Do., 26.05.2016

Literatur Comic-Kunst als Schwerpunkt bei Erlanger Festival

Ein Comic des Japaners Jiro Taniguchi.

Ein Comic des Japaners Jiro Taniguchi. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Es gibt sie immer noch - die als leichte Kost daherkommenden Comic-Geschichten. Daneben aber etablieren sich zunehmend sogenannte Graphic Novels - Romane in Comic-Form. Selbst vor Weltliteratur wie «Moby Dick» und «Don Quijote» schrecken Comic-Künstler nicht zurück.

Von dpa

Erlangen (dpa) - Die billig gemachten Groschenhefte sind tot - der Comic kommt nach Experten-Einschätzung inzwischen immer öfter als anspruchsvoller Comic-Roman daher.

«Es gibt einen starken Trend zu qualitativ hochwertigen Comic-Büchern oder -Alben. Der Markt der sogenannten Graphic Novels expandiert», stellte der Chefredakteur und Herausgeber der Internet-Comic-Fachzeitschrift «Comicoskop», Martin Frenzel, zum Auftakt des 17. Internationalen Comic-Salons am Donnerstag in Erlangen fest.

Graphic Novels, in Bildergeschichten umgesetzte Romane, haben demnach längst die Nische verlassen. «Der Markt dafür hat sich mächtig gemacht. Das ist auch für die Verlage inzwischen ein einträchtiger Markt», ist Frenzel überzeugt. Viele traditionelle Comic-Verlage setzten auch deshalb auf Graphic Novels, weil sie damit neue Zielgruppen für den Comic erschließen könnten. Inzwischen reicht die Palette der in Comic-Form angebotenen Literatur von Herman Melvilles «Moby Dick» bis zu Cervantes «Don Quijote».

Inzwischen beschäftigt auch der starke Flüchtlingszustrom die Comic-Zeichner. In den vergangenen Monaten sind etliche Graphic Novels erschienen, die das Schicksal von Flüchtlingen beschreiben. Zu ihnen gehört etwa «Der Traum von Olympia» des Berliner Comic-Künstlers Reinhard Kleist, der die tragisch verlaufene Flucht der somalischen Olympia-Teilnehmerin Samia Yusuf Omar beschreibt. Der Comic-Roman ist nach Kleists Angaben bereits fast 10 000 Mal verkauft worden - für Comic-Verhältnisse ein Bestseller.

Weiterer aktueller Trend: Die Rückkehr der Superhelden. So erleben zurzeit beispielsweise die 1939 zum ersten Mal erschienenen Abenteuergeschichten von Batman eine Renaissance. «Jetzt kommt auch Wonder Woman wieder - eine Superheldin aus dem Jahre 1941», berichtet Experte Frenzel. «Natürlich kommen die Superhelden jetzt moderner daher - mit Handy und so.»

Bereits zum Auftakt des viertägigen Comic-Festivals drängten sich Hunderte Fans an den Ständen der Verlage - in der Hoffnung auf ein Autogramm ihres Lieblingsautors. Manche Anhänger der bunten Bildergeschichten hatten sich als Comic-Helden verkleidet. Mit rund 25 Ausstellungen und fast 500 Künstlern gilt der Comic-Salon als das größte Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum.

Einblicke in die Comic-Kunst anderer Kulturen erhielten die Besucher in einer Reihe von Ausstellungen. Dort waren nicht nur japanische Mangas zu sehen, sondern auch Zeichnungen und Bildergeschichten aus Flandern, den Niederlanden, Frankreich, der Türkei, Indien, der Elfenbeinküste und Nigeria. Eine Ausstellung setzt sich zudem mit dem Lebenswerk des japanischen «Superstars der Manga-Kunst», Jiro Taniguchi, auseinander. Eine zweite Schau gibt einen Überblick über die traditionsreiche Comic- und Satire-Szene in der Türkei.

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