Rosendahl
Bauern fordern Hilfe zur Selbsthilfe

Osterwick. Auch der magere Regen Mitte der Woche ändert nichts daran, dass die Landwirtschaft weiterhin unter extremer Trockenheit leidet. Die Mitglieder des landwirtschaftlichen Ortsvereins Osterwick stehen deshalb in regem Austausch untereinander, weil sie gemeinsam nach Lösungen suchen wollen.

Samstag, 11.08.2018, 11:02 Uhr

Rosendahl: Bauern fordern Hilfe zur Selbsthilfe
Berthold Abbenhaus (r.) zeigt mit der Hand, wie lang der Maiskolben normalerweise gewachsen wäre. Die Junglandwirte Tobias Fleige (l.) und Luca Schulze Averdiek staunen. Foto: az

„Die Natur ist nicht bezwingbar“, macht dessen Vorsitzender Berthold Abbenhaus deutlich. Seine dreieinhalb Hektar große Weide an seinem Hof an der Asbecker Straße ist inzwischen völlig vertrocknet. Bis jetzt seien nur zwei magere Schnitte möglich gewesen. „In einem normalen Jahr können wir bis zu fünf Mal schneiden“, erläutert Abbenhaus. Die Folge liege auf der Hand. Es gebe Futterknappheit im Winter.

Abbenhaus und seine Berufskollegen müssen ihre Weiden und Grasnarben neu anlegen, da sonst im kommenden Jahr der Ertrag fehlt. Einige Osterwicker Landwirte haben sich bereits schneller als üblich von einigen (Schlacht-)Kühen getrennt, um nicht alle Tiere durch den Winter bringen zu müssen und um Futter zu sparen.

„Auch beim Getreide macht sich der Wassermangel extrem bemerkbar“, sagt Ortslandwirt Hendrik Deitert. Es würde bei allen Kulturen – ob Gerste, Raps, Triticale, Roggen oder Weizen – Ertragseinbußen bis zu 20 Prozent geben. Sandige Standorte seien stärker betroffen als der Lehm- oder Tonboden. Auch der Mais sei massiv betroffen. Schon wegen der Trockenheit während der Blüte hätten die Pflanzen keinen oder nur sehr kleine Kolben ausgebildet. „Der Mais ist jetzt in der Notreife“, sagt Landwirt Stefan Korbeck aus Höven. Normalerweise sei die Maisernte erst im Oktober. Doch viele Pflanzen seien bereits so vertrocknet, dass sie jetzt gehäckselt werden müssten. Weil der Mais im Kolben nicht genügend Stärke eingelagert habe, habe er einen schlechten Energiewert. Damit beginne der Teufelskreis, sagt Berthold Abbenhaus. Denn die Kühe würden weniger Milch liefern, und die Tageszunahme in der Mast würde sinken. „Wir Landwirte haben dadurch höhere Produktionskosten“, kommentiert der Osterwicker Landwirte-Chef.

Auch die Hitze mache den Tieren zu schaffen. Große Ventilatoren im Dauerbetrieb und Wasservernebelung im Stall würden für Abkühlung sorgen. Bis zu 150 Litern Wasser würde eine Milchkuh an heißen Tagen benötigen, sagt Stefan Korbeck. Wenn dann ein Brunnen auf einem landwirtschaftlichen Anwesen trocken falle, käme das einer Katastrophe gleich. Das möchte sich Berthold Abbenhaus gar nicht ausmalen. Josef Lembeck erinnert sich, dass das Jahr 1959 in der heimischen Region auch sehr trocken gewesen sei. „Aber 2018 schlägt diesen traurigen Rekord“, kommentiert er.

Trotz der großen Trockenheit und der damit verbundenen Ernteausfälle halten die Osterwicker Landwirte die sogenannte „Dürrehilfe“, die der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied gefordert hat, nicht für das geeignete Mittel, die Probleme zu lösen. Mit einer Milliarde Euro sollen laut seinem Vorschlag die Bauern unterstützt werden.

„Dieses Gießkannen-Prinzip hilft uns nicht weiter“, zeigt sich Ortslandwirt Hendrik Deitert überzeugt. Eine gerechte Verteilung des Geldes sei kaum möglich, da jeder Landwirt in anderer Weise betroffen sei.

Stattdessen sprechen sich die Osterwicker Landwirte für Hilfe zur Selbsthilfe aus. Sie fordern ganz konkret, die Greening-Auflagen aufzuheben und auf den betroffenen Flächen noch kurzfristig Gras oder Grünroggen ansäen zu können. Hilfreich wäre auch, die Steuerlast um ein Jahr zu verschieben, um die Liquidität auf den Betrieben zu halten, um die höheren Futterkosten für den Moment auszugleichen.

Der landwirtschaftliche Ortsverein Osterwick möchte die aktuelle Situation nutzen, um auf die „wirklichen Probleme“ aufmerksam zu machen.

Mit den aktuellen Wetterkapriolen wie der jetzigen Dürre, zu hohen Regenmengen wie im vergangenen Jahr oder Kahlfrösten wie im vergangenen März hätten die Landwirte gelernt umzugehen, auch wenn es manchmal finanziell schwer falle.

Allerdings würden die „grenzenlosen und willkürlichen Vorschriften der Politik“ in Deutschland zu einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Ländern führen und das Handeln erschweren. Das wiege schwerer als die derzeitige Dürre.

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