So., 29.05.2016

Theater Leander Haußmanns Abschied vom Theater: «Die Räuber»

Seine Inszenierung von Schillers «Die Räuber» ist das vorerst letzte Stück des Regisseurs Leander Haußmann.

Seine Inszenierung von Schillers «Die Räuber» ist das vorerst letzte Stück des Regisseurs Leander Haußmann. Foto: Alexander Prautzsch

Mit einer grellen Interpretation von Schillers «Die Räuber» hat Regisseur Leander Haußmann vorerst seine Theaterlaufbahn beendet. Nach eigener Aussage möchte er sich zumindest für einige Zeit von der Bühne zurückziehen.

Von dpa

Berlin (dpa) - Der 56-jährige Theater- und Filmregisseur («Sonnenallee») Leander Haußmann hatte vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass er sich für eine Weile von der Theaterbühne verabschiedet. Mit dem Ende der Intendanzen von Frank Castorf und Claus Peymann an der Volksbühne Berlin und am Berliner Ensemble (BE) gehe die Epoche der Künstler, die Theater leiten, zu Ende.

Haußmann protestiert mit seiner Entscheidung gegen Berlins Kulturpolitik. Der wirft er vor, bei Neubesetzungen von Theaterintendanzen künstlerische Kompetenz von Kandidaten außer Acht zu lassen. Seine nun als Abschied deklarierte Inszenierung von Friedrich Schillers «Die Räuber» am Berliner Ensemble hatte aber nichts von Wehmut oder Abschiedsschmerz.

«Das Stück ist eine Bombe!» wirbt das BE für die Aufführung. Dementsprechend laut erzählt Haußmann die Geschichte der Brüder Franz und Karl Moor, die zwischen Machtgier und Menschlichkeit lavieren, als bombastisches Spektakel. Er setzt auf Kitsch und Klamauk. Die Räuberbande Karls wirkt wie ein Trupp von Westernhelden im Stil des Hollywoodklassikers «Die glorreichen Sieben». Das Geschehen auf der fast leeren Bühne von Ausstatter Achim Freyer wird unentwegt von einem Musikmix aus Klassik und Pop angeheizt.

Die von Matthias Mosbach als machthungrigem Bösewicht Franz Moor angeführten Schauspieler toben und tänzeln mit enormer Sportlichkeit. Nahezu unentwegtes Brüllen bestimmt den Ton. Schillers Kritik an einer Gesellschaft, die Humanisten wie Karl ins Abseits treibt, geht dabei nahezu unter. Das zur Uraufführung 1782 wegen seiner Aufmüpfigkeit gegen die gesellschaftlichen Normen als Skandal gehandelte Erstlingswerk Schillers wird bei Haußmann zur grellen Show zwischen Comedy, Western und Horrorspektakel.

Ein Großteil des Publikums ließ sich von der Wucht der Szenenfolgen mitreißen. Mehrfach gab es während der Aufführung Applaus. Auch am Ende war der Beifall stark. Darunter mischten sich allerdings auch einige Buh-Rufe. Sie galten vermutlich der Tatsache, dass Leander Haußmann Schillers auch heute aktuelle Auseinandersetzung mit den Problemen einer Jugend ohne Zukunft nicht beleuchtet und allein auf vordergründige Unterhaltung setzt.

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