So., 01.05.2016

Fußball Überhitztes Derby: Darmstadt zittert, Frankfurt hofft

Frankfurts Trainer Niko Kovac hofft weiter auf die Rettung der Eintracht.

Frankfurts Trainer Niko Kovac hofft weiter auf die Rettung der Eintracht. Foto: Arne Dedert

Drei Tore, 530 Festnahmen - und ein völlig durcheinander gewirbelter Abstiegskampf: Das ist die Bilanz des brisanten Hessenderbys zwischen Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt. Der große Nachbar hat den kleinen Aufsteiger wieder tief mit unten hineingezogen.

Von dpa

Darmstadt (dpa) - Am Abend nach all den Wendungen, Schmähungen, Prügeleien und Provokationen bei diesem völlig überhitzten Derby versuchte es Niko Kovac mit ein paar versöhnlichen Worten.

«Ich würde mir wünschen, dass wir es beide schaffen und in der Bundesliga bleiben», sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem glücklichen 2:1 (0:1)-Sieg bei Darmstadt 98. Genau das ist nach diesem Duell der beiden ungleichen Nachbarn sogar wieder möglich. Darmstadt zittert, Frankfurt hofft - das späte Tor von Stefan Aigner (83. Minute) hat den Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga wieder völlig durcheinandergeschüttelt. «Wir leben wieder», sagte der überragende Eintracht-Torwart Lukas Hradecky.

Die Frankfurter haben es am Samstag tatsächlich geschafft, sich bei ihrem kleinen Nachbarn noch unbeliebter zu machen, als sie es vorher schon waren. Sie haben ihren direkten Abstiegsplatz zumindest bis Montag verlassen und den frechen Aufsteiger wieder ganz tief mit unten hineinzogen. Die Eintracht hat aber auch gezeigt, wie man eine ohnehin gefährliche Situation noch unnötig weiter aufheizen kann.

Denn die Frankfurter Spieler feierten diesen wichtigen Sieg mit einem Gang zu jenen Fans auf der Hintertortribüne, die dort eigentlich gar nicht stehen durften. Das DFB-Sportgericht hatte für dieses Derby einen Ausschluss der Eintracht-Anhänger verfügt, aber rund 300 von ihnen hatten sich über das Internet trotzdem Karten besorgt. Schon während der zweiten Halbzeit wurden sie massiv von Darmstädter Fans attackiert, die Polizei musste wie so häufig an diesem Tag energisch dazwischen gehen. Dass nun auch noch die Frankfurter Spieler feiernd vor die Kurve traten, machte die Stimmung nur noch aggressiver.

«Das war nicht gut, das war eine Spur zu provokativ. Für den Verein kann ich nur sagen: Das tut mir leid», sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Er stellte aber auch klar: Das sei kein böser Vorsatz der Spieler gewesen, sondern quasi aus der Gewohnheit heraus passiert.

Die Szene machte noch einmal deutlich: Dieses Spiel war von vornherein beides - ein Sicherheitsrisiko und ein ganz bedeutender Nachmittag für den Abstiegskampf. Die Bilanz der Polizei lautete am Ende: 530 vorläufige Festnahmen, mehrere Schlägereien vor, während und nach der Partie, aber nicht die befürchteten schweren Krawalle.

Das sportliche Fazit ist, dass beide Rivalen in der Tabelle nur noch zwei Punkte trennt. Darmstadt und Frankfurt hoffen nun gemeinsam, dass Werder Bremen an diesem Montagabend das nächste große Abstiegskampf-Duell gegen den VfB Stuttgart verliert. Dann würde die Eintracht auf dem Relegationsplatz bleiben und Darmstadt hätte immerhin noch vier Punkte Vorsprung auf den vorletzten Rang.

«Wir haben jetzt eine Situation, auf die wir vor acht Tagen kaum noch hoffen durften», meinte Hellmann. «Wir haben alles in der eigenen Hand, denn egal was die anderen Vereine auch machen: Wir bekommen am letzten Spieltag auf jeden Fall unser Endspiel in Bremen.»

Aus Darmstädter Sicht sollte dieses Derby eigentlich das Endspiel sein. Doch statt den Ligaverbleib so gut wie perfekt zu machen, müssen die Lilien jetzt gegen die beiden Champions-League-Anwärter Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach wahrscheinlich noch einmal punkten. Mario Vrancic (12.) brachte Darmstadt am Samstag verdient in Führung, danach verschoss Sandro Wagner sogar noch einen Foulelfmeter (20.). Die beiden Gegentore von Makoto Hasebe (56.) und Stefan Aigner (83.) bringen den Aufsteiger noch einmal in Bedrängnis.

«An der Grundkonstellation hat sich nichts geändert», sagte Trainer Dirk Schuster dennoch. «Wir haben 35 Punkte und stehen über dem Strich. Das hätte vor der Saison jeder bei uns unterschrieben.»

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