Deutsches WM-Auftaktspiel
Löws Mexiko-Elf: Mit Weltmeister-Achse und dem «neuen Lahm»

Wird Neuer wieder zum großen Turnierrückhalt? Ist Boateng WM-fit? Zündet Werner? Die Startelf steht praktisch. Die Achse bilden die reifen 2014-Champions. Vehement ins Team drängt ein WM-Neuling.

Donnerstag, 14.06.2018, 15:20 Uhr

Toni Kroos beantwortet Fragen der Journalisten bei der Pressekonferenz.
Toni Kroos beantwortet Fragen der Journalisten bei der Pressekonferenz. Foto: Ina Fassbender

Watutinki (dpa) - Joachim Löw vertraut vor allem seinen Weltmeistern. Gleich acht Fußball-Champions von Brasilien 2014 könnten am Sonntag gegen Mexiko in der deutschen Startelf stehen.

«Es ist grundsätzlich wichtig, dass du mit einer Achse agierst, die große Spiele gespielt hat und große Spiele gewonnen hat», sagte Mittelfeldchef Toni Kroos. Hinzu könnten die drei Confed-Cup-Gewinner Joshua Kimmich, Jonas Hector und Timo Werner kommen, aber auch der stark trainierende Marco Reus. Der Dortmunder bedrängt Julian Draxler. Ein dpa-Blick auf die vermutliche Startelf und erste Alternativen.

MANUEL NEUER: Der Kapitän geht in seine dritte WM als Nummer 1. Löw geht das Wagnis mit Neuer im Tor ein, weil dieser trotz der langen Wettkampfpause «außergewöhnliche Fähigkeiten» besitze. Marc-André ter Stegen muss auf die Bank. Neuers linker Problemfuß scheint stabil. Beim Titelgewinn 2014 in Brasilien ließ er nur vier Gegentore zu.

JOSHUA KIMMICH: Seit der EM 2016 ist der 23-Jährige quasi der neue Lahm und als rechter Verteidiger gesetzt. «Philipp Lahm zu beerben, ist nicht so einfach», sagte Weltmeister Kroos. Kimmich habe das «hervorragend» geschafft. Nach vorne entwickelt der Münchner sogar mehr Druck als früher Lahm. Defensiv steht er noch nicht so stabil.

JEROME BOATENG: Auf den Weltmeister will Löw im Abwehrzentrum nicht verzichten, auch wenn Boateng nach einer Oberschenkelverletzung noch nicht bei hundert Prozent ist. «Er hat unglaublich hart gearbeitet», lobte Löw in Watutinki. Der Routinier sei ein «Pfeiler» im Team. Er ist zweikampfstark, erfahren und spielt starke Diagonalbälle.

MATS HUMMELS: Wie wertvoll Hummels ist, zeigte sich beim EM-K.o. 2016. Ohne den gesperrten Abwehrspieler verlor Deutschland gegen Frankreich im Halbfinale 0:2. Der 29-Jährige ist nicht der Schnellste, spielt aber mit Auge. Stark ist sein Passspiel. 2014 köpfte er das Löw-Team gegen Frankreich ins WM-Halbfinale.

JONAS HECTOR: Der Absteiger aus Köln ist die Achillesferse in der sonst nur mit Bayern-Stars besetzten Abwehrreihe. Der 28-Jährige war gegen Österreich und Saudi-Arabien von WM-Form noch weit entfernt. Löw muss hoffen, dass der WM-Neuling im Turnier so solide die linke Seite zumacht wie bei der EM 2016 und dem Confed-Cup-Sieg 2017.

SAMI KHEDIRA: Als «unentbehrlich» hat der Bundestrainer den heimlichen Kapitän im Trainingslager bezeichnet. Der 31-Jährige hat sich extrem gut vorbereitet, wirkt spritzig und ist sehr präsent auf dem Platz und außerhalb. Bei der WM 2014 verpasste er das Finale - die Wade zwickte. In Russland will er auch die persönliche Krönung.

TONI KROOS: Der Champions-League-Sieger von Real Madrid ist der Lenker des deutschen Spiels. Er gibt den Rhythmus vor. Kroos spielt oft unspektakulär. Aber er spielt kaum einen Fehlpass - und Nerven zeigt er sowieso nicht: «Ich bin von meinen Qualitäten überzeugt.» Für Löw ist der Mittelfeldchef «ein absoluter Schlüsselspieler».

THOMAS MÜLLER: Läuft's bei Müller, läuft's für Deutschland. Jeweils fünfmal traf er bei den WM-Turnieren 2010 und 2014. Stürmercoach Miro Klose lobt Müllers Vielseitigkeit in der Offensive, «rechts auf dem Flügel, als Zehner, im Sturm». In der Vorbereitung zündete er noch nicht. Verbissen kämpft der Münchner im Training um die WM-Form.

MESUT ÖZIL: Trotz Erdogan-Wirbel und körperlicher Probleme wird Löw auf seinen Lieblingsspieler zum Start nicht verzichten. Seit der Ankunft in Russland dreht der Spielmacher im Training richtig auf. Kein aktueller Nationalspieler stand in Löws Amtszeit länger auf dem Platz als der 29-Jährige: 7298 Minuten sind es in 90 Länderspielen.

JULIAN DRAXLER: Bei der WM 2014 kam der damals blutjunge Draxler nur auf einen Kurzeinsatz. Danach konnte sich der 24-Jährige bei Löw etablieren. Nach einer guten EM 2016 war er Kapitän des jungen Confed-Cup-Siegerteams 2017. Draxler bringt Dynamik, Torgefahr und taktische Disziplin ein. Jetzt muss der nächste Schritt folgen.

TIMO WERNER: Beim Confed Cup 2017 ging international sein Stern auf. Werner erzielte drei Tore und ist seitdem im deutschen Angriff der Topstürmer. Der WM-Neuling bringt alle Anlagen mit: Werner ist superschnell, torgefährlich, ehrgeizig. Löw traut dem 22-Jährigen ein großes Turnier zu: «Er ist für unser Spiel sehr wertvoll.»

ERSTE ALTERNATIVEN:

MARCO REUS: Der Dortmunder hat sich in der Vorbereitung für einen Platz in der Startelf aufgedrängt. Draxler muss zittern. WM-Neuling Reus ist für Löw «eine Rakete»; schnell, torgefährlich, spielstark. Der 29-Jährige hat alles - nur Robustheit fehlte bislang. Er könnte erst als Joker zünden. Löw braucht Reus fit in den K.o.-Spielen.

MARIO GOMEZ: Der Älteste im deutschen WM-Kader (fast 33) verfügt im Gegensatz zum jungen Werner über Turniererfahrung und Abgeklärtheit. 31 Tore in 75 Länderspielen sprechen für den Torjäger. Gomez nimmt seine Rolle als Angreifer Nummer 2 hinter Werner an. «Wenn der Trainer mich braucht, will ich da sein», sagt der Stuttgarter.

NIKLAS SÜLE: Der Münchner Abwehrhüne erkämpfte sich während der Turniervorbereitung die Position als erster Ersatzverteidiger im Abwehrzentrum. Er würde gegen Mexiko auflaufen, wenn Löw bei Boateng doch Zweifel hätte. Als Bayern-Mann bestens eingespielt mit Hummels.

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