So., 01.05.2016

Fußball Schwerer Gang für Hummels - Konter gegen Hoeneß: Größter «Humbug»

Mats Hummels (M) applaudierte nach dem Spiel den BVB-Fans.

Mats Hummels (M) applaudierte nach dem Spiel den BVB-Fans. Foto: Bernd Thissen

Pfiffe, Schmähgesänge und ein Spruchband - Mats Hummels muss bei der 5:1-Gala des BVB über Wolfsburg einiges ertragen. Für weiteren Zündstoff sorgen irritierende Aussagen aus München. Der Wechsel des Weltmeisters zum FC Bayern soll dennoch schnell abgewickelt werden.

Von dpa

Dortmund (dpa) - Selbst die Schmähgesänge einiger Fans ertrug Mats Hummels erstaunlich gefasst. Zusammen mit seinen Teamgefährten wagte sich der abwanderungswillige Dortmunder Kapitän nach der 5:1 (2:0)-Gala über den VfL Wolfsburg vor die mächtige Südtribüne und applaudierte dem heimischen Anhang.

Bei aller Souveränität ging ihm die Wut mancher Stadionbesucher dennoch nahe. «Es ist alles emotional - auch für mich», gestand der Weltmeister wenige Minuten später und machte aus seiner Enttäuschung über die gereizte Stimmung keinen Hehl: «Ich bin der erste Spieler, der von den Fans ausgepfiffen wird, obwohl er noch nicht gewechselt ist.»

Bei nahezu jedem Ballkontakt bekam der Dortmunder Kapitän reichlich Unmut zu spüren. Zudem bekundeten einige Stadionbesucher mit einem großen Transparent («Der Kapitän geht als erster von Bord, am besten sofort») ihren Wunsch nach einem raschen Abschied des vertraglich bis 2017 gebundenen Nationalspielers Richtung München.

Als dann noch bitterböse Gesänge von der Südtribüne einsetzten, war auch die Geduld von Hans-Joachim Watzke aufgebraucht. «Mats ist ein astreiner Bursche. Ein ganz großartiger Junge. Und wer den beleidigt, der hat eigentlich das Recht schon verspielt, zu uns zu gehören, weil das ist nicht Borussia Dortmund», kommentierte der BVB-Geschäftsführer erbost.

Für zusätzlichen Zündstoff hatte Uli Hoeneß am Abend zuvor gesorgt. Das Statement des einstigen Bayern-Chefs, wonach der Dortmunder von sich aus beim FC Bayern angeklopft habe, trug zur gereizten Stimmung im Stadion bei. Die Reaktion von Hummels fiel deutlich aus: «Ich habe mich nirgendwo angeboten. Das ist der größte Humbug, den ich je gehört habe. Das habe ich nicht nötig.»

Aus Sorge um einen neuerlichen Zwist der Branchenführer versuchte sich Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge umgehend vorsorglich als Schlichter: «Uli hat da was falsch verstanden. Fakt ist, dass schon der FC Bayern bei Mats Hummels an die Tür geklopft hat und nicht umgekehrt.» Rummenigge geht davon aus, dass noch vor dem Aufeinandertreffen im DFB-Pokalfinale am 21. Mai eine Einigung über den Wechsel erzielt wird: «Ich glaube nicht, dass man so lange warten wird. Beide Clubs haben kein Interesse, dass die Geschichte gezogen wird. Beide wollen da vorher Klarheit schaffen.»

Auch Watzke scheint an einer schnellen Lösung interessiert - trotz der irritierenden Aussagen von Hoeneß. «Er hat im Moment keine Funktion im Verein, ist nur Edel-Fan. Mein Ansprechpartner ist Karl-Heinz Rummenigge. Der hat sich bisher korrekt verhalten.»

In der Aufregung um Hummels ging völlig unter, dass der BVB den Abstand zum FC Bayern zwei Spieltage vor dem Saisonende auf fünf Punkte verkürzte. Dennoch bezeichnete Außenverteidiger Marcel Schmelzer die Chance, noch in das Meisterrennen eingreifen zu können, als verschwindend gering: «Ich glaube nicht, dass sich das die Münchner noch nehmen lassen.»

Gleichwohl präsentierte sich die Borussia in meisterlicher Form. Dank der Tore von Shinji Kagawa (7.), Adrian Ramos (9.), Marco Reus (60.) und Pierre-Emerick Aubameyang (77./78) wahrte der Tabellenzweite die Chance, die bisher beste Saison-Punktausbeute aus der Meistersaison 2012 (81) noch zu toppen. «Es ist ein tolles Gefühl, die Energie zu spüren. Dass wir uns frei machen von allen Umständen und immer drauf und dran sind, absolute Topleistungen zu bringen», sagte Trainer Thomas Tuchel in Anspielung auf die von den Hummels-Plänen ausgelösten Störgeräusche.

Dagegen setzten die Wolfsburger ihre Talfahrt fort. Der Vorjahreszweite ist seit sieben Spielen ohne Sieg und nun auch endgültig in der kommenden Saison in keinem internationalen Wettbewerb vertreten. Trainer Dieter Hecking verzichtete auf Schönfärberei: «Wir sind in einer schwierigen Situation, es läuft vieles negativ. Unter das, was in der Rückrunde gelaufen ist, sollten wir schnell einen Haken machen.»

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