Fr., 27.05.2016

Literatur «Die Caine war ihr Schicksal» - Herman Wouk wird 101

Der amerikanische Schriftsteller Herman Wouk um 1950.

Der amerikanische Schriftsteller Herman Wouk um 1950. Foto: UPI

Wenige Menschen werden 101 Jahre alt, noch weniger schreiben in diesem Alter Bücher. Der amerikanische Bestseller-Autor Herman Wouk ruht sich nicht auf seinen Erfolgen aus. Er arbeitet an seinem nächsten Buch.

Von dpa

Palm Springs (dpa) - Vor mehr als 60 Jahren verfasste Herman Wouk mit «Die Caine war ihr Schicksal» einen der berühmtesten Romane über den Zweiten Weltkrieg.

Schreiben ist immer noch eine Leidenschaft des US-amerikanischen Autors, der an diesem Freitag seinen 101. Geburtstag feiert. Was treibt ihn in diesem Alter an? «Ganz einfach», erklärt Wouk: «Etwas zum Schreiben zu haben».

Wenn er nicht gerade selbst etwas zu Papier bringe, dann würde er am liebsten lesen und lernen, teilte der Autor kurz vor seinem Geburtstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Als Lieblingsautoren nennt er: «Die üblichen Verdächtigen, von Cervantes weiter bis Joyce und Waugh». 

Im Januar veröffentlichte Wouk seine Memoiren mit dem Titel «Sailor and Fiddler: Reflections of a 100-Year-Old Author». Darin erzählt er unter anderem von seiner Kindheit in der New Yorker Bronx, seiner Vorliebe für die Schriftsteller Mark Twain und Alexandre Dumas sowie über den großen Einfluss seines jüdischen Glaubens auf seine Werke. 

Schon als Junge - «mit 11 Jahren» - habe er genau gewusst, dass er Schriftsteller werden wollte, sagt Wouk. Etwas anderes sei für ihn nicht in Frage gekommen. 

Nach dem Studium an der Columbia University bestritt der Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland seinen Lebensunterhalt zunächst als Witze-Schreiber. Er dachte sich Texte für den Radiokomiker Fred Allen aus und verdiente damit in den 1930er Jahren «eine Menge Geld», sagte er dem Entertainment-Portal «Vulture.com».

Der Zweite Weltkrieg änderte sein Leben. Ab 1942 diente Wouk in der US-Navy an Bord eines Minensuch-Zerstörers im Pazifik. Auf See schrieb er auch seinen ersten Roman, «Aurora Dawn», der 1947 einen Verleger fand. Die Erlebnisse in der Kriegsmarine hätten sein literarisches Werk «entscheidend» geprägt, meint Wouk.

«Ich verbrachte viele Nächte damit, über das Meer zu schauen, von Gedanken getrieben, dass ein weiteres Buch ähnlich wie 'Krieg und Frieden' geschrieben werden müsste», sagte der Autor im vorigen Januar dem Radiosender NPR. Damals habe er nicht etwa sich selbst, sondern andere Autoren im Sinn gehabt.

In den 50er Jahren bringt er seine Kriegserfahrungen in dem Roman «Die Caine war ihr Schicksal» zu Papier. Das mit dem Pulitzer-Preis gekrönte Werk wurde weltweit millionenfach in 17 Sprachen verkauft, die Bühnenfassung am Broadway unter der Regie von Charles Laughton war ebenfalls ein internationaler Erfolg, ebenso die Verfilmung mit Humphrey Bogart in der Rolle des neurotischen Kapitäns Queeg auf dem Minensuchboot Caine.

Auch «Marjorie Morningstar», über ein jüdisches Mädchen im New York der 30er Jahre, war ein Bestseller. Dies sei sein Lieblingswerk, erzählt Wouk der dpa. Mit dem populären Sachbuch «This Is My God» folgte 1959 eine sehr persönliche Darstellung des jüdischen Glaubens. «Nie endet der Karneval» ist eine amüsante Geschichte eines gestressten Public-Relations-Experten, der auf einer Karibik-Insel als Hotelbesitzer aussteigen will.

Nach jahrelangen Recherchen in Deutschland, England, Italien, Frankreich, Polen, Israel und der damaligen Sowjetunion meldete sich Wouk in den 70er Jahren mit zwei Monumentalwerken zurück. Mit «The Winds of War» (dt. Der Feuersturm) und der Fortsetzung «War and Remembrance» (Feuersturm und Asche) arbeitet er die Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu einem amerikanischen Epos auf. Beide Bestseller wurden mit Millionenaufwand zu erfolgreichen, in vielen Ländern gesendeten Fernsehserien verarbeitet.

Wouk lebt seit mehr als 30 Jahren im kalifornischen Palm Springs. Dort waren 2011 nach 66 Jahren Ehe seine Frau sowie seine langjährige Literaturagentin Sarah Wouk gestorben.

Auf seiner Webseite beschreibt sich Wouk als «unverbesserlicher jüdischer Optimist». Jeden Morgen freue er sich, die Sonne zu sehen, sagte er im März dem «Wall Street Journal». Er habe noch recht viel Lebensfreude. «Wenn man die 100 erreicht, ist man froh, noch zu leben. Sehr froh.»

Und wie möchte er seinen 101. Geburtstag feiern? «Zuallererst, indem ich ihn erreiche!», erzählt Wouk der dpa.

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