Di., 18.10.2016

Welthits waren gestern Suzanne Vega brilliert mit Bühnenmusik

Welthits waren gestern : Suzanne Vega brilliert mit Bühnenmusik

Foto: Leszek Szymanski

In den 80er Jahren tauchte sie als junge Frau mit Gitarre und traurigen Songs in der Folkpop-Szene auf. Dann wurde es zeitweise still um Suzanne Vega. Jetzt kehrt die Amerikanerin mit ihrem bislang anspruchsvollsten Album zurück.

Von dpa

Berlin (dpa) - Was so ein Welthit auch nach fast 30 Jahren bewirken kann: Immer noch passiert es Suzanne Vega, «dass ich in irgendeine Drogerie gehe, nach einer Hautcreme frage, der Verkäufer mich grinsend anschaut - und beginnt, 'Luka' zu pfeifen. Das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, wenn Träume in Erfüllung gehen.»

Dabei war «Luka» alles andere als leichte Schlagerware, sondern ein unendlich trauriger Song über Kindesmisshandlung - aus Opfersicht. Ein wenig wurde der traumhafte frühe Erfolg wohl auch zur Bürde für die Karriere der hoch sensiblen amerikanischen Singer-Songwriterin.

Bis heute macht es Vega sich selbst und den Zuhörern mit ihren leisen, poetischen Songs nicht immer leicht. Auf Hits wie «Luka» oder «Tom's Diner» (1987) ist sie schon lange nicht mehr aus. Dies gilt umso mehr für ihr neuntes, bisher ambitioniertestes Studioalbum «Lover, Beloved».

Der Untertitel erzählt fast die ganze Geschichte: «Songs From an Evening With Carson McCullers». Die Lieder sind aus Vegas Theaterstück über die berühmte US-Schriftstellerin (1917-1967), deren Roman «Das Herz ist ein einsamer Jäger» von 1940 zur Standardlektüre im Englisch-Unterricht gehört.

«Ich finde, dass McCullers' Ideen und Gedanken sehr modern sind. Und sie verkörpert sie auf eine Weise, wie es anderen Autoren nicht gelingt», sagt Vega über die stets unkonventionelle Autorin, der sie jetzt ein musikalisches Denkmal mit angemessen klugen Texten setzt. «Sie war eine der ersten Frauen, die über Bürgerrechte und die Kämpfe der Farbigen in den Südstaaten geschrieben hat. (...) Ihr Leben und ihre Arbeit beschäftigten sich auf so ziemlich jedem Level mit Menschenrechten - in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Transgender, Homosexualität, Behinderung und Jugend.»

Das literarische Werk von Carson McCullers und ihr Leben könnten reichlich Stoff für schwermütige Lieder liefern. Doch auf diesem Gebiet muss Suzanne Vega nun wirklich nichts mehr beweisen, daher geht sie auf «Lover, Beloved» teilweise überraschend andere Wege.

So gibt es auf der neuen Platte der 57-Jährigen zwar melancholische Balladen wie «Instant Of The Hour After», «Annemarie» oder das Titelstück - aber eben auch jazzigen Südstaaten-Folkblues im Opener «Carson's Blues» und in «Harper Lee», beschwingten Pianopop in «New York Is My Destination» und einen Akkordeon-Walzer zum Abschluss.

Vega hat diese farbenfrohe Bühnenmusik zusammen mit Duncan Sheik komponiert, einem aufstrebenden Songwriter mit Broadway-Erfahrung. Ein bisschen nach Musical klingt das Album denn auch - zum Glück aber ganz ohne grelle Effekte oder Kitsch.

Ein kleines Wunder ist diesmal auch Vegas früher oft so leiser, unspektakulärer Gesang. «Duncan hat dafür gesorgt, dass ich meine Komfortzone verlasse», erzählt sie. Sheik wollte ihrer Stimme Gewicht verleihen, «so viel Dramatik wie er nur irgendwie aus mir herausholen konnte».

So ist «Lover, Beloved» ein Album geworden, mit dem Suzanne Vega sich - nach langen Jahren in der zweiten Reihe - im Kreis der besten amerikanischen Songschreiberinnen zurückmeldet. Vor allem aber gelingt ihr eine tiefe Verbeugung vor einer großen Schriftstellerin kurz vor deren 100. Geburts- und 50. Todestag. Vega erhofft sich, dass durch ihre Lieder und das Theaterstück «eine neue Generation Carson McCullers entdecken wird. Dass sie feststellen, wie cool McCullers ist und wie unwiderstehlich ihr Werk zu ihnen spricht.»

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