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So., 25.02.2018

Mit „Arsen un olle Spitzen“ liefert die Spielschar Darfeld beste Unterhaltung und schwarzen Humor Verblichene und Verrückte

Mit „Arsen un olle Spitzen“ liefert die Spielschar Darfeld beste Unterhaltung und schwarzen Humor: Verblichene und Verrückte

Der Verzweiflung nah ist Mattes (Franz Potthoff, 2. v. r.): Seine Tanten Martha (Martina Garwers, rechts) und Anni (Annette Gövert) bieten dem älteren Herrn (Uli Gövert, links) ihren köstlichen Holunderwein an. Fotos: fw Foto: az

Darfeld. Nein, leicht hat es der gute Mattes gewiss nicht. Als wäre es nicht schon schwer zu verkraften, in ein Sammelsurium von Leichen zu geraten – denn die, die nicht zu den Verblichenen zählen, haben mächtig einen an der Waffel. „Das ist wohl eine schlechte Angewohnheit von euch geworden“, staunt der Theaterkritiker über das morbide Hobby seiner beiden Tanten. Eine Angewohnheit, die für ältere Herren bisweilen tödlich endet, den Besuchern der Spielschar Darfeld aber perfekte Unterhaltung bereitet.

Von Frank Wittenberg

Die Mischung macht es, mit der Heinz Schwering und sein Team immer wieder aufwarten. Nach „Miss Sophies Ärfschaft“ auf der Grundlage von „Dinner for one“ und dem modernen Stück „Landeie“ in Anlehnung an „Bauer sucht Frau“ präsentieren sie nun einen wahren Klassiker. „Wir wollten diesmal wieder viel schwarzen Humor auf die Bühne bringen“, sagt der Regisseur mit Blick auf das Stück „Arsen un olle Spitzen“, bekannt als „Arsen und Spitzenhäubchen“ aus den 40er Jahren mit Cary Grant in der Hauptrolle.

Die Story von Joseph Kesselring, die Heinz Schwering ins Plattdeutsche übertragen hat, lebt von schrägen Typen – und genau die bringt die Spielschar beeindruckend auf die Bühne. Einfach köstlich, wie Tante Martha ihrem Neffen Mattes erklärt, warum der Herr in der Wohnung verblichen ist: „Ich habe Gift in den Holunderwein gefüllt, deshalb ist er tot.“ Und in der Truhe liege die Leiche, „weil ja der Pastor zu Besuch gekommen ist“, ergänzt Tante Anni. Annette Robert (Anni) und Martina Garwers (Martha) verkörpern die beiden alten Damen so gelassen und perfekt, als wären sie auch im echten Leben Schwestern.

Mit all den Verrücktheiten zurecht kommen muss Neffe Mattes, überragend dargestellt von Franz Potthoff, der alle Facetten auf die Bühne bringt: verliebt in die Pastorentochter Ella (herrlich hibbelig verknallt und ängstlich: Marita Kortüm), erschrocken über seine Tanten, verzweifelt oder energisch. Er muss seinen Mann stehen gegen seinen plötzlich auftauchenden Bruder Jonathan (furchterregend im gesamten Auftritt: Daniel Roters) und dessen Kumpanen Doktor Einstein, wunderbar verstrahlt verkörpert von Guido Bertmer. Und dann ist da natürlich der dritte Bruder Wilm, der restlos einen an der Klatsche hat und sich für Kaiser Wilhelm II. hält. Eine Paraderolle für Rainer Herich, der schräge Vögel mit vollem Körpereinsatz darstellen kann und mit seinen Auftritten immer wieder für Lachtränen sorgt. Wilm muss im Auftrag seiner Tanten im Keller Löcher für den Panama-Kanal buddeln, die dann zweckentfremdet werden für die Entsorgung der älteren Herren, denen Anni und Martha mittels ihres Holunderweines aus ihrer Einsamkeit helfen.

Das alles passt perfekt, weil auch die Nebenrollen bestens besetzt sind. Uli Gövert überzeugt als Pastor und älterer Herr, Resi Gövert stellt sehr witzig den resoluten Polizisten Lüdke dar, der so sehr von einer Karriere als Krimiautor träumt. Neuling Jan Molde als schlagfertiger Chef der Polizeibehörde und Heinz Schwering selbst als Leiter der Residenz „Zum glücklichen Tal“ haben im dritten Akt ihre lustigen Momente. Fazit: beste Unterhaltung zwischen Verblichenen und Verrückten! 7 Wegen der großen Nachfrage werden am Sonntag (11. 3.) und Freitag (16. 3.) um 19.30 Uhr zwei Zusatzaufführungen im Bahnhof angeboten. Karten sind ab heute in der Volksbank in Darfeld erhältlich.

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