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Mi., 14.03.2018

Rosendahl Geldmonster lauert überall

Rosendahl: Geldmonster lauert überall

Sebastian Schnoy begeisterte sein Publikum mit historisch angehauchtem Kabarett. Foto: az

Holtwick. Wenn die Briten aus der Europäischen Union austreten, sollten sie auch alle anderen Sachen, die ihnen nicht gehören, zurückgeben. „Dazu gehört als erstes die englische Sprache, denn das ist nämlich unser Plattdeutsch“.

Von Manuela Reher

Damit hat Kabarettist Sebastian Schnoy sein Publikum in der Aula der Nikolausschule in Holtwick schon auf seiner Seite. Und nicht nur beim Thema Brexit geht es um das liebe Geld. Schnoy weiht seine Zuhörer in verschiedene Strategien ein, um Reichtümer anzuhäufen. „Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt“ heißt sein Programm, mit dem der 48-jährige Hamburger im Rahmen der Rosendahler Kulturkarte zu Gast ist.

Der Historiker und Kabarettist Sebastian Schnoy stellt seinem Publikum Pleitiers, Wucherer und Sparfüchse der letzten Jahrhunderte vor: ein bisschen respektlos und ziemlich scharfsinnig. Auch vor der britischen Queen macht er keinen Kniefall und plaudert stattdessen aus dem Nähkästchen. Er erzählt davon, das die royale Persönlichkeit täglich von ganz luxuriös einem Dudelsackpfeifer geweckt werde.

Immer wieder fragt der eine oder andere Zuhörer ungläubig nach, ob es sich nun um belegbare Fakten oder ob um Satire handelt. Das zeigt, wie geschickt Schnoy Geschichte und Kabarett verbindet, wie ein Zuhörer begeistert äußert. Der Kabarettist versteht es, sein Publikum ganz persönlich zu berühren. Vor allem auch dadurch, dass er sich immer wieder mit diversen (Lebens-)Fragen direkt an den Senior Hans und die junge Ludowika wendet, die in den Zuschauerreihen sitzen. Beide lassen sich gerne auf diese besondere Art der Teilnahme ein.

Hans würde auf eine einsame Insel gerne sein Horn und ein Fähnchen mitnehmen, nachdem ihn Schnoy danach gefragt hat. Der Kabarettist aber zeigt auf, dass schon bald auch auf einer einsamen Insel das Geldmonster immer weiter wachsen würde – dann nämlich, wenn dort ein Kreuzfahrtschiff anlegt.

„Wer hat Whatsapp?“, fragt Schnoy bald in die Runde und erntet Kopfschütteln. Er fragt weiter: „Warum nicht? Liegt es an Whatsapp, oder haben Sie gar kein Netz?“ „Doch – wir bekommen Glasfaser“, ruft eine Zuhörerin. Schnoy: „Hat Ihnen Angela Merkel das versprochen?“ Das Gelächter in der Aula ist groß.

Auch auf die Flüchtlingssituation geht Sebastian Schnoy ein. Das Wort „Flüchtling“ sei politisch nicht mehr korrekt und diskriminierend. Man müsse „Flüchtender“ sagen. Aber was sei dann mit dem Wort „Liebling“? Oder mit den vielen Rosendahler Nachnamen, die auf -ing enden. „Wir haben hier einen Herrn Sicking im Saal“, sagt die Rosendahler Kulturbeauftragte Melanie Hinske-Mehlich. Schnoy antwortet spontan: „Den müssten wir dann in Herrn Sickender umtaufen.“

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