Fr., 13.05.2016

Handball: Helmut Martin erlebt in Papua-Neuguinea Abenteuer und beeindruckende Herzlichkeit Die pure Begeisterung      

Handball: Helmut Martin erlebt in Papua-Neuguinea Abenteuer und beeindruckende Herzlichkeit : Die pure Begeisterung      

Wohin Helmut Martin (2. von links) auf Papua-Neuguinea auch kam, er erlebte sehr herzliche Menschen und eine restlose Begeisterung für den noch eher unbekannten Handballsport. Eine Woche lang trainierte er mit der U 20-Nationalmannschaft. Foto: az

Billerbeck. Die Voraussetzungen waren meist noch weniger als bescheiden. Das Handball-Feld musste erst mit Tape auf dem Boden aufgeklebt werden. Tore? Wurden kurzerhand aus Stangen zusammengeschweißt. Entwicklungshilfe im wahrsten Sinne musste Helmut Martin leisten, und doch war er schwer beeindruckt von dem, was er drei Wochen lang auf Papua-Neuguinea im Pazifischen Ozean erlebt hat. „Die Menschen waren nicht nur unglaublich freundlich, sondern auch extrem lernwillig“, staunt der Billerbecker. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass sich der Handball dort entwickeln kann.“

Von Frank Wittenberg

Bereits zum vierten Mal war der ehemalige Trainer der DJK/VBRS-Handballerinnen im Rahmen des Programms „Handball at school“ im Auftrag der IHF (International Handball Federation) unterwegs, aber noch nie hatte es ihn so weit wie hier bis an die nordöstliche Spitze Australiens verschlagen. Und selten hat er ein Land erlebt, in dem es keinen Meter Bahnstrecke und selbst zwischen größeren Städten kaum Straßen gibt. „Es fahren dort nur Riesenautos oder kleine Busse, sonst sind die Wege nicht zu bewältigen“, erzählt Martin. Ansonsten sind die Menschen auf dem Inselstaat auf das Flugzeug angewiesen.

Schon bei der ersten Fortbildung in der Hauptstadt Port Morresby stieß der 66-Jährige auf einige Hindernisse: Dort gab es zwar eine neue Halle mit Platz für 2500 Zuschauer, aber keine Linien für ein Handball-Feld. „Tore hatten wir zunächst auch nicht“, berichtet er. Aber die Gastgeber erwiesen sich als flexibel, besorgten rotes Tapeband und klebten mit Schnur und Winkel haargenau das Feld ab. „Dann war es eine tolle Aktion“, schwärmt er von der dreitägigen Fortbildung mit 30 Lehrern. „Sie hatten Spaß wie die Kinder.“

Sollte der Auftakt in Port Morresby schon holprig sein, so gestaltete sich das Unternehmen in Goroka in den Eastern Highlands der Insel noch komplizierter. „Die Halle ist irgendwie nicht fertig geworden“, fand sich der Billerbecker auf einem Betonboden wieder, über dem offene Wände und nur vier kleine Lampen unter einer viel zu hohen Decke die Arbeit nicht gerade erleichterten. Auch hier wurde das Feld mit Tape aufgeklebt – „und die Tore sind kurzerhand nebenan aus Rohren geschweißt worden.“ Die waren dann versehentlich nur 2,60 statt der geforderten drei Meter breit, aber das tat dem Spaß keinen Abbruch. „Die meisten Teilnehmer dieses Kurses haben zum ersten Mal in ihrem Leben einen Handball gesehen“, so Martin. „Aber sie waren absolut begeistert.“

Der ausgefallene Kurs in Kokopo ermöglichte ihm, schon früher zurück nach Port Morresby zu fliegen, um dort mit dem U 20-Nationalteam zu arbeiten, das sich auf ein Ozeanien-Turnier auf den Fidschi-Inseln vorbereitet. „Zehn Trainingseinheiten zu je zwei Stunden habe ich da durchgezogen“, berichtet Helmut Martin, der dabei auf „taktisch sehr verbesserungswürdige“ Handballer getroffen sei: „Die haben größtenteils ohne jede Deckung und Raumaufteilung gespielt.“ Diesen Feinschliff brachte der Billerbecker, der es auch ins Fernsehen von Papua-Neuguinea geschafft hat, seinen Schützlingen bei – „am Ende der Woche sah es auch nach Handball aus.“

So sehr der Handball im drittgrößten Inselstaat der Welt auch noch in den Kinderschuhen steckt, so überzeugt ist Martin davon, dass sich die Sportart dort entwickeln wird. „Ich habe es zum ersten Mal erlebt, dass der Handball-Präsident, sein Vize und der Schatzmeister so klare Ziele haben“, erklärt er. „Sie wollen Handball in zehn Jahren zur Sportart Nummer zwei hinter Rugby machen.“ Zudem habe eine Lehrerin alle seine Unterlagen übernommen und wolle nun flächendeckend den Handball an den Schulen einführen.

Genau das sei es, was mit dem Programm „Handball at school“ erreicht werden solle. „Da wächst etwas heran“, versichert Helmut Martin, der für einen Jahresbeitrag von 50 Euro jetzt einer von 500 Mitgliedern im Handballverband Papua-Neuguineas ist. Der Wunsch seiner Gastgeber sei, dass er alle zwei Jahre wiederkomme, um nachhaltig arbeiten zu können – „an mir soll es nicht scheitern, aber das muss die IHF entscheiden.“

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