Mi., 11.05.2016

Fußball FIFA-Chef Infantino in Mexiko vor Bewährungsprobe

Gianni Infantino muss bei seinem ersten Kongress als FIFA-Chef großen Reformwillen beweisen.

Gianni Infantino muss bei seinem ersten Kongress als FIFA-Chef großen Reformwillen beweisen. Foto: Maxim Shipenkov

Gianni Infantino muss bei seinem ersten Kongress als FIFA-Chef großen Reformwillen beweisen. In Mexiko geht es für ihn darum zu zeigen, dass er nicht einfach nur Repräsentant, sondern der große Macher des Weltverbandes ist. Genau dafür ist aber bald ein anderer vorgesehen.

Von dpa

Mexiko-Stadt (dpa) - Gianni Infantino hat eine große Sorge. Um nichts in der Welt soll ihm das Image anhaften, nur ein Grüß-August zu sein.

Beim Kongress des Fußball-Weltverbandes in Mexiko-Stadt will der neue FIFA-Chef elf Wochen nach seiner Wahl Spuren hinterlassen und seiner Rolle als selbsterklärter neuer Macher der Fußball-Welt gerecht werden. Alles Geraune, Infantino jette nur um die Welt, schüttele tausende Hände, ohne inhaltlich ans Werk zu gehen, sollen bei der ersten regulären FIFA-Vollversammlung der Post-Blatter-Ära zerstreut werden.

Intern hat der Schweizer schon Eindruck gemacht: «Man kann nur alle Hüte vor ihm ziehen, die man hat. Er macht das absolut professionell, mit großer Energie», lobte ihn Council-Mitglied Wolfgang Niersbach in der mexikanischen Hauptstadt. Zuletzt hatte es, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, auch andere Stimmen gegeben.

Infantino war viel unterwegs, besuchte die kommenden WM-Gastgeber Russland und Katar und hinterließ dort primär Gefälligkeitsfloskeln. Auf der FIFA-Homepage ist er bei einem eher linkischen Händedruck mit Wladimir Putin zu sehen. Er flog nach Thailand zum 100. Geburtstag des dortigen Verbandes und hielt eine für seine rhetorischen Fähigkeiten ungewohnt uninspirierte Rede bei seinen alten UEFA-Vertrauten bei deren Kongress in Budapest.

In der Zentrale in Zürich, so der subtile Vorwurf, blieb derweil manches liegen. Die Umsetzung des nach den Skandaljahren dringend nötigen Reformprozesses war zumindest nach außen wenig sichtbar. Das soll sich in Mexiko nun beginnen zu ändern. Sowohl die Benennung wichtiger unabhängiger Kommissionsmitglieder wie auch die Absegnung des schwierigen überarbeiteten Vierjahresbudgets für den Zyklus 2015-2018 würden seiner noch jungen Amtszeit Konturen geben.

Womöglich tut man Infantino unrecht. Für die Neuordnung der FIFA gibt er schon aus Selbstzweck alles. Sein Name wird mit ihr verbunden sein. Seine nur bedingt programmatischen Aussagen wiederholen sich aber ständig. Zwei jüngste Beispiele aus seinem Gruß im Vorwort der Kongressagenda: «Wir stehen am Beginn einer neuen, aufregenden Ära für die FIFA und den Fussball.» Oder: «Gemeinsam können wir der FIFA wieder zu dem Ansehen verhelfen, das ihr als Dachverband des beliebtesten Sports der Welt gebührt.»

Tatsächlich steckt Infantino in einem Dilemma, denn er ist für den Job als FIFA-Chef in seiner neuen Lesart eigentlich überqualifiziert. Er wäre der geborene Generalsekretär, der Top-Manager, den er nun suchen muss. Diese Rolle füllte er bei der UEFA brillant aus. Seine Auftritte als Zeremonienmeister der Europacup-Auslosungen waren gewürzt mit Fachkenntnis und Humor. Diese Spontaneität fehlt ihm als FIFA-Boss noch. Es wirkt, als wolle er nur keinen Fehler machen.

Und: Der FIFA-Chef soll laut Statuten eben eigentlich mehr Grüß-August sein, die Business-Entscheidungen und großen Strategien dem wichtigsten wie bestbezahlten FIFA-Angestellten, dem Generalsekretär, überlassen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Infantino bei der Suche nach dem Top-Manager so schwer tut, Headhunter engagiert und mit Vehemenz darauf pocht, dass er bis Sommer die Personalsuche, die laut Statuten nicht ihm, sondern dem Council zugeschrieben ist, abgeschlossen ist. Eigentlich sucht Infantino für den Posten nämlich sich selbst.

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