefern. „Das soll offen bleiben“, hebt Müller hervor, dass die Kunst eben nicht belehren oder gar agitieren wolle, sondern zum eigenen Nachdenken anregen. „Kunst muss unsere Neugier wecken, ohne sie zu stillen.“ Aha!

Die Ausstellung, die von dem Billerbecker Wolfgang Suwelack finanziell gefördert wird, läuft bis zum 6. Mai. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 22. April lädt das Naturschutzzentrum zu einer Podiumsdiskussion ein, bei der von Experten Positionen zu „Neuen Landschaften“ eingenommen werden sollen.

Aber jetzt steht erstmal die Eröffnung an. In die Ausstellung führt am Sonntag um 16 Uhr Prof. Dr. Reinhold Happel ein. Musikalisch gestalten Felix Heydemann (Gitarre) und Alexej Malakhau (Saxophon) die Vernissage mit. Alle Interessierten sind eingeladen.

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