Mi., 04.05.2016

Literatur Juli Zehs «Unterleuten»: Spiel mit der Realität

Juli Zehs Figuren existieren auch im Netz.

Juli Zehs Figuren existieren auch im Netz. Foto: Jens Kalaene

Leipzig (dpa) - Die Autorin Juli Zeh hat ihren Roman «Unterleuten» als große Inszenierung weit über die Grenzen des Buches hinaus angelegt. Das hat die 41-Jährige am Mittwoch enthüllt, nachdem sich verschiedene Leser auf eine Spurensuche begeben hatten.

Von dpa

Die Figuren von «Unterleuten» existieren im Buch, aber auch im Internet. Zum Beispiel betreibt der Erfolgs-Coach «Manfred Gortz», den eine Romanfigur ständig zitiert, eine Webseite und twittert. Hinter Gortz und dessen tatsächlich verlegter Bibel der Ellenbogengesellschaft «Dein Erfolg» steckt niemand anderes als Juli Zeh.

Dieses Spiel mit der Realität sei Zehs Idee gewesen, sagte Karsten Rösel, Sprecher des Luchterhand Verlages. Was ist wahr, was ist falsch? Nachdem es erste Vermutungen in den Medien gegeben hatte, entzog sich die Autorin zunächst. In einem Interview sagte sie auf die Frage, ob Gortz tatsächlich existiere: «Warum sollte er nicht existieren? Ich dachte, alles, was im Internet steht, existiert auf alle Fälle.»

Juli Zeh erklärte: «Die Erzählung "Unterleuten" geht weiter, in Büchern, in Zeitungen, im Internet. Wenn Sie ihr folgen, werden Sie überall auf Teile von "Unterleuten" stoßen. Weil die Gesellschaft nicht mehr so funktioniert wie zu Zeiten von Balzac, Thomas Mann oder John Updike, ist "Unterleuten" als Gesellschaftsroman des 21. Jahrhunderts ein literarisch-virtuelles Gesamtkunstwerk.»

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