Do., 05.05.2016

Eskalation nach Streit um Spielschulden 18-jähriger Häftling erwürgt Mitgefangenen

Eskalation nach Streit um Spielschulden : 18-jähriger Häftling erwürgt Mitgefangenen

Der Eingangsbereich der JVA Wuppertal-Ronsdorf. Foto: dpa

Wuppertal - 

Im Streit um 40 Euro Spielschulden soll ein 18-jähriger Häftling einen 20-jährigen Mitgefangenen in Wuppertal erwürgt haben. Der 18-Jährige habe unmittelbar darauf per Notruf die Vollzugsbeamten informiert und die Tat gestanden, sagte Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Donnerstag in Wuppertal.

Von dpa

Die beiden Häftlinge seien beim Zellenbesuch am frühen Mittwochabend in Streit geraten. „Nach ersten Erkenntnissen soll es um 40 Euro Spielschulden nach einem Kartenspiel gegangen sein.“

Kutschaty kam am Donnerstag selbst in die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Das Gefängnis hatte in den vergangenen Jahren immer wieder negative Schlagzeilen gemacht.Die Zellen der beiden Häftlinge lagen nebeneinander. Sie hatten sich laut Kutschaty schon vorher zweimal besucht. Beim sogenannten Umschluss dürfen sich Gefangene während der Freizeit auf ihren Wunsch hin zusammen in einer Zelle einschließen lassen.

In der Zelle des 18-jährigen sei nach etwa 20 Minuten der Streit um die Begleichung der Spielschulden eskaliert, sagte Kutschaty. Der junge Häftling, der seit März eine dreijährige Jugendstrafe wegen Raubes, Einbruchdiebstahls und Brandstiftung verbüßt, soll den 20-Jährigen zunächst geschubst haben. Dann kam es zur Rangelei.

Schließlich soll der 18-Jährige seinen Mitgefangenen erwürgt haben.Anschließend habe er über die Notrufanlage die Vollzugsbeamten verständigt und gesagt, es sei „etwas Schlimmes passiert“. Der Anstaltsarzt habe noch versucht, das Opfer zu reanimieren, letztlich aber nur noch den Tod des 20-Jährigen feststellen können.

Das Opfer hatte seit März wegen Diebstahls mit Waffen in Untersuchungshaft gesessen. Der mutmaßliche Täter habe seine Tat bei der Vernehmung gestanden, sagte Minister Kutschaty. Er sei noch in der Nacht in eine andere Anstalt verlegt worden.Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wuppertal-Ronsdorf war in den vergangenen Jahren mehrfach in den Schlagzeilen. Dabei wurden Vorwürfe laut, dort herrschten Missstände, gewalttätige Übergriffe und Repression.

Im vergangenen August war die Gefängnisleitung ausgetauscht worden.In dem Gefängnis sind laut Kutschaty von 510 Haftplätzen derzeit 433 belegt. Das Gefängnis sei die jüngste Anstalt des Jugendvollzugs in Nordrhein-Westfalen. Es gilt als modernstes Jugendgefängnis in Nordrhein-Westfalen und sollte Lehren aus dem sogenannten Folter-Mord in der JVA Siegburg vor über sechs Jahren umsetzen. Dazu gehört vor allem die Einzelzelle als Regelfall und ein umfangreiches Ausbildungs-, Sport- und Freizeitprogramm.

Zuletzt war es nach Angaben des NRW-Justizministeriums im Jugendstrafvollzug im Jahr 2006 in der JVA Siegburg und 2010 im Erwachsenen-Strafvollzug in Remscheid zu tödliche Gewalttaten gekommen.

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