Mo., 23.05.2016

Radsport Kruijswijk und der holländische Traum vom Giro-Sieg

Steven Kruijswijk will den Giro d'Italia gewinnen.

Steven Kruijswijk will den Giro d'Italia gewinnen. Foto: Claudio Peri

Im Fußball stehen den Niederländern nach der verpassten EM-Teilnahme schwere Wochen bevor. Da trifft es sich gut, dass Steven Kruijswijk für Abwechslung sorgt. Der Radprofi könnte am Sonntag in Turin als erster Holländer den Giro d'Italia gewinnen.

Von dpa

Brixen (dpa) - Steven wer? Noch vor wenigen Tagen war der Träger des Rosa Trikots beim Giro d'Italia nicht einmal vielen seiner niederländischen Landsleuten ein Begriff. Das hat sich schlagartig geändert.

Der Mann mit den roten Haaren und den Sommersprossen im Gesicht lässt Holland plötzlich vom ersten Triumph in der 107-jährigen Geschichte der Italien-Rundfahrt träumen. Gestatten Steven Kruijswijk, 28 Jahre jung und spätestens seit Sonntag der große Favorit auf den Gesamtsieg.

Inzwischen glaubt der Radprofi des Teams LottoNL-Jumbo selbst an einen Coup. «Warum soll ich nicht davon träumen? Wenn sich die Chance bietet, muss ich sie nutzen. Ich werde das Trikot mit allem verteidigen, was ich habe», sagte Kruijswijk.

Geradezu komfortabel ist sein Vorsprung. Der kolumbianische Kletterer Esteban Chaves liegt 2:12 Minuten zurück auf Platz zwei. Und der italienische Star Vincenzo Nibali, für den der zweite Gesamtsieg nach 2013 fest eingeplant war, ist als Dritter gar schon mit 2:51 Minuten im Hintertreffen.

So durfte Kruijswijk vor der schweren letzten Woche beim Ruhetag in Brixen ein letztes Mal verschnaufen. 1027 Kilometer muss das Leichtgewicht - der Mann aus Nuenen wiegt 66 Kilogramm bei einer Größe von 1,78 Metern - auf dem Weg bis zum Giro-Finale in Turin noch überstehen, die schwersten Aufgaben warten bei den Bergankünften am Freitag und Samstag in Risoul und Sant'Anna di Vinadio.

Kruijswijk ist seit 2010 Radprofi, damals belegte er auf Anhieb Platz 18 beim Giro. Durchblutungsstörungen im Bein machten ihm aber bis vor zwei Jahren zu schaffen, ehe eine Operation für Abhilfe sorgte. Herausragende Erfolge sind ihm - abgesehen von einem Etappenerfolg bei der Tour de Suisse - bislang verwehrt geblieben, wenngleich er schon im vergangenen Jahr seine Kletterspezialitäten bewiesen hatte. Beim Giro wurde er Gesamtsiebter. «Das hat mir die Augen geöffnet. Wo wäre ich gelandet, wenn ich in der ersten Woche nicht elf Minuten verloren hätte?», fragt Kruijswijk. Er wäre Zweiter geworden. Im Hochgebirge konnte er als einer von wenigen Fahrern Vorjahressieger Alberto Contador folgen und verlor nur noch 14 Sekunden.

Das gibt Mut für die letzte Woche, in der er mit Angriffen von Nibali rechnen muss. Dass er die Attacken des Sizilianers aber nicht nur parieren, sondern auch kontern konnte, hatte Kruijswijk auf der Königsetappe eindrucksvoll und genauso überraschend gezeigt, als er als achter Niederländer überhaupt ins Rosa Trikot gefahren war.

Ohnehin hat der Giro in diesem Jahr einen holländischen Anstrich erhalten. Der Start war vor zwei Wochen in Apeldoorn erfolgt, und passenderweise hatte Lokalmatador Tom Dumoulin das erste Rosa Trikot erobert. Der Kapitän des deutschen Giant-Alpecin-Teams führte an insgesamt sieben Tagen die Gesamtwertung an.

Kruijswijk, Dumoulin - nach rund drei Jahrzehnten könnten die Niederländer wieder an ihre früheren Rundfahrterfolge anknüpfen, als Ex-Toursieger Joop Zoetemelk (1980), Steven Rooks oder Gert-Jan Theunisse reichlich Schlagzeilen produzierten. Dabei zählen gemeinhin Autobahnbrücken zu den höchsten Steigungen im Radfahrer-Land. «Holland ist nicht so ein gutes Trainingsgebiet für mich. Ich verbringe die meiste Zeit in Spanien», berichtet Kruijswijk.

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