Sa., 17.02.2018

Berlinale Franz Rogowski wird als Shooting Star geehrt

Berlinale: Franz Rogowski wird als Shooting Star geehrt

Foto: Jens Kalaene

Auch Moritz Bleibtreu, Daniel Brühl und Jella Haase hatten mal die Ehre: Die Wahl zum Shooting Star bei der Berlinale gilt als Sprungbrett für besondere Talente. Jetzt ist Franz Rogowski dran.

Von dpa

Berlin (dpa) - Erstmal klingt es, als würde Franz Rogowski gewaltig aufs Blech hauen. «Mein Kerngebiet sind junge, extrem gut aussehende Männer mit besonderen Fähigkeiten, stark in der Liebe, fantasievoll und kunstaffin, aber auch sportlich und muskulös», sagt der Schauspieler aus Berlin - und schaut dabei, als müsse er eine Trauerrede halten. Nur ein winziges Blitzen in den Augen verrät, dass hinter dem Pokerface vielleicht ein ganz anderer steckt.

Bei der Berlinale wird Rogowski am Montag (19.2.), einen Tag vor seinem 32. Geburtstag, als europäischer Shooting Star geehrt. Das EU-geförderte Programm gibt zehn jungen, vielversprechenden Schauspielern aus Europa die Chance, bei dem Festival ihre Arbeiten vorzustellen und wichtige berufliche Kontakte zu knüpfen. Bisherige Gewinner aus Deutschland waren etwa Moritz Bleibtreu, Daniel Brühl, Anna Maria Mühe und Jella Haase.

Rogowski hat außerdem gute Chancen, einen silbernen Bären als bester Schauspieler zu bekommen. Denn er ist mit gleich zwei Filmen im Wettbewerb vertreten - eine ungewöhnliche Präsenz. In dem Flüchtlingsdrama «Transit» von Christian Petzold («Barbara») nach einem Roman von Anna Seghers spielt er einen politischen Flüchtling, der sich in eine brisante Lügenaffäre verstrickt. Thomas Stubners Liebesfilm «In den Gängen» zeigt ihn als schüchternen Looser, der mit seiner Arbeitskollegin im Großmarkt (Sandra Hüller) auf ein kleines Stück Glück hofft. 

Genau für solche Verliererrollen ist Rogowski besonders gefragt. Mit seinem «Holzhackerkörper», wie er sagt, der Hasenscharte und einem Sprachfehler hat der Arztsohn eine ungewöhnliche Karriere hinter sich: In Freiburg geboren schmeißt er irgendwann die Schule, schlägt sich als Pizzabote und Antiquariatsgehilfe durch, absolviert eine Tanzausbildung und macht sich schließlich als freischaffender Tänzer, Schauspieler und Choreograf einen Namen. Seit 2015 gehört er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele.

Für den Film entdeckt ihn Regisseur Jakob Lass, der ihn in «Frontalwatte» (2011) und dem später ausgezeichneten Liebesdrama «Love Steaks» besetzt - zunächst nur als Ersatz für einen ausgefallenen Schauspieler. «Im Schneideraum ist uns dann aufgefallen: Der dominiert das Bild», erzählt Lass später. «Es ist so faszinierend, weil er macht ja nichts, er setzt sich ja einfach wirklich nur da hin, aber das macht so viel Spaß, ihm dabei zuzugucken.»

Von da an geht es steil bergauf. In dem vielfach preisgekrönten Berlinale-Film «Victoria» (2015) von Sebastian Schipper spielt er den von einem Gangster erpressten Ex-Häftling Boxer. Ein Jahr später steht er an der Seite von Weltstar Isabelle Huppert für Michael Hanekes «Happy End» vor der Kamera. Und noch in diesem Jahr soll Terrence Malicks Historiendrama «Radegund» in die Kinos kommen. 

Rogowski ist einer, der an allen Enden brennt - auch wenn es auf der Leinwand gerade das Sparsame, das Zurückgenommene ist, das seine besondere Anziehungskraft ausmacht. Wie er privat lebt und vielleicht auch mit wem, mag er nicht verraten. Im Interview sei er halt ziemlich wortkarg, sagt er. «Das geht über meinen normalen Sprachgebrauch weit hinaus.» Und da ist es wieder, das kleine Blitzen, das ein Gespräch mit ihm so vergnüglich macht. 

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