Mo., 05.03.2018

Kreis Coesfeld „Frauen sind oft zu ehrlich“

Kreis Coesfeld: „Frauen sind oft zu ehrlich“

Foto: az

Von Ulla Wolanewitz

Von Allgemeine Zeitung

Kreis Coesfeld. Lädt der Kreis-Landfrauenverband Coesfeld zum Frauentag ein, ist die Aula vom Schulzentrum in Dülmen bis auf den letzten Platz besetzt.

440 Gäste kamen dort am Samstagnachmittag zusammen. Unter den Ehrengästen befand sich auch der neue frischgebackene Kreislandwirt Georg Silkenböhmer. Der Ascheberger trumpfte dann auch gleich mit einem verbalen Blumenstrauß für die Damenwelt: „Die Frauen sind die besten Botschafterinnen für die Landwirtschaft. Sie sind die Strippenzieherinnen im ‚back-office“. In Krisen und bei Stress sind sie Mediatorinnen und meistens innovativer und kreativer als wir Männer, die wir es gern bequem haben.“

Der Nachmittag stand unter dem Motto „Veränderungen“. Diese wurde dann auch gleich sichtbar im neuen Leitungsteam, sprich: Vorstand. Sabine Nolte heißt die neue Teamsprecherin. Sie ist die Nachfolgerin von Christa Ermann, die dieses Amt acht Jahre ausfüllte. Ausgeschieden sind ferner: Edeltraud Füstmann, Ursula Muhle und Margret Bellerich. Neu hinzugekommen sind: Reinhild Pröbsting, Gudula Bontrup und Renate Mülder.

Bevor Stargast Fernsehrichterin Barbara Salesch auf die Bühne ging, um ihre Autobiographie „Von der Lust der Veränderungen“ vorzustellen, sorgten „Lisbeth & Inge“ und ihre Damen-Crew aus Olfen als Landfrauen der ersten Stunde für ordentlichen Bühnenzauber. Sie erinnerten an Zeiten in denen auf einem „tablet“ noch Gläser transportiert wurden, die Single-Börse im Sandkasten angesiedelt war und Oma noch Omma hieß und nicht „Best-Ager“. Im exklusiven „Omma-Styling“ zeigten die Damen ihrem Publikum, was ein unterhaltsames Ballett ist und rockten vom Allerfeinsten. Auch, wenn es zwischendurch – altersbedingt – kleine Ausfälle gab. Natürlich nur als „Fake“.

Das rührte selbst Barbara Salesch zu Lachtränen. Die saß zunächst mit ihrem kleinen Pony – einem irischen Wolfshund – zwischen den anderen Gästen. „Macht weiter, Mädels. Ich komme dann nochmal wieder“, lobte sie. Als „höhere“ Tochter eines Bauunternehmers in Karlsruhe geboren, sei sie mit Glück als Grundlage ausgestattet worden, gestand sie. Eigentlich sollte sie der Stammhalter werden. Aber dennoch hatte der Papa ein Einsehen, so dass „ich die Prinzenrolle genießen durfte“. Ganz egal, was sie machte, er „rechtfertigte alles. Schuld waren immer die anderen“. Keine Frage, dass sich daraus ihr gutes Selbstbewusstsein entwickelte, das im Leben gehörig hilft. „Wenn man hört: Das schaffst du schon!, wird es einem leichter gemacht, Chancen zu ergreifen und Risiken einzugehen“, so die fast 68-Jährige. Zunächst wollte sie Architektin werden. Doch Papa intervenierte und meinte, das wäre nichts für sie, weil sie dann bauen müsste, was andere wollen. So fiel die Wahl auf Jura, weil „eine Richterstelle, das Unabhängigste ist, was es gibt!“. Gute Chancen in Justizbehörden, Landgerichten und später beim Fernsehen, die sich ihr boten, nutzte sie gerne: „Frauen sind oft zu ehrlich und zweifeln. Sagen sie: Das kann ich! Dann nix wie weg. Zittern können sie zuhause!“. 12,5 Jahre gab sie die Fernsehrichterin in 2500 Sendungen, wobei hier die Drehbücher dazu geschrieben waren und das Rechtliche nicht so erheblich war: „TV funktioniert über Bilder, nicht über Worte.“ Statistisch gesehen seien Frauen nicht so häufig angeklagt wie Männer. „Entweder, weil wir die besseren Menschen sind. Oder: Wir lassen arbeiten!“, flachste Salesch in den 60 spannenden Minuten.

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