Mo., 11.12.2017

Achtelfinal-Niederlage Schock nach WM-Aus: Frust bei DHB-Frauen sitzt tief

Nationalspielerin Jenny Karolus ist nach dem WM-Aus enttäuscht, während die dänischen Spielerinnen jubeln.

Nationalspielerin Jenny Karolus ist nach dem WM-Aus enttäuscht, während die dänischen Spielerinnen jubeln. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Die deutschen Handball-Frauen können bei der Heim-WM keine Werbung in eigener Sache machen. Die Zukunft erscheint düster. Doch der DHB will die Ladies nicht fallenlassen und verspricht weiter eine intensive Förderung.

Von dpa

Leipzig (dpa) - Bei der vorzeitigen Abreise von der Heim-WM wirkten die deutschen Handball-Frauen wie eine Trauergesellschaft. Der Schock und die Enttäuschung über das desaströse Scheitern im Achtelfinale saßen nach dem 17:21 gegen Dänemark tief.

«Wir hatten eine sehr emotionale und bewegende Verabschiedung. Die Spielerinnen sind tief betroffen und treten niedergeschlagen die Heimreise an», berichtete DHB-Präsident Andreas Michelmann. «Ich hoffe, dass sie schnell aus dem emotionalen Tief herauskommen, damit wir im nächsten Jahr wieder frisch angreifen können.»

Auf der Rückfahrt von Magdeburg hatte im Mannschaftsbus ebenso Stille geherrscht wie beim anschließenden Meeting im Leipziger Teamhotel. «Wir haben uns noch einmal zusammengesetzt. Aber an solch einem Abend findet man nicht viele Worte, sondern ist einfach nur leer», beschrieb Kapitänin Anna Loerper die Gefühlslage der brutal gescheiterten Ladies.

Statt mit dem Halbfinale in Hamburg, wo die DHB-Auswahl um die Medaillen mitspielen wollte, endete das WM-Projekt von Bundestrainer Michael Biegler und Sportdirektor Wolfgang Sommerfeld mit der frühzeitigen Heimreise. «Sie konnten in den 20 Monaten nicht komplett ausgleichen, was wir uns in den vergangenen 15 Jahren eingebrockt haben», stellte Michelmann fest. «Aber sie haben gezeigt, wie Strukturen aufgebrochen werden können.»

Darauf will der DHB aufbauen. «Es hat leider nicht funktioniert, kurzfristige Erfolge zu erreichen. Wir gehen aber davon aus, dass viele Dinge, die angeschoben wurden, nachhaltig wirken», sagte Sportvorstand Axel Kromer.

Zunächst steht die DHB-Auswahl aber vor einer Zäsur. Biegler übergibt zum 1. Januar das Amt des Bundestrainers an den Niederländer Henk Groener, der viel Arbeit vor sich hat. «Dass wir sportlich so weit hinterherhinken, ernüchtert einen und schafft eine große Enttäuschung», räumte Biegler zum Abschied ein.

Dennoch hofft er, «dass nach der Traurigkeit und ein paar Tagen, an denen alle ein bisschen down sind, alle wieder aus dem Keller gekrabbelt kommen und sich neu formieren.» Das wird die Aufgabe von Groener sein, dem Michelmann jegliche Hilfe zusagte. «Wir werden den neuen Trainer unterstützen, sowohl was die Strukturen angeht als auch das Finanzielle.»

Auch das Team wird ein neues Gesicht bekommen. Nach dem niederschmetternden Aus erklärten bisher nur Torfrau Clara Woltering und Rückraumspielerin Nadja Mansson ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft, doch weitere Leistungsträgerinnen werden in den kommenden Wochen wohl folgen. «Ich gehe davon aus, dass viele Spielerinnen ihre internationale Laufbahn beenden werden. Das ist natürlich ganz, ganz traurig, seine Auswahlkarriere so zu beenden», sagte Loerper.

Zudem verliert der Frauen-Handball seinen Förderstatus, den er sich erst im Vorjahr durch den sechsten EM-Platz erkämpft hatte. Um weiter von den - durch das Bundesinnenministerium bereitgestellten und vom Deutschen Olympischen Sportbund verteilten - Geldern zu profitieren, hätte mindestens WM-Rang acht herausspringen müssen.

Und auch die erhoffte Werbung für den Frauen-Handball blieb aus. «Wir haben die ganz große Bühne leider verpasst», stellte Loerper traurig fest. Und Sommerfeld räumte ein: «Das Ergebnis macht es noch schwerer, den Frauen-Handball in Deutschland zu etablieren. Es braucht jetzt noch mehr Überzeugungsarbeit.»

Der Deutsche Handballbund will die Ladies trotz des «Nackenschlages», wie Biegler den K.o. bezeichnete, aber nicht fallen lassen. «Jetzt erst recht. Der Frauen-Handball wird bei uns einen höheren Stellenwert einnehmen, als das in der Vergangenheit der Fall war», versprach Michelmann. «Das Entscheidende ist nicht, von wem wir die Mittel bekommen. Wir setzen unsere Prioritäten weiter in dem Bereich.» In zwölf Monaten wird bei der EM in Frankreich abgerechnet.

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