Kreis Coesfeld
Cannabis überholt erstmals Alkohol bei Neufällen

Dülmen. Sucht ist wie eine schnelle Fahrt auf der Autobahn – auf einen Abgrund zu. Die Aufgabe der Sucht- und Drogenberatung sieht Ulrich Flasche, Leiter dieser Einrichtung der Awo in Dülmen, darin, Ausfahrten durch ein „dornenbewehrtes Gestrüpp“ zu schlagen und diese Wege aufzuzeigen. Davon konnten im letzten Jahr 539 Süchtige profitieren, 48 Klienten weniger als im Jahr 2016. Das seien statistische Schwankungen im normalen Bereich, erklärte er.

Freitag, 08.06.2018, 18:38 Uhr

Kreis Coesfeld: Cannabis überholt erstmals Alkohol bei Neufällen
In der Suchtberatungsstelle Dülmen stellten (v. l.) Carla Dieckmann (Fachstelle Substitution), Ulrich Flasche (Leitung), Awo-Geschäftsführer Harry Junghans und Lioba Krüger-Rosenke (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) den Jahresbericht der Einrichtung für 2017 vor. Foto: hlm

Bei der Hilfe für einen Suchterkrankten ist das Zusammenspiel vieler Akteure notwendig. Deshalb ist Flasche besonders stolz auf die Fachabende „Sucht, Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie“ für Experten in 2017. Denn der Erfolg einer Beratung steht und fällt mit dem Vertrauen. Und für diese Arbeit braucht es fachübergreifendes Wissen und Verständnis.

252 neue Suchterkrankte wendeten sich 2017 an die Sucht- und Drogenberatung der Awo. Mit 96 Cannabissüchtigen holte sich erstmals diese Gruppe Abhängiger mehrheitlich Unterstützung. Es folgen in der Rangordnung 79 Alkoholabhängige und 28 Angehörige. Damit kann nicht generell auf eine Änderung des Suchtverhaltens geschlossen werden. In der Gesamtbilanz bleibt mit 194 Beratungsfällen Alkohol das Drogenproblem Nummer 1.

Den ersten Schritt muss der Abhängige machen. Anders sieht es bei der Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten (FreD) aus. Es sind wegen Straffälligkeit zugewiesene Jugendliche und junge Erwachsene, die an der Maßnahme teilnehmen müssen. „Aber am Ende der Therapie wird diese durchweg positiv von den Klienten bewertet“, so Suchtberaterin Lioba Krüger-Rosenke.

Carla Dieckmann kümmerte sich im letzten Jahr um 61 Süchtige, die kontrolliert Zugang zu Ersatzdrogen (Substitution) erhielten. Dabei wurden sie von Ärzten und Sozialfacharbeitern begleitet. 26 davon nutzten das Angebot in Coesfeld, 15 in Dülmen, 10 in Lüdinghausen – überwiegend im Alter von 35 bis 50 Jahren.

Auch auf das Phänomen Mediensucht reagierten die Experten und erhielten 2017 den Zuschlag für ihr Modellprojekt „interface extended“, in dessen Rahmen ein spezielles Beratungsprogramm angeboten wird.

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