Do., 26.05.2016

Architektur Architektur-Biennale: Bauen für eine gerechtere Welt

Das Plakat der Architektur-Biennale Venedig 2016 zeigt eine Frau auf einer Leiter, die den Horizont absucht.

Das Plakat der Architektur-Biennale Venedig 2016 zeigt eine Frau auf einer Leiter, die den Horizont absucht. Foto: Bruce Chatwin/Travillion Images

Was haben Armensiedlungen in Chile, ein halblegaler Großmarkt in Berlin und die Stadt Offenbach mit ihren über 150 Nationen gemeinsam? Auf der Architektur-Biennale in Venedig findet man die Lösung.

Von dpa

Venedig/Frankfurt (dpa) - An diesem Wochenende (Samstag 28. Mai) beginnt die Architektur-Biennale in Venedig. Der chilenische Direktor Alejandro Aravena (48), der für die Hauptausstellung verantwortlich ist, sieht Bauen als soziale und politische Aufgabe.

Der deutsche Pavillon passt da gut rein: Das Kuratorenteam vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beschäftigt sich mit Flüchtlingsunterkünften. Die Ausstellung, die im Wechsel mit der Kunstbiennale in der Lagunenstadt stattfindet, ist bis 27. November geöffnet.

Schon der Titel der 15. Biennale weist darauf hin, dass es in diesem Jahr in Venedig nicht primär um ästhetische Fragen geht: «Reporting from the Front» nennt der gerade mit dem Pritzker-Preis geehrte Aravena seine Ausstellung. «Die größte Herausforderung, vor der wir heute stehen, ist die Ungleichheit», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Städte können eine Abkürzung auf dem Weg zu mehr Gleichheit sein.»

64 Nationen nehmen teil: in den historischen Ausstellungs-Pavillons in den Gärten (Giardini); auf dem ehemaligen Werft-Gelände (Arsenale); verteilt über die gesamtes Stadt. Die größte Aufmerksamkeit liegt auf der von Aravena kuratierten Hauptausstellung mit 88 Teilnehmern aus 37 Ländern. Viele Länder sind zum ersten Mal dabei, weil es Aravena ja gerade auch um die Architektur in Schwellen- und Entwicklungsländern geht.

Auch der deutsche Beitrag ist hochpolitisch: Unter dem Titel «Making Heimat» beschäftigte sich das Team um Peter Cachola Schmal und Oliver Elser mit dem Thema Bauen für Flüchtlinge. Die Ausstellung soll im Frühjahr 2017 auch in Frankfurt zu sehen sein. Im ersten, praktischen Teil des Biennale-Beitrags sollen bereits gebaute oder in Realisierung begriffene Flüchtlingsunterkünfte vorgestellt werden.

Der zweite, theoretische Teil fragt nach «den Bedingungen, die in einer Ankunftsstadt gegeben sein sollten, damit aus Flüchtlingen Einwanderer werden können», wie Cachola Schmal bei der Vorstellung des Konzepts in München sagte. «Arrival City: Die neue Völkerwanderung» heißt das Buch des kanadischen Architektur-Analytikers Doug Saunders, der als Berater mit dabei war.

Er hat weltweit analysiert, was Menschen beim Ankommen in neuen Städten hilft. Drei seiner Thesen: «Die Ankunftsstadt ist informell» - wie der halblegale Großmarkt in Berlin-Lichtenberg, der für Hunderte Asiaten Arbeitsplatz und Heimat ist; «Die Ankunftsstadt ist selbstgebaut» - wie die halbfertigen Mini-Häuser zum später Weiterbauen, die Aravena in einer Armensiedlung in Chile baute; oder wie Offenbach, die schmutzige kleine Schwester der Finanzmetropole Frankfurt, «die internationalste Stadt Deutschlands».

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