Sa., 30.04.2016

Theater Castorf findet Theater oft feige und belanglos

Frank Castorf fordert mehr Wahnsinn in der Kunst.

Frank Castorf fordert mehr Wahnsinn in der Kunst. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Für Frank Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne, ist das zeitgenössische Theater nur ein Schatten früherer Tage. «Theater ist feige geworden», sagte der 64-Jährige im Interview der «Süddeutschen Zeitung».

Von dpa

Unter Regisseuren wie Peter Zadek oder Peter Stein habe das Theater Veränderung gewollt. «Heute habe ich das Gefühl, dass Theater nur noch ein Betrieb ist, eine Anstalt, in der fast überall belanglose und dilettantische Stücke gespielt werden.»

Am Münchner Residenztheater ist derzeit Castorfs Inszenierung des Stücks «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» nach dem unvollendeten Roman von Jaroslav Hasek zu sehen. Eine fünfstündige Inszenierung, die es in sich hat. Die Interviewfrage «Muss das sein?» hält er für eine «typische Frage» an ihn und antwortet: «Der einzige Ort, der mich noch erträgt, ist Bayreuth, da kann man open end inszenieren. Kunst ist heute wie der Pizzabote: In zehn Minuten muss die Bestellung da sein, fünf Minuten dauert der Verzehr, eine Stunde verdauen. Theater sind ja nicht mehr Widerstandsorte, sondern längst Serviceunternehmen.»

Er aber wolle Kunst machen, dafür müsse man sich, die Schauspieler und das Publikum aber fordern und auch mal überfordern: «Kunst braucht Wahnsinn.»

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