Mi., 01.06.2016

NRW-Minister Johannes Remmel informiert sich in der Dorfkäserei Söbbeke über nachhaltige Produktion Wertschätzen, nicht wegwerfen

NRW-Minister Johannes Remmel informiert sich in der Dorfkäserei Söbbeke über nachhaltige Produktion : Wertschätzen, nicht wegwerfen

Wie ein Käse entsteht, ließ sich NRW-Minister Johannes Remmel (rechts) von Betriebsleiter Heiner Borchers erläutern. Foto: az

Holtwick. Sie sind nur ein kleiner Baustein im Gesamtgebilde und doch einer, der die Blicke auf sich lenkt. „Vielleicht kann ja auch ein kleiner Betrieb einen Beitrag gegen die großen Probleme der Welt leisten“, bringt Paul Söbbeke zum Ausdruck, was das Team der gleichnamigen Biomolkerei antreibt. Lebensmittel wertschätzen, Abfälle vermeiden – Söbbeke hat einen Weg gefunden, der auch den NRW-Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister beeindruckt. „Hier zeigt sich, dass Nachhaltigkeit auch mit Innovation und Weiterentwicklung eines Betriebes einhergehen kann“, erklärt Johannes Remmel gestern beim Besuch der Dorfkäserei in Holtwick.

Von Frank Wittenberg

Unter das Motto „NRW is(s)t . . .“ hat Remmel seine Sommertour gestellt und rückt besonders die Wertschätzung von Lebensmitteln in den Vordergrund. „Mehr als elf Millionen Tonnen an essbaren Lebensmitteln werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen, das ist fast ein Drittel unserer gesamten Ernährung“, stellt er fest. Das müsse minimiert werden – „aber kaum einer weiß, an welcher Stelle und mit welcher Methode.“

Bei Söbbeke ist das anders. Seit einigen Jahren arbeitet das Unternehmen, das an den Standorten Gronau-Epe und Holtwick insgesamt 160 Mitarbeiter beschäftigt, mit dem Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) zusammen, einem Forschungsinstitut in der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke. Daraus ist die Idee entstanden, eine neue Molke-Anlage anzuschaffen. „Früher ist die Molke, die bei der Käseherstellung anfällt, nur noch in die Futtermittelproduktion gegangen“, erläutert Dr. Arnhild Seep-Feldhaus (Leiterin Qualitätssicherung Söbbeke). „Jetzt wird sie so aufbereitet, dass der Großteil in der menschlichen Lebensmittelkette eingesetzt werden kann.“ Als Bioprodukt sei es besonders in der Babynahrung sehr begehrt. Anfang 2015 ist die Molkeanlage in Betrieb gegangen, eigens abgestimmt auf die Produktionsbedingungen in der Dorfkäserei. Damit sei das Holtwicker Unternehmen ein Vorreiter, freut sich Jakob Fels, Projektleiter der Studie „Lebensmittelabfalldaten für mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsindustrie“ an der Uni Witten/Herdecke. Viele beschäftigen sich mit dem Thema, aber nur wenige systematisch, weiß Fels: „Wir haben einen Leitfaden erstellt und den gemeinsam mit der Biomolkerei Söbbeke abgeklopft.“

Eben diesen Leitfaden hält Johannes Remmel für enorm wichtig. „Es bringt ja nichts, wenn jeder für sich Standards festlegt“, sagt der Minister, ehe er sich von Betriebsleiter Heiner Borchers die Käserei an der Handwerkstraße in Holtwick zeigen und erläutern lässt. Und so ist es letztlich nicht nur die Nachhaltigkeit, die ihn begeistert, sondern auch die Handwerkskunst, die unter anderem darin besteht, dass jeder Käselaib 40 bis 50 mal durch Mitarbeiter-Hände geht und bearbeitet wird, ehe er den Betrieb verlässt. Remmel: „Solche Traditionen gehen leider woanders nach und nach verloren.“

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