Sa., 14.05.2016

Gesellschaft Gratis-Comic-Tag: Deutsche Comic-Szene wirbt um neue Leser

Philip Schreiber will am Gratis-Comic-Tag mehr Leute für Comics begeistern.

Philip Schreiber will am Gratis-Comic-Tag mehr Leute für Comics begeistern. Foto: Markus Scholz

In den USA genießen Comics Kultstatus, in Deutschland führen sie eher ein Nischendasein. Mit Werbeaktionen versucht die Branche, neue Leser zu gewinnen.

Von dpa

Hamburg (dpa) - Mit 2,4 Millionen Euro lassen sich viele Wünsche erfüllen: Prachthaus, schnelle Autos, Traumreisen - oder doch lieber die Erstausgabe des ältesten «Superman»-Comics? Vor rund zwei Jahren bezahlte ein Bieter bei eBay eben diesen Betrag, um das Sammlerstück aus dem Jahr 1938 in seinen Besitz zu bringen. Ein Rekordpreis.

Während sich in den USA vor allem durch die Superhelden von «Marvel» und «DC» ein wahrer Kult um die Hefte entwickelt hat, stellen sie in Deutschland eher ein Nischengeschäft dar. Das größte Problem sei, dass viele Menschen Comics nach wie vor für «Kinderkram, minderwertig und niveaulos» hielten, meint Philipp Schreiber, Chef eines Hamburger Comicverlages. Die Liste der Vorbehalte gegenüber Comicheften sei lang, zudem fehle es den Menschen im Alltag an Berührungspunkten.

Neue Leser wollen Schreiber und andere Verleger nach dem Vorbild des amerikanischen «Free Comic Book Day» mit dem Gratis-Comic-Tag gewinnen. Im nunmehr siebten Jahr wollten 17 Verlage am Samstag bundesweit 34 verschiedene Hefte in Comic-und Buchläden verschenken. Ziel der Aktion sei es, neue potenzielle Leser zu erreichen und dazu beizutragen, die Wahrnehmung von Comics als eigenständige Kunstform mit erzählerischer Tiefe zu unterstützen, sagt Schreiber. 

«Aktionen wie diese zeigen, mit welcher Kreativität die Branche daran arbeitet, neue LeserInnen anzusprechen und alte bei der Stange zu halten», erklärt Prof. Astrid Böger, Leiterin der Arbeitsstelle für Graphische Literatur der Universität Hamburg. «Die deutsche Comicszene ist sehr spannend, da wir eine ungeheuer kreative junge Generation von Comic-KünstlerInnen haben, die sich klar vom kommerziellen, US-amerikanisch geprägten Mainstream absetzen.»

Die diesjährige Auswahl der Gratis-Comics reicht von kindgerechten Schlümpfen über ambitioniert soziale Titelhelden, Kult-Figuren wie «Lucky Luke» und «Garfield» bis zu erotischen Geschichten. Mit dabei ist auch ein Heft von Timo Wuerz. Für ihn sei das Comiczeichnen in der Jugend ein Weg gewesen, ohne finanzielle Mittel seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, sagt er. «Auf Papier kannst du alles machen, die kuriosesten Szenen - ohne auf das Budget schauen zu müssen.»

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