Mo., 30.05.2016

Geschichte Römisches Theater in Mainz erwacht wieder

Blick auf das Römische Theaters, gelegen am gleichnamigen Bahnhof in Mainz.

Blick auf das Römische Theaters, gelegen am gleichnamigen Bahnhof in Mainz. Foto: Doreen Fiedler

In Mainz stehen die Überreste des größten römischen Bühnentheaters nördlich der Alpen. Doch statt die Ruinen als Touristenattraktion zu nutzen, lagen sie über Jahre ziemlich unbeachtet da. Das soll sich nun ändern.

Von dpa

Mainz (dpa) - Wo sich in römischer Zeit einst 10 000 Menschen in einem gigantischen Theater versammelten, wuchert heute Unkraut. Die Ruinen des rund 2000 Jahre alte Bühnentheaters in Mainz wirken vernachlässigt.

Nur ein einfacher Bauzaun trennt den angrenzenden Weg von der historischen Stätte. Sitzbänke aus Holz sind so morsch, dass sie nicht mehr betreten werden dürfen. Der Besucher erfährt kaum etwas darüber, dass hier einst das größte römische Theater nördlich der Alpen stand, mit einer 42 Meter langen Bühne.

«Wir hatten kein Geld», erklärt Marianne Grosse, Bau- und Denkmalpflegedezernentin von Mainz. Es gebe in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz einfach zu viele bedeutende Baudenkmäler. Jetzt aber will sie das Bühnentheater Schritt für Schritt wieder herrichten lassen. Erst ein richtiger Zaun, dann eine erste Stuhlreihe, dann erste Aufführungen, schließlich mehr Bänke, bis wieder 500 Menschen in dem halbrunden Bau sitzen können - so lautet der Plan.

Und wer könnte dann dort spielen? «Da sind wir frei», sagt Grosse. Möglich seien Theaterstücke oder Tanzabende unter freiem Himmel oder auch Open-Air-Kino. Der Intendant des Mainzer Staatstheaters, Markus Müller, hat sich die Überreste des Bauwerks schon auf eine mögliche Nutzung hin angeschaut. Der Ort sei aber «sehr anspruchsvoll», sagt eine Sprecherin vorsichtig. Der Sandboden sei schwierig, und die Züge im angrenzenden Bahnhof seien laut.

Die Gleise verlaufen direkt an den Relikten des Theaters entlang - genau dort, wo einst die Bühne stand. «Wir wissen bis heute nicht, wie hoch das Bühnenhaus war», sagt Gerd Rupprecht, der über viele Jahre hinweg Landesarchäologe von Rheinland-Pfalz war. Wahrscheinlich aber mussten die Zuschauer in den ersten Reihen nach oben schauen. Das ganze Theater dürfte sich mehrere gewaltige Stockwerke nach oben erstreckt haben, bis zum Giebeldach der Lutherkirche am angrenzenden Hügel. «Und darüber Sonnensegel, so wie heute in Fußballarenen», sagt Rupprecht.

In dem «Monstertheater» wurden wohl Werke antiker Autoren gespielt, sagt Marion Witteyer, Leiterin der Mainzer Landesarchäologie. «Dummerweise weiß man für unsere Gegenden hier nicht, was genau», fährt sie fort. Da es aber der Wunsch Roms war, auch in den Provinzen das römische Gedanken- und Kulturgut zu präsentieren, dürften auch dort die großen Tragödien aufgeführt worden sein.

Doch in Mainz wurde nicht nur Theater gespielt. Mogontiacum - so hieß Mainz damals - war ein politischer Wallfahrtsort für Germanien und Gallien. Einmal im Jahr kamen in der Hauptstadt der römischen Provinz Obergermanien hohe Würdenträger zu einer Versammlung zusammen - und im Theater fanden sie alle Platz. «Es wurden Reden geschwungen und geopfert», sagt Witteyer. Es wäre also historisch gesehen gar nicht abwegig, das Theater auch für Bürgerversammlungen zu benutzen.

Bürger - also Schüler, Studenten, Hilfswissenschaftler und Praktikanten - waren es auch, die die Relikte des Theater 1999 freilegten. «Vorher war von dem ganzen Theater nichts zu sehen, da lag eine Straße drüber», sagt Hans Marg, Vorsitzender der Initiative Römisches Mainz. Als im 17. Jahrhundert die Zitadelle gebaut worden war, wurden nämlich die Überreste des Theaters zugeschüttet oder weggeräumt, um von den Stellungen aus ein freies Schussfeld zu haben.

Erst beim Bau der westlichen Eisenbahnverbindung 1884 waren die Mauerreste wieder aufgeraucht. «Die Bauherren des Bahnhofs gewannen aber gegen die Archäologen», sagt Marg. Auch bei neuerlichen Grabungen 1914 sei das Interesse an dem Theater schnell erloschen. Nun aber hofft Marg auf mehr Zuspruch und Rückhalt aus der Bevölkerung. Das Potenzial für eine gute Nutzung als Spielstätte sei da: «Zum Tag des offenen Denkmals kamen Tausende Interessierte.»

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