Kritik an Zwayer
«Vollkatastrophe»: Videobeweis vor WM-Bewährungsprobe

Nach dem DFB-Pokalfinale steht schon wieder Felix Zwayer wegen seiner Auslegung des Videobeweises in der Kritik. Ausgerechnet der Berliner ist bei der WM nun als Video-Schiedsrichter aktiv. Ein Bayern-Nationalspieler fordert ein grundlegendes Nachdenken.

Montag, 21.05.2018, 19:02 Uhr

Schiedsrichter Felix Zwayer geht nach dem betrachten des Videobeweises vom Monitor weg.
Schiedsrichter Felix Zwayer geht nach dem betrachten des Videobeweises vom Monitor weg. Foto: Sebastian Kahnert

Berlin (dpa) – Der Wirbel um den versagten Final-Elfmeter für den FC Bayern durch Schiedsrichter Felix Zwayer lässt die Zweifel am Videobeweis schon vor der WM weiter kräftig wachsen.

Als einer von 13 Unparteiischen ist der 37-Jährige bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ausgerechnet als Video-Schiedsrichter im Einsatz - und steht vor der Abreise nach Moskau heftig in der Kritik.

«Dann brauchen wir auch keinen Videobeweis, dann können wir es auch lassen. Aber so ist es eine Vollkatastrophe», zürnte Bayerns Torhüter Sven Ulreich über den ausgebliebenen Strafstoßpfiff Zwayers. Dass dieser in der Nachspielzeit auch nach Studium der Bilder an der Seitenlinie nicht auf Foul von Frankfurts Kevin-Prince Boateng an Javi Martinez erkannte, erleichterte selbst den Sensationssieger. «Ich treffe ihn, wenn er Elfmeter gibt, kann ich mich nicht beschweren», gestand Boateng nach dem 3:1-Triumph im DFB-Pokalfinale.

Zwayer verteidigte am Montag seine Entscheidung, räumte aber auch ein, dass es sich «sicher nicht um eine Schwarz-Weiß-Szene» handelte, «für die es eine 100 Prozent korrekte und von allen akzeptierte Lösung gibt». Es gebe «Argumente für und gegen Strafstoß. Es ist also eine Entscheidung im Ermessen des Schiedsrichters», sagte Zwayer der Deutschen Presse-Agentur. «Auf den Bildern habe ich keinen Kontakt gesehen, der mich überzeugt hat, meine ursprüngliche Wahrnehmung und Entscheidung zu ändern. Auch mit dem Abstand von zwei Tagen stehe ich zu dieser Entscheidung», sagte er dem Magazin «Kicker». «Treffer und Wirkung haben für mich nicht zusammengepasst», betonte er.

DFB-Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich konnte diese Begründung zwar nachvollziehen, sagte dem «Kicker» aber auch: «Gleichwohl machen wir uns in der Kommission intensiv Gedanken darüber, ob solche Entscheidungen am Ende in der Öffentlichkeit noch nachvollziehbar sind, da es dort schon eine erdrückende Meinungsmehrheit in Richtung Strafstoß gibt.»

Für Zwayer war es nicht der erste unglückliche Auftritt dieser Saison. Beim Zweitrundensieg der Bayern gegen RB Leipzig schimpften Ralf Rangnick & Co. massiv über den Berliner. Ende Oktober schaute Zwayer seine fragwürdige Elfmeterentscheidung beim Bundesligaspiel zwischen Wolfsburg und Hoffenheim noch einmal an - und blieb dabei.

Wie die Spieler wertete auch Ex-Schiedsrichter Peter Gagelmann den ausgebliebenen Strafstoß im Pokalfinale als Fehler. «Das ist sehr schade, weil er das Spiel mit seinem Team fantastisch geleitet hat. Manchmal hängt man an einer Entscheidung, da sieht man dann alt aus», sagte Gagelmann bei Sky. Negative Auswirkungen auf den WM-Einsatz sieht er aber nicht: «Jedes Spiel ist ein Lernprozess, das wird ihn natürlich schulen für die WM.»

Dass der Videobeweis die Debatten über Schiedsrichter keinesfalls beendet hat, sondern bis zum Schluss noch anheizte, ist Sinnbild für eine Premierensaison mit vielen korrekt korrigierten Entscheidungen, aber auch Schwierigkeiten. Auf der WM-Bühne steht das technische Hilfsmittel nun vor der ganz großen internationalen Bewährungsprobe. «Den Videobeweis kann man noch deutlicher überdenken, als man es vielleicht eh schon tut», monierte Nationalspieler Mats Hummels.

Der Weltverband zeigte sich zuletzt zuversichtlich für die WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli. Vollständige Aufklärung sei dabei auch nicht möglich, betonte Schiedsrichter-Chef Massimo Busacca: «Nur eine Entscheidung bei der nächsten WM ist genug, um zu sagen: Es war gut, dass wir den Videobeweis eingeführt haben. Das Ziel ist nicht, dass wir zu 100 Prozent richtige Entscheidungen erreichen, sondern dass wir einen Skandal verhindern.»

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