Fr., 08.01.2016

Vera Börnhorst möchte Chor „Dementsprechend“ für demenziell erkrankte Menschen gründen „Wer singt, der grübelt nicht“

Vera Börnhorst möchte Chor „Dementsprechend“ für demenziell erkrankte Menschen gründen : „Wer singt, der grübelt nicht“

Seniorendienstleisterin und Demenz-Coach Vera Börnhorst aus Osterwick möchte in einem Seniorenwohnheim einen Chor gründen. Fotomontage: Manuela Reher Foto: az

Osterwick. Vera Börnhorst strahlt über das ganze Gesicht. Als Seniorendienstleisterin und Demenz-Coach möchte sie eine neue Idee umsetzen, um demenziell erkrankten Menschen mehr Lebensqualität zu bieten.

Von Manuela Reher

„Singen gab es vor der Sprache“, meint die 49-Jährige Osterwickerin, die in Teilzeit in einem Seniorenwohnheim in Teilzeit beschäftigt ist. „Und wer singt, der grübelt nicht“, fügt sie gleich hinzu. All das komme den Teilnehmern des neuen Chores, den sie in einer Seniorenpflege-Einrichtung gründen möchte, zu Gute.

Der Chor soll „Dementsprechend“ heißen. Im Namen sei das Wort dement enthalten. Aber dass die Sänger demenziell erkrankt seien, sei nur ein Teilaspekt der gesamten Persönlichkeit. „Es geht vielmehr darum, die betroffenen Menschen und deren Angehörige bei einer Demenzerkrankung nicht auszuschließen, sondern einzubeziehen in das alltägliche Leben“, erläutert Vera Börnhorst.

Wer früher gern gesungen habe und vielleicht sogar regelmäßig zur Chorprobe gegangen sei, könne eine lieb gewonnene Gewohnheit neu entdecken. „Es geht darum, am Ball zu bleiben. Das ist sehr wichtig“, betont sie als Demenz-Coach.

Im Ludgerusstift in Billerbeck habe sie bereits einen Demenz-Treffpunkt gegründet und den Tanztee aus der Taufe gehoben.

„Lieder können durchaus heilsam sein“, betont Vera Börnhorst. Die demenziell erkrankten Teilnehmer des Chores sollen wieder spüren, dass sie liebenswert sind.

„Wir wollen gemeinsam jahreszeitlich orientierte Lieder singen“, berichtet Vera Börnhorst. Felix Osterkamp wird die Sänger am Klavier begleiten.

Auch diejenigen, die bisher keinen Zugang zum Singen gehabt haben, sollen willkommen sein. Bei demenziell erkrankten Menschen sei oft zu beobachten, dass die Selbstzensur verloren gehe. Das sei aber förderlich, denn dann müsse sich keine Gedanken darüber machen, ob man nun die Töne richtig trifft oder auch nicht. Hemmungen könnten durch das Singen abgebaut werden.

Eigentlich ist Vera Börnhorst gelernte Industriekauffrau. Nachdem ihre drei – inzwischen erwachsenen – Kinder geboren wurden, war sie in einem Bekleidungsgeschäft tätig. „Oftmals sind ältere Menschen nur in den Laden gekommen, um sich mit mir zu unterhalten“, blickt sie zurück. Die Tätigkeit als Verkäuferin hat ihr schließlich nicht mehr gereicht. Eine Kollegin brachte sie damals auf die Idee: „Du tüttelst doch immer so mit alten Menschen rum. Wie wäre es denn, wenn du mit Senioren arbeitest?“, gibt sie die Worte ihrer Bekannten wieder.

Gesagt, getan. 2007 absolvierte sie nach etlichen Schulungen – die sie aus eigener Tasche bezahlte – ihren ersten Seniorendienst. Im Sommer 2012 wurde sie offiziell als Seniorendienstleisterin anerkannt. Inzwischen hat Vera Börnhorst auch eine Weiterbildung zum Demenz-Coach in Gütersloh absolviert. Auch die Kosten dafür hat sie aus eigener Tasche bezahlt. Ein Demenz-Coach ist sachkundiger Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Thema Demenz in einer Klinik oder Einrichtung und entwickelt dort Konzepte und Standards für den Umgang mit demenziell erkrankten Menschen.

7 Wer am neuen Chor interessiert ist, kann sich mit Vera Börnhorst in Verbindung setzen unter Tel. 0 25 47/ 1361 oder 0 160/ 94 94 36 74 oder per Mail unter veraboernhorst@t-online.de.

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