Do., 26.05.2016

Medien Jutta Speidel: Frauen kommen meistens eher schlecht weg

Für Jutta Speidel läuft es immer besser.

Für Jutta Speidel läuft es immer besser. Foto: Ursula Düren

Der TV-Zweiteiler «Fanny und die geheimen Väter» und «Fanny und die gekaufte Frau» handelt von einer umtriebigen Frau, die ständig pleite ist und plötzlich eine große Erbschaft macht. Was macht das mit ihr?

Von dpa

Hamburg/Berlin (dpa) - Die Schauspielerin Jutta Speidel (62) ist an den nächsten beiden Freitagen in dem Zweiteiler «Fanny» im Ersten zu sehen.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa spricht sie über die Rolle der ungewöhnlichen Fanny, warum Frauen in den meisten TV-Filmen schlecht wegkommen und ob sie es nicht bedauert, auf ein bestimmtes Rollenspektrum festgelegt zu sein.

Frage: Was hat Sie bei der Rolle der Fanny so richtig angefixt?

Antwort: Als ein befreundeter Erbschaftsanwalt ein Buch geschrieben und mir daraus vorgelesen hat. Ich musste ständig lachen und dachte sofort, das wäre doch ein schöner Stoff für einen TV-Film. Jetzt sind es sogar zwei geworden, die - jenseits der Krimischiene - auf einem Sendeplatz um 20.15 Uhr laufen, den man natürlich auch entsprechend bedienen muss. Zusammen mit Autor Thomas Walendy und Regisseur Mark Monheim haben wir gemeinsam versucht, eine gute Mischung zwischen der Geschichte der Fanny und den einzelnen Fällen, in denen es ums Erben geht, zu finden. Das Erbrecht ist ja sehr abgründig und oft bricht der Krieg in den Familien aus. Wir haben die Geschichten natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern gedreht, und so kann man mit der Fanny oft und herzlich lachen.

Frage: Die Fanny ist ja schon eine ungewöhnliche Frau, die sich in einer reinen Männerwelt bewegen muss.

Antwort: Oh ja, und das macht sie ziemlich gut, wie ich finde. Sie könnten jetzt sagen, dass die Männer in unserem Film schlecht wegkommen - was meiner Meinung nach gar nicht stimmt. Ich finde, dass die Frauen im TV-Film meistens eher schlecht wegkommen. Nennen Sie mir mal einen Film, wo eine 60-jährige Frau wirklich ihre Frau steht, also tatsächlich unabhängig und freigeistig ist. Ich glaube, das ist ein absolut neues Thema und ein Novum - wenn man sich anschaut, wie wir die Fanny in ihrer nonkonformen Art gestrickt haben. Meist ist die Erwartungshaltung so: Eine brave, deutsche Frau hat eine Ehe oder eine Scheidung hinter sich, hat die Kinder großgezogen und sollte sich mit zunehmendem Alter bescheiden und brav geben. Kurzum: Wir haben immer noch das biedere Frauenbild der 50er Jahre vor Augen. Das ist doch furchtbar!

Frage: Finden Sie es schwieriger, mit zunehmendem Alter noch adäquate Rollenangebote zu erhalten?

Antwort: Ich habe jetzt 45 Jahre Berufsjahre hinter mir, in denen ich immer viel und gerne gearbeitet habe. Und ich hatte zwei Kinder großzuziehen, also wäre das gar nicht anders möglich gewesen. Was viele, die gerne ein breites Spektrum hätten, bedauern, ist die Festlegung auf ein gewisses Rollenbild. Warum das so ist, müssen die Verantwortlichen im TV-Geschäft beantworten. Das muss ich nicht verstehen, und es gibt für mich auch keinen Grund zur Klage. Im Laufe der Zeit erarbeitet man sich dann auch ein breiteres Spektrum. Was die Rollenangebote betrifft, so läuft es für mich im Grunde immer besser. Eine lose Reihe wie jetzt die «Fanny» kommt mir sehr entgegen, während eine Serie für mich nicht mehr in Frage kommt. Ich möchte und brauche mehr Zeit für mein ehrenamtliches Projekt Horizont e.V., das ich 1997 gegründet habe und das immer weiter wächst und mir eine wirklich erfüllende Freude bereitet. Gerade habe ich ein zweites Haus geerbt und der Dame, der es gehörte, noch einmal großen Lebensmut geschenkt. Das macht mich sehr glücklich.

ZUR PERSON: Jutta Speidel (62) wurde am 26. März 1954 in München geboren. Populär wurde sie durch TV-Serien: «Forsthaus Falkenau» (1989-1995, ZDF), «Alle meine Töchter» (1995-2001, ZDF) und «Um Himmels Willen» (2002-2009, ARD). Sie spielt derzeit im Ein-Frau-Stück «Verliebt, Verlobt, Verschwunden» am Münchener Theater im Bayerischen Hof. Jutta Speidel hat zwei Töchter aus zwei Beziehungen. Von 2003 bis 2013 war sie mit dem italienischen Schauspieler Bruno Maccallini liiert, mit dem sie auch Bücher schrieb und Filme drehte. Jutta Speidel lebt in München.

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