Mi., 06.12.2017

Melchior Sengenhorst hofft bislang vergeblich auf Genehmigung für den ersten Rundstall in Deutschland Zukunftsprojekt auf der Kippe

Melchior Sengenhorst hofft bislang vergeblich auf Genehmigung für den ersten Rundstall in Deutschland: Zukunftsprojekt auf der Kippe

Foto: Frank Wittenberg

Osterwick. Er will raus aus dem Dorf mit der Legehennen-Haltung, das ist sein klares Ziel. Und er möchte am Ludgerusweg ein Rundstall-Konzept umsetzen, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt. Das Problem: Der neue Landesentwicklungsplan, der seit Februar gilt, verhindert derzeit die Genehmigung. „Ich möchte ein Projekt umsetzen, das für Mensch, Tier und Umwelt die eindeutig bessere Variante ist“, betont Melchior Sengenhorst. „Aber wenn wir nicht weiterkommen, muss ich in die konventionelle Tierhaltung im Ortskern investieren.“

Von Frank Wittenberg

Zum Hintergrund: Seit 2015 beschäftigt sich Melchior Sengenhorst mit der Planung, den seit vielen Jahren an der Schöppinger Straße bestehenden Stall auszusiedeln. Vorgesehen war zunächst ein konventioneller Neubau auf seiner Hofstelle am Ludgerusweg für 36 000 Legehennen, und das in herkömmlicher Bodenhaltung mit dem gesetzlich festgelegten Tageslichtangebot von drei Prozent. Hätte er das Vorhaben so durchgezogen, wäre die Genehmigung längst auf dem Tisch.

Die Idee: Anfang 2016 erfuhr der Osterwicker Landwirt von einem Konzept, das die Firma Rondeel BV bereits an einigen Standorten in den Niederlanden umgesetzt hat. „Ein solcher Rundstall ist ein riesiger Schritt für die Tiere, aber auch für die Akzeptanz bei Bürgern und Kunden“, schwärmt Sengenhorst. 2,5 Millionen Euro will er investieren – „in Tierwohl und hochwertige Lebensmittel.“ Zusätzlich zu den bestehenden 18 000 Hennen am Ludgerusweg sollen Plätze für 36 000 Legehennen und 18 000 Junghennen in Aufzucht entstehen. „Von den Zahlen sollte man sich nicht täuschen lassen“, erklärt er. „In Großvieh-Einheiten umgerechnet wären das 230 Milchkühe.“ Auch eventuelle Befürchtungen einer Überproduktion seien falsch: „Die deutschen Landwirte erreichen beim Ei nur einen Versorgungsgrad von rund 75 Prozent für die Kunden.“

Das Problem: Durch die Änderungen im Planungsverfahren, für das er sowohl von Gemeinde als auch Bezirksregierung positive Stellungnahmen erhalten habe, fehlte im März 2017 noch eine Genehmigung – und die scheiterte bisher am neuen Landesentwicklungsplan, der kurz zuvor in Kraft getreten war. Der zieht deutlich engere Grenzen für eine bauliche Nutzung im Freiraum. Sengenhorst muss auf einen positiven Bescheid über ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren hoffen, den die Staatskanzlei in Düsseldorf geben muss.

Der Stand der Dinge: Melchior Sengenhorst hängt in der Warteschleife. „Hier möchte ein junger Landwirt für das Dorf, das Tierwohl und seine persönliche Existenz etwas unternehmen, aber ihm sind die Hände gebunden“, bedauert Karl Heinz Pfeifer, Unternehmensberater unter anderem für landwirtschaftliche Betriebe. „Gerade mit diesem Rundstall könnte von Osterwick aus eine Vorreiterfunktion übernommen werden.“ Aktuell gibt es für das Projekt am Ludgerusweg keine Genehmigung – wohl aber für den bestehenden Stall an der Schöppinger Straße, der nur knapp 100 Meter Luftlinie zum Kirchturm entfernt liegt. „Um eine Zukunft als Landwirt für die nächsten 30 Jahren zu haben, müsste ich in das bestehende Gebäude investieren“, erklärt Sengenhorst. Dort dürfte er 33 000 Legehennen einstallen, in konventioneller Bodenhaltung. „Dann wäre er gezwungen, auf alle Vorteile für Tier und Mensch zu verzichten“, so Pfeifer. Das möchte Sengenhorst nicht – aber eventuell bleibt ihm keine Wahl. „Bis Januar muss sich etwas bewegen, sonst muss ich in den alten Standort investieren“, betont er. „Ich muss meine Existenz sichern.“ | Kommentar

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